SP-Sommeruni
Auch die Vizepräsidentin muss sich an den Ämtliplan halten

Die SP-Genossen treffen sich zum jährlichen Gedankenaustausch in den Walliser Bergen. Mit dabei sind auch Simmonetta Sommaruga, Bundesrätin und Vize-Präsidentin der SP, sowie Präsident Christian Levrat.

Isabelle Frühwirt, Chandolin
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Das Grand Hotel in Chandolin. Hier findet die Sommeruni statt.
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Gespannt lauschen die Genossen den Ausführungen ihrer Bundesrätin Simonetta Sommaruga.
SP-Sommeruni in den Wallisser Bergen
Präsident Christian Levrat
Musste die Terrasse aufräumen: Juso-Chef Fabian Molina.

Das Grand Hotel in Chandolin. Hier findet die Sommeruni statt.

Keystone

Es herrscht Klassenlagerstimmung im Grand Hotel in Chandolin. Juso-Chef Fabian Molina räumt die Terrasse auf, SP-Vizepräsidentin Jacqueline Fehr bringt das Geschirr zum Abwasch in die Küche des Walliser Hotels – so will es der Ämtliplan. Draussen auf der Terrasse steht David Roth am Grill. Der ehemalige Präsident der Jungsozialisten trägt eine weisse Kochmütze und eine blaue Schürze. Er legt Pouletschenkel in die heisse Bratpfanne. Mit der anderen Hand rührt er in den Rüebli, die in einem Wok daneben dampfen.

Einige Meter entfernt unterhalten sich Genossinnen und Genossen aus allen Altersklassen. Bei einem Glas Wein lassen sie den Auftritt von Bundesrätin Simonetta Sommaruga nochmals Revue passieren. Die SP-Magistratin und die Juso eröffneten zuvor die SP-Sommeruni mit einer Diskussion über Familienrecht, Gleichstellung und Migration.

Praktizieren und sinnieren

Erstmals hat sich die SP in die Berge zurückgezogen, um eine Sommeruni abzuhalten, wie sie beispielsweise die französische Parti Socialiste bekannt gemacht hatte. Weit weg von Bern wollen die Sozialisten vier Tage lang Themen und Werte diskutieren, die im Tagesgeschäft zu kurz kämen, wie die Zürcher Nationalrätin Jacqueline Fehr sagt.

In den Tagen zuvor hielten die Jungsozialisten ihr jährliches Sommerlager im Grand Hotel Chandolin ab. Auf dem Weg in die Berge hatte der SP-Mediensprecher Michael Sorg einige von ihnen angetroffen. «Sie sahen ziemlich müde aus», sagt er und lacht. Glücklicherweise hätten sie aber gut aufgeräumt, sodass die älteren Sozialisten gestern ohne Probleme ihre Zimmer beziehen konnten.

Rund 120 von ihnen seien aus allen Kantonen angereist. Die Teilnehmenden der Sommeruni erstrecken sich nicht nur über alle Altersklassen, sondern auch von der Parteibasis bis zum Präsidenten Christian Levrat. In zahlreichen Workshops lernen sie praktische Fähigkeiten wie Medienarbeit, diskutieren aber auch theoretische Fragen. Zudem soll das Lager den Zusammenhalt der Partei stärken, sagt Sorg. «Die Leute können sich hier über Kantons- und Funktionsgrenzen hinweg vernetzen und weiterbilden.»

Persönliches von Sommaruga

Als Sommaruga am späten Nachmittag in Chandolin ankommt, warten bereits alle Teilnehmer im Speisesaal auf die Bundesrätin. An den getäferten Wänden des Raums hängen die mit Klebeband befestigten Parteiflaggen der SP und der Juso nebeneinander. Über die massiven Holztische hinweg tauschen sich die SP-Mitglieder über ihre Herkunft und die dort aktuellen politischen Themen aus. «Ob jetzt in der Länggasse ein Kreisel gebaut wird oder nicht, ist mir egal», meint eine Teilnehmerin aus Bern. «Ich interessiere mich viel mehr für die grossen politischen Visionen.»

In der Diskussion stellen Guilhem Kokot und Ursula Näf, die beide in der Geschäftsleitung der Juso tätig sind, der Bundesrätin auch persönliche Fragen. «Wann wurdest du das letzte Mal wegen deines Geschlechts diskriminiert?», fragt Näf. «Naja, die Ausgangslage mit meinem Amt ist etwas speziell», sagt die Bundesrätin zur Belustigung der Anwesenden. Als sie aber am Mittwoch an einer Gedenkfeier zum Ersten Weltkrieg in Belgien gewesen sei, habe sie schon einigen älteren, ausländischen Amtskollegen klarmachen müssen, dass sie nicht «die Frau von», sondern Vize-Bundespräsidentin sei.

Ansonsten deckten sich die Ansichten der SP-Bundesrätin in Sachen Adoptionsrechte für Konkubinatspartner und Homosexuelle, Gleichstellung der Frauen in der Wirtschaft und Flüchtlingspolitik oftmals mit denen der Anwesenden.

Draussen verdichten sich die Wolken vor dem Bergpanorama. Die Pouletschenkel glänzen goldbraun. David Roth schaufelt sie auf einen grossen Teller. Das Fett des Fleischs zischt noch in der Bratpfanne. Zeit fürs Abendessen.

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