Rüstungsindustrie

Auch zehn Jahre nach dem Kauf: Schweizer Piranha-Panzer machen Belgien Probleme

Belgischer Piranha, Cockerill-Kanone: Schwach auf der Brust.

Belgischer Piranha, Cockerill-Kanone: Schwach auf der Brust.

In der Schweiz produzierte Piranha-Fahrzeuge der belgischen Armee erfüllen ihren Zweck nicht.

Es ist das zweite Mal innert kurzer Zeit, dass der Name eines Schweizer Rüstungsunternehmens in Zusammenhang mit Negativschlagzeilen in Belgien auftaucht: Nachdem die Ruag half, belgische Radschützenpanzer vom Typ Pandur kaputtzurenovieren, stellt sich heraus, dass ­einige der von der Kreuzlinger Mowag produzierten Piranhas auch zehn Jahre nach ihrer Lieferung nicht in der Lage sind, ihre Aufgabe zu erfüllen. Es fehlt ihnen an Feuerkraft.

Neuer Minister brach Beschaffung ab

Konkret: Die Schweizer Panzerfahrzeuge wurden mit einer Kanone ausgerüstet, die panzerbrechende Munition verschiessen soll, aber dazu gar nicht in der Lage ist, wie die belgische Zeitung «De Morgen» berichtet. Die unabhängige Militärgewerkschaft CGPM spricht von der «Verschwendung öffentlicher Gelder».

Dabei handelt es sich um 18 Piranhas des Typs III. Sie wurden von der Mowag hergestellt und mit einer Kanone vom Kaliber 90 Millimeter des belgischen Herstellers «John Cockerill» (vormals «CMI Défense») ausgerüstet. Eigentlich hätten sogar 40 Piranhas mit dieser Konfiguration geliefert werden sollen. 2007 brach der neue Verteidigungsminister Pieter De Crem die Übung aber ab. Die Kanone entsprach offensichtlich nicht dem Nato-Standard. Eine grössere Kanone, wie jene mit Kaliber 105 Millimeter, wäre für den Piranha aber überdimensioniert gewesen.

Belgische Zeitungen munkeln, De Crems Vorgänger, der Sozialdemokrat André Flahaut, habe dem Piranha nur deshalb die 90-Millimeter-Kanone aufgesetzt, um der Rüstungsindustrie in der französischsprachigen Wallonie einen Gefallen zu machen. Ausserdem befindet sich der Fabrikant der zugehörigen Munition in Flahauts Wahlkreis.

Für 18 Piranhas im Wert von knapp 70 Millionen Euro kam der Rückzug der Bestellung zu spät. Sie wurden wie vertraglich vereinbart mit der 90-Millimeter-Kanone ausgeliefert.

Der belgische Hersteller der ­Kanone ist jenes Unternehmen, welches auch jetzt für die Ruag die nachteiligen Renovationsarbeiten der Pandur-Flotte durchgeführt hat. Weder Ruag noch Mowag wollen sich zur ­Zusammenarbeit äussern. Yves Huwart von der belgischen Militärgewerkschaft sagt, dass vor allem die Auftraggeber in der Verantwortung stünden: «Zu oft wird bestelltes Material so verändert, dass es für die ursprüngliche Funktion nicht taugt». Das betreffe die Pandur-Radpanzer ebenso wie die Piranhas. Ein ­anderes Beispiel sei der Mannschaftstransporter «Lynx», bei dem es nach Umbauten zu Übergewicht und Rissen am Chassis kam und der vorübergehend stillgelegt wurde.

Beim belgischen Verteidigungsministerium wehrt man sich. Die Regeln des Beschaffungswesens seien jederzeit eingehalten worden. Ausserdem sei die 90-Millimeter-Kanone des Piranhas durchaus in der Lage, panzerbrechende Munition zu verschiessen. In der Theorie stimmt das. Nur: Die eigens ­entwickelten Wuchtgeschosse erzeugen einen solch starken Rückstoss und Verschleiss an der Kanone, dass das belgische Militär die Verwendung einstellen musste.

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