Am Ursprung der Grünliberalen stand ein Konflikt. Als 2004 das damalige Präsidium der Zürcher Grünen Partei abgewählt wurde, kam es zur Spaltung. Eine Gruppe um Martin Bäumle gründete die Grünliberalen Zürich. Vom Kanton Zürich aus orchestrierte er den Aufbau der Grünliberalen. Am 20. Juli 2007 gründete er die nationale GLP. Zehn Jahre später umfasst sie 19 Kantonalparteien. Und der Gründungspräsident, eine Art «Winkelried» für die grünliberale Idee, tritt ab.

«Um eine Bewegung aus der Taufe zu heben», sagt der Berner GLP-Nationalrat Jürg Grossen, «braucht es einen Pionier.» Wolle man die Bewegung aber etablieren, dürfe sie sich nicht auf eine Person beschränken. «Entscheidend ist die Idee», sagt Grossen. Nach dem Zürcher Bäumle, der die GLP in klassisch hierarchischen Strukturen aufgebaut hat, geben nun – nicht ganz zufällig – Berner den Ton an in der GLP.

Und zwar um die Nationalräte Jürg Grossen, Kathrin Bertschy und den Berner Regierungsratskandidaten Michael Köpfli, GLP-Generalsekretär. Aufgewachsen mit dem partizipativen Stil der Berner Grünliberalen, wollen sie in einem mehrköpfigen Team die Geschicke der nationalen Partei in der Nach-Bäumle-Ära prägen. Dem Team gehören auch die Zürcher Nationalrätin und Fraktionschefin Tiana Angelina Moser an, Corina Gredig, die Zürcher Leiterin des GLP Lab und Pascal Vuichard, der Glarner Co-Präsident der Jungen Grünliberalen.

Das mehrköpfige Team will die Grünliberalen über ein neues Organisationsmodell leiten. Wie dieses genau aussehen soll, ist noch nicht klar. «Wir denken mal laut, müssen uns selbst überraschen lassen», sagt Nationalrätin Bertschy. «Wir haben keinen fertigen Plan, wie unsere Organisation langfristig aussehen soll», sagt auch Unternehmer Grossen. «Das ist ein Prozess, wir sind am Finden.»

Martin Bäumle tritt zurück: "10 Jahre sind eine lange Zeit"

Martin Bäumle tritt zurück: "10 Jahre sind eine lange Zeit"

Bern - 19.05.17 - Der Zürcher Nationalrat Martin Bäumle tritt im Sommer als Präsident der Grünliberalen Partei Schweiz zurück. Das gab der 52-Jährige am Freitag vor den Medien in Bern bekannt. Bäumle hatte das Amt seit der Parteigründung im Jahr 2007 inne.

Adaptives Modell als Ziel

Sicher ist, dass für die verschiedenen Personen Rollen im Vordergrund stehen und nicht mehr Funktionen. Rollen wie etwa Botschafter gegen innen und aussen, Betreuung des Wahlkampfs und der Kantonalparteien, Ideen generieren, Strategie, Kampagnen und Nachwuchsförderung. Die neue Organisation soll sich «permanent erneuern, aber der grünliberalen Idee treu bleiben», sagt Grossen.

Vorbild sind neue Organisationsformen in der Wirtschaft, vor allem auch im jüngsten Unternehmen von Grossen selbst. Für seine Smart Energy Link AG hat er keinen Verwaltungsrat mehr eingesetzt, sondern einen Gestaltungsrat. «Viele Verwaltungsräte sind nur Abnickergremien», sagt Grossen. «Sie prüfen Risiken, gestalten aber selber nichts. Das wollte ich ändern.»

Kathrin Bertschy, die das Politlabor GLP Lab präsidiert, hat sich mit den neuen Organisationsformen auseinandergesetzt. «Zukunftsgerichtete Unternehmen setzen nicht mehr auf klassische Strukturen mit starren und dominanten Hierarchien, denen sich die Mitarbeiter unterordnen», sagt sie. «Sie setzen auf Agilität.» Die erhalte ein Unternehmen nicht über hierarchische Funktionen. «Sondern mit Rollen, welche die Mitarbeiter einnehmen. Rollen sind wandelbar.» Damit sei «für alle die Motivation höher, das Commitment, aber auch die Verantwortung».

Dass man diese neuen Organisationsformen auch in der Politik anwende, dränge sich auf, sagt Bertschy. «Nächste Woche diskutieren wir unsere Ideen mit dem Vorstand.» Er macht dann die Nomination zuhanden der Delegiertenversammlung. Diesen Prozess leitet Nationalrat Beat Flach. Die Partei wolle den Weg der «flachen Hierarchien und breiten Strukturen», den sie begonnen habe, fortsetzen, sagt er. Das habe einen «positiven Groove» ausgelöst. Einen GLP-Präsidenten oder eine GLP-Präsidentin wird es, in einer Übergangsphase, wohl noch immer geben. Und mit hoher Wahrscheinlichkeit wird er oder sie Jürg Grossen oder Kathrin Bertschy heissen. Noch ist die GLP nicht bereit, ganz cheflos zu bleiben.