Durchsetzungsinitiative
Aus Angst vor Ausschaffung: Secondos lassen sich einbürgern

Wer wird ausgeschafft, wenn die SVP-Durchsetzungsinitiative angenommen wird? Die Unklarheiten veranlassen manche Secondos nun dazu, auf Nummer sicher zu gehen: Sie lassen sich einbürgern.

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Kriminelle Ausländer sollen kompromisslos ausgeschafft werden: Mit der Durchsetzungsinitiative verlangt die SVP eine buchstabengetreue Umsetzung der Ausschaffungsinitiative.

Kriminelle Ausländer sollen kompromisslos ausgeschafft werden: Mit der Durchsetzungsinitiative verlangt die SVP eine buchstabengetreue Umsetzung der Ausschaffungsinitiative.

Keystone/ARNO BALZARINI

Der Zeitung „Schweiz am Sonntag“ sind mehrere Fälle bekannt.

So der 54-jährige Italiener Emilio. Als vor einiger Zeit ein Strafbefehl der St. Galler Staatsanwaltschaft ins Haus flatterte, bekam er ein mulmiges Gefühl. Emilio war zu schnell Auto gefahren. Bestraft wurde er mit einer saftigen Busse, dem Entzug des Führerscheins für drei Monate und einem Eintrag ins Strafregister. Doch was ihn am meisten schmerzte, war das Kleingedruckte auf dem Strafbefehl: Eine Kopie dieses Briefes werde an das kantonale Migrationsamt geschickt, stand da.

«Es war nicht so, dass ich Angst hatte», sagt Emilio. Doch die Sache habe ihm zu denken gegeben. Unter Kollegen habe man darüber Witze gemacht. Er könne doch sicherlich nicht ausgeschafft werden, er lebe schliesslich ein Leben lang in der Schweiz. Doch so richtig informiert sei keiner gewesen.

Der «Schweiz am Sonntag» sind weitere Fälle von Secondos bekannt, die sich jetzt einbürgern lassen, sich gegenüber den Medien aber nicht äussern möchten. Jährlich lassen sich zwischen 30'000 und 35'000 Personen einbürgern.

In der Vergangenheit gab es immer wieder Zeiten, wo Einbürgerungen plötzlich rasant zugenommen haben. Laut Sandro Cattacin, Soziologieprofessor an der Universität Genf, erklären sich die hohen Einbürgerungsraten generell mit Gesetzesänderungen.

Er kann sich vorstellen, dass es Einzelne geben wird, die sich aufgrund der Durchsetzungsinitiative einbürgern lassen werden. «Es wird wohl keine Bewegung geben, jedoch durchaus Einzelfälle, die wegen der Initiative diesen Schritt machen.»

Derzeit mache er jedoch eher die Erfahrung, dass die meisten noch gar nicht begreifen, welche Konsequenzen die Durchsetzungsinitiative haben wird. «Jetzt, wo der Abstimmungskampf lanciert ist, wird es wohl noch ein paar Wochen dauern, bis das in den Köpfen der Menschen ankommt.»