Sicherheit

Autos sind rollende Computer - was passiert, wenn sie gehackt werden?

Amerikanischen Hackern gelang es, aus der Ferne die Kontrolle über einen Jeep zu übernehmen.BRITTA PEDERSEN/Keystone

Amerikanischen Hackern gelang es, aus der Ferne die Kontrolle über einen Jeep zu übernehmen.BRITTA PEDERSEN/Keystone

Die Digitalisierung macht nicht nur Spitäler angreifbar,denn ist ein Gerät mit dem Netz verbunden, kann es potenteill gehackt werden. Damit sind auch Autos in Gefahr. Die Politik hinkt in Sicherheitsfragen hinterher.

Die Kriminellen sind ihrer Zeit wieder einmal voraus. Für viele Menschen ist das «Internet der Dinge» noch kaum ein Thema. Auch nicht für Politiker. Doch Hacker nutzen die neue Technik längst für ihre Zwecke. Immer mehr Gegenstände und Maschinen kommunizieren miteinander. Manches wird erst kommen, anderes ist schon da.

Das «Internet der Dinge» bereichert das Leben. Über dessen Schattenseiten spricht aber kaum jemand: Viele medizinische Vorrichtungen wie Infusionspumpen oder Narkosegeräte sind bereits an Netzwerke angeschlossen. Jedes sechste Spital in der Schweiz ist jedoch nur ungenügend gegen Hackerattacken geschützt.

Wer sucht, der findet

Der Verband der Medizintechnik beteuert, dass sich die Branche nun vermehrt mit Sicherheitsrisiken befassen will. Die Spitäler sind sich deren bislang jedoch kaum bewusst, wie Nachfragen zeigen. Der nationale Spitalverband H+ will mit einer Stellungnahme vorerst noch zuwarten.

Verwundbar sind nicht nur die Spitäler. Regelmässig stossen Forscher auf Sicherheitslücken bei vernetzten Gegenständen. Diese sind heute noch viel zu wenig auf Attacken vorbereitet, bestätigt ein Hacking-Spezialist gegenüber der «Nordwestschweiz».

«Computer werden schon länger angegriffen. Entsprechend besser sind sie geschützt.» Wenn es sich für Kriminelle lohnt, werden sie die Lücken zu nutzen wissen.

Meist verfolgen Hacker dabei finanzielle Absichten. Alarmanlagen oder intelligente Steuerungen könnten gehackt und nur gegen Geld wieder freigeschaltet werden.

Mit genügend krimineller Energie lassen sich aber auch Menschenleben gefährden. Welche Gefahren stecken hinter der permanenten Vernetzung? Das zeigen zwei Beispiele.

Autos: Sie sind heute rollende Computer. Die unzähligen vernetzten Schnittstellen eines Autos präsentieren sich Hackern als grosses Einfallstor. Zwei amerikanischen Tüftlern ist es im vergangenen Juli gelungen, erstmals ein Auto in voller Fahrt zu hacken. Und zwar aus einem Wohnzimmer, kilometerweit vom Auto entfernt, über das Internet.

Von einem Laptop aus kaperten die Hacker einen Jeep Cherokee. Hinter dem Steuer sass ein Redaktor des Technik-Magazins «Wired», der zuvor eingeweiht worden war. Ohne Vorwarnung stoppten sie den Motor des Autos. Mitten auf einem voll befahrenen Highway kam das Auto zum Stehen. Später blockierten sie auch noch die Bremsen. Die Hacker konnten in zentrale Systeme des Autos eingreifen. Zuvor hatten sie sich über das Entertainment-System eingeschleust, das mit dem Internet verbunden ist.

Smart Home: Zu Hause lässt sich mittlerweile vieles fernsteuern. Die Rede ist von Smart Home. Toiletten und Garagentore lassen sich per App bedienen, Thermostate merken sich Vorlieben von Hausbewohnern. Und dank intelligenter Steuerung bleibt der Herd nie aus Versehen eingeschaltet. Den Testern von «Forbes» gelang es schon 2013, die smarte Steuerung von Häusern unter ihre Kontrolle zu bringen.

Dafür mussten sie nur das Webportal der Steuerungen ausfindig machen. Viele waren nicht mal mit einem Passwort geschützt. Die Technikfirma Hewlett Packard verweist auf versuchte Einbrüche, bei denen Passwörter geknackt und Alarmanlagen unterdrückt wurden.

Demokratische Kontrolle fehlt

Ist ein Gerät mit dem Netz verbunden, kann es potenziell gehackt werden. Diese Erkenntnis ist wenig überraschend. Aber Sicherheitsexperten bemängeln, dass manche Geräte nicht so sicher seien, wie es nach aktuellem Stand der Technik möglich wäre. Die staatliche Regulation hinkt dem Fortschritt hinterher, einheitliche Standards fehlen.

Solche fordert Edith Graf-Litscher. Die Thurgauer SP-Nationalrätin präsidiert die parlamentarische Gruppe «Digitale Nachhaltigkeit». Das «Internet der Dinge» biete grossartige Vorteile, sagt sie. «Die Schweiz könnte hier eine Führungsrolle übernehmen, um Innovationen zu fördern. Dafür braucht es Normen und eine demokratische Kontrolle.»

Eine politische Debatte über die Folgen der digitalen Vernetzung ist bislang ausgeblieben. Netzpolitiker wie Graf-Litscher wurden eher belächelt. Nun ist sie überzeugt: Das wird sich in der neuen Legislatur ändern. Dahinter stehe die Erkenntnis, dass die Digitalisierung nicht mehr als Nischenthema taugt. Zu stark ist diese in fast alle Lebensbereiche vorgedrungen.

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