Windenergie
Behörden stemmen sich gegen Windpark und werden von den Grünen unterstützt

Die Interessengemeinschaft Windpark Honegg möchte ihr Projekt mit der Gemeinde Eriz im Kanton Bern vorantreiben. Der Kanton spielt aber nicht mit. Ausgerechnet die Grünen zeigen dafür Verständnis.

Rinaldo Tibolla
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Gerade bei Windparks ist es normalerweise anders: Wird ein Projekt vorgestellt, laufen Einwohner der betroffenen Gemeinde Sturm. Nicht so in der Gemeinde Eriz im Kanton Bern. Dort hat sich die Interessengemeinschaft (IG) Windpark Honegg die Förderung der Windenergie zum Ziel gemacht. Auf dem Höhenzug Honegg soll ein Windpark entstehen. Deshalb soll der Standort auch im Richtplan des Kantons für Windenergieanlagen zu stehen kommen. Nun hat sich das Amt für Gemeinden und Raumordnung (AGR) zum zweiten Mal dagegen entschieden, wie die Zeitung «Der Bund» am Dienstag berichtete. Das AGR argumentiert, dass der Erschliessungsaufwand zu gross, das Windaufkommen zu klein sei. Laut Daniel Jost, Präsident der IG und der Gemeinde Eriz, gibt es sehr wohl rentable Standorte. Wie er auf Anfrage erklärte, wolle man deshalb «weiterkämpfen, dass Honegg in den Richtplan aufgenommen wird». Zwei SVP-Grossräte haben einen Vorstoss eingereicht, der «erleichterte und verkürzte Planungsverfahren für Windenergieanlagen» fordert.

Überraschenderweise zeigen gerade die Grünen, welche sich die Förderung alternativer Energie auf die Fahne geschrieben haben, in Bern Verständnis für den Entscheid der Behörden. «Der behördliche Weg ist richtig», sagt Blaise Kropf, Präsident der Grünen des Kantons Bern. Im konkreten Fall müsse man eine Interessensabwägung vornehmen. Beim Verband der Windenergie, Suisse-Eole, blieb eine Anfrage für eine Stellungnahme zum Fall unbeantwortet.

Ja vom Volk und vom Gericht

Während also Honegg blockiert ist, geht es anderenorts vorwärts mit der Windenergie. Die Neuenburger Stimmbevölkerung hat im Mai den Bau von 59 Windkraftanlagen in fünf Zonen des Neuenburger Jura gutgeheissen. Dies soll ermöglichen, dass über 20 Prozent des Strombedarfs des Kantons über die Windkraft gedeckt werden können. In Freiburg hat das Kantonsgericht im Juli eine Beschwerde gegen den Bau von neun Windrädern auf dem Schwyberg abgewiesen. Das öffentliche Interesse, Strom aus Windkraft zu erzeugen, sei als wichtiger einzuschätzen als die Auswirkungen eines Windparks auf Landschaft und Natur, begründete das Gericht. Die beschwerdeführenden Naturschutzorganisationen wollen das Urteil nun vor Bundesgericht ziehen. Bislang eher positiv äussert sich die Bevölkerung zum geplanten Bau von vier grossen Windkraftanlagen ab 2017 an der luzernisch-aargauischen Grenze. In der Surselva hingegen wehrt sich die IG Sezner-UmSu-Grenerberg gegen den geplanten Bau von bis zu 40 Windanlagen zwischen Obersaxen und dem Lugnez auf einer Höhe von über 2000 Metern über Meer.

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