Gleichstellung
Beim Büro für Gleichstellung ist überhaupt nichts gleich gestellt

Beim Eidgenössischen Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann (EBG) arbeiten 14 Frauen und ein Mann. Dies war Montagmorgen noch auf der Webseite des Büros ersichtlich - mittlerweile ist dies nicht mehr online ersichtlich.

Michael Hugentobler
Drucken
Teilen

Dieser eine Mann, Patric Aeberhard, ist der Leiter Fachbereich Arbeit und mit drei Frauen für dieses Teilgebiet zuständig.

Dass der Verfassungsauftrag der Gleichstellung von Frau und Mann in allen Lebensbereichen noch lange nicht realisiert ist, thematisierte der ehemalige Zürcher Männerbeauftragte Markus Theunert vergangenen Mai in einem offenen Brief in der Wochenzeitung «Die Zeit». Es wäre naheliegend, Gleichstellung nicht länger als ein Frauenanliegen wahrzunehmen, sondern die Männer als eigenständige Akteure in die Geschlechterpolitik einzubinden, so der Männerbeauftragte. Unter anderem bemängelte Theunert das Verständnis für seinen Job beim EBG. «Braucht es das wirklich?» fragte damals die EBG-Direktorin Sylvie Durrer im «Beobachter».

Geschlechtergleichheit nicht nötig?

Der eine Mann beim Eidgenössischen Büro für Gleichstellung erweckt den Anschein, dass es Geschlechtergleichheit beim EBG nicht braucht. Da ist EBG-Direktorin Durrer anderer Ansicht. «Die Informationen auf der Webseite entsprechen nicht dem aktuellen Stand», so Durrer. Heute würden beim EBG fünf Männer arbeiten: Ein Fachbereichsleiter, ein wissenschaftlicher Mitarbeiter sowie zwei Hochschulpraktikanten und ein Lernender. Am Montagnachmittag war die entsprechende Webseite mit den 14 Frauen und dem einen Mann dann vom Netz genommen.

Gleichstellung in der Bundesverfassung

Die Gleichstellung von Mann und Frau ist in der Schweizerischen Bundesverfassung verankert. Das Eidgenössische Büro für Gleichstellung (EBG) legt seinen Schwerpunkt auf die Gleichstellung von Männern und Frauen in Familie und im Erwerbsleben. Das Büro unterstützt Projekte zur Förderung der Chancengleichheit. Es entwickelt zudem Projekte zur Umsetzung der Lohngleichheit. Die Software Logib wurde vom EBG in Auftrag gegeben - sie ist gratis als Download erhältlich und berechnet die Lohnunterschiede der Geschlechter in Unternehmen.

«Es ist unser Ziel, dass gleich viele Männer wie Frauen bei uns arbeiten», so Durrer. Bislang hätten sich wenige Männer für diese Arbeit interessiert. «Jetzt beginnt sich das allerdings zu ändern», sagt Durrer. Das Problem sei, Männer zu finden, die die entsprechende Ausbildung mitbrächten. «Die Situation wie wir sie im Moment haben, ist nicht gut, aber sie beginnt sich allmählich zu bessern.»

Arbeiten in Zukunft mehr Männer beim EGB?

Das EBG soll laut der «NZZ am Sonntag» in Zukunft zwei bis fünf zusätzliche Vollzeitstellen erhalten. Das dafür nötige Budget soll der Bundesrat Anfang 2013 beraten. Bestehen also Chancen, dass das EBG in Zukunft mit Männern aufgestockt wird? «Die Diskussion um neue Stellen ist verfrüht.»

Die Analyse zu den nötigen zielführenden Ressourcen des EBG seien noch nicht gemacht worden. Es gelte jedoch ganz allgemein: Bewerbungen von Männern seien bei ihnenimmer willkommen. «Wenn zwei Personen sich für die gleiche Stelle bewerben und eine gleichwertige Ausbildung haben, wird jene Person die Stelle bekommen, die geschlechtlich tiefer vertreten ist.»

In ihrem privaten Leben versucht die höchste Gleichstellerin der Schweiz die Gleichstellung aktiv zu leben. Mit ihrem Ehemann hat sie drei Kinder und beide Partner arbeiten zu 100 Prozent. «Das ist nicht einfach, man muss sich ständig austauschen.» Sie räumt aber auch ein, dass die Aufteilung nicht immer zu gleichen Teilen erfolgen kann. «Wir versuchen die Gleichstellung zwar zu leben, aber rechnerisch ist eine hälftige Aufteilung kaum möglich.»

Aktuelle Nachrichten