Medikamentenpreise
Bessere Medikamente dürfen trotz Preisvergleich teurer sein

Preisvergleiche mit dem Ausland: Seit letzten März sind sie das Mittel, mit dem Bundesrat Alain Berset tiefere Medikamentenpreise erwirken will. Die Pharmabranche läuft dagegen Sturm und bekommt jetzt sogar Support von den Krankenkassen.

Anna Wanner
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Der Streit um die Medikamentenpreise in der Schweiz hält an.HO

Der Streit um die Medikamentenpreise in der Schweiz hält an.HO

Im Streit um hohe Medikamentenpreise in der Schweiz nähern sich die Krankenkassen der Pharmaindustrie an. Dies, obwohl ihre Interessen unterschiedlicher nicht sein könnten: Pharmafirmen wollen ihre Produkte so teuer wie möglich verkaufen, die Krankenkassen vor allem kassenpflichtige Medikamente möglichst günstig an die Versicherten abgeben, um die Prämien nicht weiter erhöhen zu müssen.

Konkret fordern Pharma-Vertreter eine Abkehr vom aktuellen System der Preisfestlegung mittels Preisvergleichen mit dem Ausland, das seit März letzten Jahres gilt. Gegen die sinkenden Medikamentenpreise haben sie deshalb Rekurse eingelegt. Sie wollen, dass künftig auch der Nutzen eines Medikamentes in die Preisberechnung einfliesst.

Nun bieten ausgerechnet die Krankenkassen Hand. Sie befürchten Verzögerungen auf dem Weg zu günstigeren Preisen. Zwar will der Branchenverband Santésuisse am Auslandpreisvergleich festhalten, doch signalisiert er Offenheit, auch den Nutzen einfliessen zu lassen. Laut Santésuisse-Direktor Christoph Meier ist ein therapeutischer Mehrwert von Medikamenten unbestreitbar. Die Frage sei nur, wie viel mehr ein Medikament kosten dürfe, nur weil es besser wirke.

Ein Auge auf Krankenkassen

Laut Konsumentenschützerin Prisca Birrer-Heimo macht ein therapeutischer Quervergleich Sinn, wenn er nicht für die Durchsetzung überhöhter Preise missbraucht wird. Die Luzerner SP-Nationalrätin beobachtet, welche Interessen die Krankenkassen vertreten und ob sie der Pharma weiterhin kritisch gegenüberstehen. «Sonst erwächst aus dieser Verbindung eine unheilige Allianz.»

Bundesrat Alain Berset, der den Auslandpreisvergleich gegen die Interessen der Pharma vor einem Jahr durchsetzte, lädt im März zu einem zweiten runden Tisch von Pharmavertretern, Krankenkassen und Konsumentenvertretern über neue Medikamentenpreise. Wenn die Krankenkassen ihre jetzige Strategie behalten, öffnen sie der Pharma-Branche ein Hintertürchen, gegen die Preissenkungen vorzugehen.

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