Sexualität
Bleibt Pädophilie unentdeckt, steigt die Gefahr für Übergriffe

«Pädophilie ist nicht heilbar, aber behandelbar», sagt Monika Egli-Alge, Leiterin des Forensischen Instituts Ostschweiz (Forio). Betroffene sind zwischen 15 und 17 Jahre alt, wenn sie es merken. Doch die Wenigsten vertrauen sich jemandem am.

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Betroffene sind zwischen 15 und 17 Jahre alt, wenn sie merken, dass sie pädophil sind. (Symbolbild)

Betroffene sind zwischen 15 und 17 Jahre alt, wenn sie merken, dass sie pädophil sind. (Symbolbild)

Ein Prozent der Bevölkerung ist pädosexuell. Ihrer Neigung werden sie sich bereits als Teenager bewusst. Das zeigt eine noch laufende Untersuchung des Forensischen Instituts Ostschweiz (Forio) in Zusammenarbeit mit dem Institut für Sexualwissenschaft der Charité Berlin.

Gemäss ersten Ergebnissen, die der «SonntagsZeitung» vorliegen, sind Betroffene zwischen 15 und 17 Jahre alt, wenn sie es merken. «Während sie langsam erwachsen werden, bleibt ihre sexuelle Präferenz beim Kinderkörper haften», sagt Monika Egli-Alge, Leiterin des Forio. «Sich aber einzugestehen, dass einem kindliche Körper erregen, löst tiefe Schamgefühle aus.» Daher würden sich die Wenigsten jemandem anvertrauen.

Egli-Alge will aber Betroffenen Mut machen, Hilfe zu holen. «Pädophilie ist nicht heilbar, aber behandelbar.» Über 130 Männer waren in den vergangenen Jahren bei ihr am Forio in Therapie. Mit Erfolg. Rückfälle sind keine bekannt. Sie sagt aber auch: «Dass man die Sexualität, die einem entsprechen würde, nicht leben darf, ist aber enorm schwierig.»

Derzeit läuft in Berlin ein Pilotprojekt zur Früherkennung. Die Charité hat einen anonymen Chat eingerichtet und bewirbt diesen auf sozialen Netzwerken, um junge Betroffene zu erreichen. «So etwas wäre auch in der Schweiz wichtig», sagt Egli-Alge. Und nimmt die Schulen in die Pflicht. «Es sollte zur Aufklärung gehören, dass man nicht nur hetero-, homo- oder bi-sexuell sein kann, sondern eben auch pädophil.»

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