Radioaktivität

Brisante Beschaffungspläne: Bund rüstet sich mit Drohnen gegen «schmutzige Bomben»

Gefährliche Strahlen: Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz will künftig Drohnen zur Messung der Radioaktivität einsetzen.

Gefährliche Strahlen: Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz will künftig Drohnen zur Messung der Radioaktivität einsetzen.

Der Bund will unbemannte Fluggeräte beschaffen, die nach Anschlägen oder Unfällen die Radioaktivität messen.

Was für ein Albtraum: Ein Terrorakt mit konventionellen Sprengsätzen, die mit radioaktivem Material bestückt sind. Von «Dirty Bombs» sprechen Fachleute passenderweise, von schmutzigen Bomben. Im Gegensatz zu herkömmlichen Atomwaffen sind sie relativ einfach zu bauen, ihr Gefahrenpotenzial ist gross. Radioaktives Material wie Cäsium-137 und Kobalt-60 ist nämlich vielerorts zu finden – etwa in Forschungslabors oder Spitälern, die Strahlentherapien anbieten. Nach einem Anschlag in einem dicht besiedelten Gebiet könnten mehrere tausend Menschen von Strahlenschäden betroffen sein.

Wirklichkeit wurde ein solches Szenario noch nie; weder in der Schweiz noch irgendwo sonst. Hierzulande hält das Bundesamt für Bevölkerungsschutz einen «Dirty Bomb»-Anschlag in einer Grossstadt für «grundsätzlich vorstellbar, aber doch selten zu erwarten». Doch die Behörde will auf alle Eventualitäten vorbereitet sein, damit sie im Fall der Fälle schnell handeln kann: Neu setzt sie auf Drohnen, die Radioaktivität messen. Derzeit sucht das Bundesamt für Bevölkerungsschutz in einer öffentlichen Ausschreibung nach einer kommerziellen Partnerfirma, die auf die unbemannten Fluggeräte spezialisiert ist.

Die Drohnen sind mit hochsensiblen Messgeräten ausgestattet. Sie sollen bei der Quellensuche nach einem Anschlag genutzt werden, wie das Bundesamt auf Anfrage bestätigt. Zum Einsatz kommen könnten sie aber auch nach Unfällen mit radioaktivem Material, beispielsweise in einem Atomkraftwerk oder bei Transporten. Radioaktive Stoffe lagern sich nicht gleichmässig ab. Gerade in eng bebauten Gebieten kann sich ihre Verteilung auf kleinstem Raum stark unterscheiden.

Bund verfügt über eine spezialisierte Einsatzequipe

Drohnen ermöglichten rasche, flexible Messungen in kleineren Gebieten, «ohne dass das Messpersonal selbst der Gefahr radioaktiver Strahlung ausgesetzt wird», sagt eine Amtssprecherin. Zuständig für die Bewältigung radiologischer Ereignisse ist das bundeseigene Labor Spiez. Es hat eine spezialisierte Einsatzequipe für Messungen und Probenahmen vor Ort.

Gut geeignet sind die Drohnen laut dem Bundesamt vor allem bei «lokalen Verstrahlungslagen», das heisst: Wenn radioaktive Strahlung in einem klar definierten Gebiet aufgespürt werden muss.

Sind ganze Dörfer oder Städte betroffen, verfügt das Bundesamt zusammen mit der Armee seit Jahren über ein eigenes Aeroradiometrie-System. Ein Super-Puma-Helikopter dient dabei als mobiler Strahlensensor, um Radioaktivität am Boden grossräumig zu messen.

Experten sollen Know-how liefern

Auf welchen Drohnentyp der Bund setzt und was die Anschaffung kostet, wird sich nach der öffentlichen Ausschreibung zeigen. Weil es sich um eine «begrenze Sonderanwendung» handle, werde eine externe Firma beigezogen, erklärt die Sprecherin. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz selbst hatte bisher keine Erfahrung mit den Geräten. «Zusätzlich entwickelt sich die Drohnentechnologie sehr schnell weiter, sodass nur spezialisierte Stellen dauernd up to date sein können.»

Die Messgeräte in modernen Spezialdrohnen sind unter anderem in der Lage, zwischen natürlicher Radioaktivität aus dem Boden und von Menschen erzeugter Radioaktivität zu unterscheiden. Und sie können nachverfolgen, in welche Richtungen radioaktiv strahlende Lasten transportiert worden sind.

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Autor

Sven Altermatt

Sven Altermatt

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