Wahlen 2019

Bürgerliche verlieren Schwergewichte: Das sind die spannendsten Veränderungen im Parlament

Bei den letzten Wahlen konnten sie noch gemeinsam lachen: Jetzt wird der Bündner SVP-Mann Heinz Brand abgewählt, während seine Parteikollegin Magdalena Martullo glanzvoll die Wiederwahl schafft.

Bei den letzten Wahlen konnten sie noch gemeinsam lachen: Jetzt wird der Bündner SVP-Mann Heinz Brand abgewählt, während seine Parteikollegin Magdalena Martullo glanzvoll die Wiederwahl schafft.

Einige prominente Parlamentarier verpassen die Wiederwahl, andere müssen lange bangen. Profilierte Politiker fahren neu nach Bern.

Gekämpft haben sie alle, gezittert viele bis zum Schluss. Einige müssen nun ihren Platz im Bundeshaus räumen, andere dürfen neu nach Bern fahren. Das sind die spannenden personellen Veränderungen im Parlament:

Die Abgewählten

– Die SVP verliert mehrere prominente Politiker. In Graubünden muss Heinz Brand seinen Sitz räumen. Es ist eine bittere Niederlage für den SVP-Politiker, der 2021 Nationalratspräsident geworden wäre. Er schneidet deutlich schlechter ab als Magdalena Martullo-Blocher. Die Tochter von Christoph Blocher, die im Kanton Zürich wohnt, kann ihren Sitz anders als erwartet überraschend deutlich verteidigen: Sie holt die meisten Stimmen aller Bündner Kandidaten.

– Überraschend muss der Glarner SVP-Ständerat Werner Hösli seinen Sitz räumen. Abgewählt wurden weiter die SVP-Nationalräte Felix Müri (LU), Thomas Müller (SG), Barbara Keller-Inhelder (SG), Claudio Zanetti (ZH), Manfred Bühler (BE), Sebastian Frehner (BS) und Gewerbeverband-Präsident Jean-François Rime (FR) sowie die auf neuen Listen angetretenen bisherigen Aargauer Nationalräte Luzi Stamm und Maximilian Reimann.

Diese Parlamentarier haben die Wiederwahl 2019 verpasst:

– Der Zürcher Freisinnige Hans-Ulrich Bigler, Präsident des Gewerbeverbands, muss seinen Sessel im Bundeshaus räumen. Auch der Luzerner FDP-Nationalrat Peter Schilliger, der sich insbesondere als Energiepolitiker einen Namen gemacht hat, hat die Wiederwahl nicht geschafft. Ebenso der Thurgauer Hansjörg Brunner.

– Die BDP verliert die Fraktionsstärke im Parlament. Ihre Wiederwahl verpasst haben Bernhard Guhl (AG), Duri Campell (GR), Heinz Siegenthaler (BE) und auch Fraktionschefin Rosmarie Quadranti (ZH). Damit ist die Partei selbst mit ihrer einstigen Hochburg Graubünden nicht mehr in Bern präsent.

– Bei der SP müssen die Berner Gewerkschafter Corrado Pardini und Adrian Wüthrich ihre Pulte im Nationalrat räumen. Die Zürcher SP muss auf Thomas Hardegger und Martin Naef verzichten. In Solothurn wird Gewerkschafter Philipp Hadorn abgewählt.

– Weil die St. Galler CVP einen Sitz verliert, muss Thomas Ammann nach vier Jahren sein Nationalratsmandat abgeben. In Zürich wird die langjährige CVP-Nationalrätin Kathy Riklin abgewählt. Sie war mit einer eigenen Liste zu den Wahlen angetreten. Im Wallis verpasst CSP-Mann Thomas Egger die Wiederwahl.

Die Neuen

– Es ist die wohl grösste Sensation bei den Grünen: In zwei Kantonen ziehen junge Vertreter für sie in den Ständerat ein. In Glarus verdrängt Mathias Zopfi, 35, den bisherigen SVP-Mann Hösli aus dem Ständerat. Er gilt als gemässigt, als erster Grüner präsidierte er das Kantonsparlament im bürgerlich geprägten Kanton. In Neuenburg erobert Céline Varra, 34, überraschend den traditionellen SP-Ständeratssitz.

Mathias Zopfi (Grüne/GL) wird Ständerat.

Mathias Zopfi (Grüne/GL) wird Ständerat.

– In Anlehnung an die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg lässt sich konstatieren: Greta zieht auch ins Bundeshaus ein. Denn im Tessin holt Greta Gysin erstmals überhaupt einen Sitz für die Grünen. Und im Kanton Zug zieht dank den Grünen erstmals überhaupt eine Frau in den Nationalrat ein. Ex-Regierungsrätin Manuela Weichelt-Picard hat den Nationalratssitz zurückerobert, den die Partei vor acht Jahren der FDP abtreten musste. Auch Meret Schneider, 27, ist neu im Nationalrat. Sie ist Co-Geschäftsleiterin von Sentience Politics, welche die Massentierhaltung abschaffen will.

– Für einen Generationenwechsel bei den Grünliberalen steht ebenfalls eine neue Vertreterin aus Zürich: Die 32-jährige Corina Gredig führt das parteieigene «Politlabor». In Luzern gelingt Roland Fischer ein Comeback. Er sass bis 2015 während einer Legislatur für die GLP im Nationalrat und gilt als einer der Väter des heutigen nationalen Finanzausgleichs. In Basel-Stadt erobert die Anwältin Katja Christ erstmals einen Sitz für die GLP.

Roland Fischer (GLP/LU) kehrt nach Bern zurück.

Roland Fischer (GLP/LU) kehrt nach Bern zurück.

– Für die SVP gehen mehrere Frauen neu nach Bern. Esther Friedli, die Lebenspartnerin von Ex-SVP-Präsident Toni Brunner, schafft überraschend die Wahl – sie überrundete zwei Bisherige. Historisch: Mit Monika Rüegger stellt die SVP die erste Obwaldner Nationalrätin überhaupt. Im Aargau holt Martina Bircher einen Sitz, die mit ihrer Kritik an den Sozialhilfe-Ausgaben national für Schlagzeilen gesorgt hat. Neu in den Nationalrat zieht zudem Benjamin Giezendanner (AG) ein, Sohn des langjährigen SVP-Politikers Ulrich Giezendanner.

– Für die FDP wird neu Anna Giacometti (GR) in den Nationalrat gewählt. Die Gemeindepräsidentin von Bregaglia erlangte im Zusammenhang mit dem Bergsturz von Bondo eine gewisse Bekanntheit. In Zürich schafft Nachwuchshoffnung Andri Silberschmidt, 24 und Präsident der Jungfreisinnigen, überraschend die Wahl.

– Die ehemalige Bundesratskandidatin Heidi Z’graggen schafft den Sprung ins Stöckli. Die CVP-Regierungsrätin ist die erste Frau, die Uri im Ständerat vertritt. Sie hatte bereits 2010 für das Amt kandidiert, damals noch erfolglos. Z’graggen wird im Stöckli auf mehrere bürgerliche Regierungsräte treffen, die neu in Bundesbern sind: Im ersten Wahlgang geschafft hat es Jakob Stark (SVP/TG).

– Sie sind politische Schwergewichte, haben in ihren Kantonen jahrelange Regierungserfahrung vorzuweisen und verstärken jetzt die SP-Fraktion: Die Waadtländer wählen – laut Hochrechnung – Ex-Regierungsrat Pierre-Yves Maillard in den Nationalrat. Als Präsident des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes gilt er als «Dealmaker», in der Gesundheitspolitik zählt er zu den auffälligsten sozialdemokratischen Stimmen. Gleiches gilt für die Basler Noch-Regierungsrätin Eva Herzog in der Finanzpolitik. Sie prägte die Unternehmenssteuerreform mit und schafft nun im ersten Wahlgang den Sprung in den Ständerat. Im Jura zieht die frühere Bildungsdirektorin Elisabeth Baume-Schneider in den Ständerat ein.

– In Graubünden zieht Alpen-Initiative-Präsident Jon Pult für die SP in den Nationalrat ein, in Bern die ehemalige Juso-Präsidentin Tamara Funiciello. In Solothurn verdrängt die Kantonalpartei-Chefin Franziska Roth nicht nur den Bisherigen Philipp Hadorn, sie stellt überraschend auch den neu angetretenen Ex-Regierungsrat Peter Gomm in den Schatten.

– Im Kanton Aargau schafft Marianne Binder, ehemalige CVP-Kommunikationschefin und Mitglied des nationalen Parteipräsidiums, den Sprung in den Nationalrat. Der Kanton Uri wird neu von CVP-Mann Simon Stadler im Nationalrat vertreten. Er ist der Sohn von Ex-Ständerat Hansruedi Stadler.

– Die EVP holt mit Liliane Studer (AG) einen dritten Nationalratssitz. Und mit Andreas Gafner (BE) kehrt auch die EDU ins Bundeshaus zurück.

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