Schweiz

Bundesrat: Kurzarbeit nun auch bei Arbeit auf Abruf, Konjunkturprognosen düster

Mit dem Entscheid des Bundesrat haben auch Arbeitnehmer auf Abruf Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung, wenn der Beschäftigungsgrad um mehr als 20 Prozent schwankt.

Mit dem Entscheid des Bundesrat haben auch Arbeitnehmer auf Abruf Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung, wenn der Beschäftigungsgrad um mehr als 20 Prozent schwankt.

Auch wer auf Abruf arbeitet, soll von Kurzarbeit profitieren können. Mit dieser Massnahme will der Bundesrat weitere Kündigungen vermeiden. Eine Lösung für Selbständige gibt es weiterhin nicht.

(agl) Wer sechs Monate lang im gleichen Unternehmen gearbeitet hat, aber kein fixes Pensum hat, erhält Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung. Diesen Entscheid fällte der Bundesrat am Mittwoch. Er will verhindern, dass den rund 200'000 auf Abruf arbeitenden Personen in der Schweiz gekündigt wird.

Um die Auszahlungsverfahren der Entschädigungen während der ausserordentlichen Lage zu vereinfachen, hat der Bundesrat zudem beschlossen, dass Einkommen aus einer Zwischenbeschäftigung während der Kurzarbeit nicht mehr an die Kurzarbeitsentschädigung angerechnet werden.

«Kurzarbeitende, die eine Zwischenbeschäftigung annehmen, können ihren zusätzlichen Verdienst behalten», sagte Wirtschaftsminister Guy Parmelin an der Medienkonferenz des Bundesrats. Das Gesundheitswesen, die Landwirtschaft oder die Logistik sollen so leichter dringend benötigtes Personal finden.

Noch keine Lösung für Selbständige

Ebenfalls hat der Bundesrat am Mittwoch beschlossen, die Bezugsdauer von Kurzarbeitsentschädigungen bei einem Arbeitsausfall von 85 Prozent für die Dauer der ausserordentlichen Lage aufzuheben. Die bisher festgelegte Dauer von vier Monaten stelle zurzeit eine finanzielle Bedrohung für die Betriebe dar.

Keine Informationen gab es am Mittwoch, was die Unterstützung von Selbständigen betrifft. Man arbeite daran, sagte Wirtschaftsminister Parmelin. Das Thema sei aber extrem komplex und es sei schwierig, eine praktikable Lösung für alle zu finden.

Zwei neue, negativere Konjunkturprognosen

Der Bundesrat informierte am Mittwoch ebenfalls über mögliche Konjunkturprognosen aufgrund der Coronakrise. «Die Szenarien sind düster», sagte Wirtschaftsminister Guy Parmelin an der Bundesrats-Medienkonferenz. Bis zu 7 Prozent Arbeitslosigkeit seien denkbar.

Ging das Staatssekretariat für Wirtschaft noch am 19. März von einem glimpflichen Verlauf aus, präsentiert es nun zwei mögliche Negativszenarien. «Diese zeigen: Die Rezession könnte deutlich schwerer ausfallen als bisher angenommen, und die Erholung könnte länger auf sich warten lassen», schreibt der Bundesrat.

Heute geht die Expertengruppe des Bundes von einem stärkeren Einbruch der Wirtschaft und von starken Zweitrundeneffekten wie Entlassungen und Firmenkonkursen aus. Aktuell seien die Prognosen jedoch noch äusserst unsicher, die Expertengruppe des Bundesrats werde Mitte April eine Aktualisierung vornehmen.

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