Burgdorf

Burgdorf schwänzelt um den Campus

Verankert: Die Fachrichtungen Architektur, Bau und Holz sind in Burgdorf verankert. Werden sie bald entwurzelt?  (Bild: Hans Mathys)

Campus

Verankert: Die Fachrichtungen Architektur, Bau und Holz sind in Burgdorf verankert. Werden sie bald entwurzelt? (Bild: Hans Mathys)

Ein Campus für alle Disziplinen in Bern, das ist eine Vision der Berner Fachhochschule. Für Burgdorf aber klingt das gar nicht wie Musik in den Ohren. Damit würde die Fachhochschule entwurzelt, sagt Stadtpräsidentin Elisabeth Zäch. Das wäre regionalpolitisch verwerflich.

Marisa Cordeiro

Sie sei die Bildungsstadt an der Emme, das schreibt sich Burgdorf seit Jahrzehnten auf die Fahne. Kein Wunder, denn das ehemalige «Technikum» hat in Burgdorf eine lange, gar über 100-jährige Tradition. Entsprechend irritiert war die Emmestadt, als sie in diesem Frühjahr von der Vision eines Campus für alle Disziplinen hörte - und zwar in Bern, wie die «Berner Zeitng» schrieb. Um die Forschung auszubauen, sollten die 32 Lehrstätten an einem Standort vereint werden.

Für Burgdorf unabdingbar

Auch für Stadtpräsidentin Elisabeth Zäch (SP) «ist völlig klar», dass es für die Berner Fachhochschule (BFH) mit den 32 Standorten «keine gute Situation» ist. Deshalb habe sie für die Intention, die Standorte zu vereinen keine Vorbehalte, denn: Synergien gelte es zu nutzen.

Für Burgdorf aber sei ihr Standort unabdingbar. Der Kanton und die BFH müssten nun regionalpolitisch denken, fordert Zäch. Die Stadtpräsidentin findet, es wäre verwerflich, wenn sie die ländlichen Städte schwächen würden, indem die BFH an einen Gesamtcampus abgezogen würde. «Dann käme es wohl zu einem Volksaufstand», mutmasst Zäch und ist fest überzeugt davon: Die gesamte Region stehe «quer durch alle Parteien hindurch» hinter dem Bildungsstandort Burgdorf. Die heutigen Bereiche der BFH - Architektur und Bau, sowie Maschinen- und Elektrotechnik - seien mit der ganzen Region verwurzelt. «Die Fachhochschule ist praxisorientiert und am Forschungsaustausch interessiert. Die Unternehmen ihrerseits wollen die Nähe zur Fachhochschule behalten», argumentiert Zäch.


Mit Dossier überzeugen

Deshalb will die Emmestadt um ihren Standort kämpfen. Mit einem Dossier, das sie zusammen mit einem Investor - der Immobilienfirma Alfred Müller AG, die das Aebi-Areal gekauft hat - erarbeitet, will Burgdorf die Entscheidungsträger von Kanton und BFH von sich überzeugen. Darin sollen Burgdorfs Qualitäten gebündelt werden: Das Dossier soll das ganze Potential aufzeigen: die städtische Infrastruktur in der Nähe des Bahnhofs, das zur Verfügung stehende Aebi-Areal, die bisherigen und technisch bestens ausgerüsteten, kantonseigenen Gebäude, das Engagement der Stadt und die vorhandenen Ressourcen der Unternehmen.

Eigentlich hätte das Dossier bereits Ende Mai fertig werden sollen. «Nun haben wir aber gemerkt, dass einige Details das Dossier noch aufwerten würden», sagt Zäch. Deshalb dürfte das Aktenbündel frühestens vor, aber spätestens nach den Sommerferien übergeben werden. «Damit wollen wir zeigen, dass Burgdorf über viel Raum verfügt und fit ist, ein gewichtiger Teilcampus zu werden», sagt sie.

Ob Burgdorf nun wirklich um seinen Standort bangen muss, darauf antwortet Zäch mit: «Angst ist immer ein schlechter Begleiter». Bildung sei stets eine Stärke der Emmestadt gewesen, dafür würde nun die ganze Region einstehen. «Unser Ziel ist es, den Standort zu stärken. Denn Burgdorf möchte von innovativen Ideen profitieren können, und der Fachhochschule im Gegenzug das Rückgrat stärken.»

Identität schaffen ist schwierig

Dass die Vision eines Campus bestehe, bestätigte Irène Messerli, Leiterin Kommunikation der BFH. Die Schulgebäude der 32 Standorte in Bern, Biel, Burgdorf, Magglingen, Zollikofen und Vauffelin seien zum Teil vor 100 Jahren erbaut worden und würden nicht mehr den heutigen Bedürfnissen entsprechen. Ausserdem erschwere die «Verzettelung» einzelner Studienrichtungen die Führung der Departemente. Damit seien auch erhebliche Mehrkosten verbunden. Komme hinzu, dass die geografische Distanz die Schaffung einer Identität erschwere.

Der Wettbewerb nehme bei den Fachhochschulen stetig zu, meinte Messerli weiter. Die Konkurrenz sei in der Bildung von Campi teilweise voraus. Aus all diesen Gründen verfolge auch die BFH die Vision eines Campus. «Kurz- bis mittelfristig» versuche die BFH «in kleinen Schritten die Zahl der Standorte zu verkleinern. Längerfristig aber sei das Ziel, möglichst viele Fachrichtungen in einem Campus zusammenzuschliessen», so Messerli. Inwiefern Burgdorf im Zuge dieser Diskussion um seinen Standort bangen muss, darauf war keine Antwort zu erhalten. Ebensowenig dazu, wie gut Burgdorfs Chancen stehen, zu einem «gewichtigen Teilcampus» zu werden.

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