Café Fédéral
Ab aufs Velo: Ein Diplomat tritt fürs Land in die Pedale

Ein Botschafter schwingt sich in den Sattel, tourt durchs Land und vermarktet das Ganze gebührlich - inklusive Webseite und Logo. Weshalb zu hoffen ist, dass nicht zu viele Politikerinnen und Politiker das Konzept im Wahlkampf abkupfern.

Maja Briner
Maja Briner
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Botschafter Balzaretti auf der ersten Etappe.

Quelle: Schweizer Botschaft in Frankreich

Bodenständig, nah bei den Leuten, dynamisch und frisch: So präsentieren sich Politikerinnen und Politiker gerade im Wahlkampf gern. Nur: Wie schafft man es, sich so in Szene zu setzen?

Eine Blaupause dafür liefert derzeit ausgerechnet ein Botschafter, der hierzulande schon viel zu reden gab: Roberto Balzaretti, ehemaliger Chefunterhändler mit der EU und aktuell Botschafter der Schweiz in Frankreich. In dieser Funktion radelt er mit einem Elektrovelo durch die Grande Nation. Zwei mehrtägige Etappen hat er abgestrampelt, weitere folgen.

Selbstverständlich wird das Ganze gebührlich vermarktet, es gibt eine eigene Webseite («En route avec la Suisse»), Videos zeigen den Tessiner beim Velofahren und bei Treffen mit den verschiedensten Leuten. Selbst die Vorbereitung erhalten wir zu sehen: Das Projekt stellt er vor, während er auf einem Hometrainer radelt. Viel Selbstinszenierung also, statt im Anzug aber auch mal im Velo-Outfit – bodenständig eben, nah bei den Leuten, dynamisch.

Die Idee ist natürlich nicht neu. Auch manche Politikerinnen und Politiker sind schon mit dem Velo durch ihren Kanton getourt. Man darf angesichts der grünen Welle gespannt sein, wie viele sich nächstes Jahr für die nationalen Wahlen aufs Velo schwingen.

Wobei: Je nach politischer Couleur sind eher Schützenfeste und Buurezmorge angesagt – zum Glück! Sonst drohte die Überlastung der Velowege und, schlimmer noch, ein völliges Übermass an Videos von radelnden Politikern und Politikerinnen.