Schweiz

Corona-Alarm in der Schweiz: Die Beunruhigung wächst

Ein Mitarbeiter der Bundeszollverwaltung verteilt an der schweizerisch-italienischen Grenze in Chiasso Broschüren über die Präventionskampagne des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) gegen die Ausbreitung des Coronavirus COVID-19.

Ein Mitarbeiter der Bundeszollverwaltung verteilt an der schweizerisch-italienischen Grenze in Chiasso Broschüren über die Präventionskampagne des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) gegen die Ausbreitung des Coronavirus COVID-19.

Die Schweiz hat acht neue Corona-Fälle. Kinder einer Kita sind in Quarantäne. Der Bund reagiert mit einer Informationskampagne.

Mindestens neun Menschen in der Schweiz sind am Corona-Virus erkrankt. Nachdem am Dienstag ein erster Fall im Tessin bestätigt wurde, kamen am Donnerstag gleich acht weitere dazu. Im Kanton Graubünden sind zwei Kinder einer italienischen Familie betroffen. Im Kanton Aargau ist ein 26-Jähriger am Virus erkrankt, der sich letzte Woche im italienischen Verona aufgehalten hatte. In Zürich ist eine 30-jährige Frau betroffen, die bis vor einer Woche noch in Mailand weilte. In Genf ist ein 28-jähriger Schweizer betroffen und im Kanton Waadt ein 49-jähriger französischer Grenzgänger.

Am späten Donnerstagabend wurden zudem zwei Fälle aus Basel bekannt. Es handelt sich um einen jungen Mann und eine junge Kita-Mitarbeiterin. Nach einer Reise aus Mailand ist sie an ihren Arbeitsplatz zurückgekehrt. Die Erkrankung wurde erst danach festgestellt. Nun befindet sich die Frau ebenso in Quarantäne wie die Kinder der Tagesstätte. Die Gesundheitsbehörden haben die Kita, in der hundert Kinder betreut werden, für zwei Wochen geschlossen.

Von acht der neuen Fälle ist bekannt, dass sie sich in Italien angesteckt haben. «Bisher wurde keine Übertragung in der Schweiz festgestellt», sagte der Direktor des Bundesamts für Gesundheit (BAG), Pascal Strupler, am Donnerstag vor den Medien. Die Situation könne sich allerdings sehr rasch ändern. «Darauf sind wir vorbereitet», versicherte er.

Händewaschen gegen den Virus

Die Behörden gehen davon aus, dass mehr Fälle hinzukommen werden. «Weltweit sieht die Situation nicht gut aus», sagte Daniel Koch, Leiter der Abteilung Übertragbare Krankheiten beim BAG. Auch in den Nachbarländern der Schweiz stiegen die Fallzahlen massiv. Momentan versuchen die Behörden in der Schweiz, möglichst alle Fälle zu entdecken und sie sowie ihr Umfeld in Quarantäne zu nehmen. Lange könne dieses System aber nicht aufrechterhalten werden, sagte Koch. «Wir werden uns sehr rasch auf die schweren Fälle konzentrieren.» Er betonte, die meisten Fälle verliefen harmlos.

Trotzdem: Die Fieberkurve zeigt nach oben. «In den letzten Tagen und Stunden ist die Beunruhigung in der Schweiz stark angestiegen», sagte Koch. Das BAG reagiert nun mit einer Informationskampagne. Unter dem Slogan «So schützen wir uns» macht es mit gelben Flyern, Plakaten, Anzeigen und Werbespots auf drei wichtige Hygiene- und Verhaltensregeln aufmerksam: die Hände gründlich waschen, in ein Taschentuch oder die Armbeuge husten und niesen sowie bei Fieber und Husten zu Hause bleiben.

Ansturm auf Hotline und Arztpraxen

BAG-Direktor Strupler räumte ein, bei den drei Hygieneregeln handle sich um sehr einfache aber bewährte Massnahmen. Sollten weitere Massnahmen notwendig werden, will der Bund die Kampagne rasch anpassen. Bereits aufgestockt hat das BAG die Ressourcen für die Hotline (0584630000) – diese soll nun rund um die Uhr erreichbar sein. Die Hotline ist gefragt: Innert eines Tages wurden dort laut BAG knapp 1700 Anrufe registriert.

Die Behörden betonen, es gebe keinen Grund für Panik; man sei vorbereitet. Daniel Koch vom BAG räumte zwar ein, es gebe weltweit ein Problem mit der Verfügbarkeit von Hygienemasken. Er wies aber auch darauf hin, als Gesunder sei es unnötig, solche zu tragen. Masken seien für das Gesundheitspersonal sowie für Kranke vorgesehen.

Kopfzerbrechen bereiten den Behörden offensichtlich Grossveranstaltungen. Graubünden sagte den Engadiner Skimarathon sowie weitere Anlässe ab. Auch die Tessiner Behörden haben den Karneval untersagt, zwei Eishockeyspiele finden vor leeren Rängen statt. Momentan entscheiden die Kantone über die Durchführung von Grossveranstaltungen. Das könnte sich jedoch ändern. Strupler sagte am Donnerstag, der Bundesrat werde «zum geeigneten Zeitpunkt» den Übergang von der normalen zur besonderen Lage beschliessen. Damit erhielte der Bund zusätzliche Kompetenzen.

Autor

Maja Briner

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