Schwulenfeindlichkeit

«Das können Sie in unserer Information lesen»: So schweigt Huonder

Schweigt sich aus: Bischof Vitus Huonder im «SommerTalk»

Schweigt sich aus: Bischof Vitus Huonder im «SommerTalk»

Am Montag zeigte eine Privatperson Vitus Huonder wegen seiner schwulenfeindlichen Aussagen an. Gleichentags empfing der Churer Bischof Tele Züri zum «SommerTalk». Zu den aktuellen Vorkommnissen wehrte er jegliche Gesprächsversuche ab.

Der Auslöser zur jüngsten Kontroverse um Bischof Huonder war ein Vortrag, den der Bischof über das Thema «Ehe und Familie» hielt. Er zitierte Passagen aus dem Alten Testament, die unter anderem Folgendes besagten:

«Schläft einer mit einem Mann, wie man mit einer Frau schläft, dann haben sie eine Gräueltat begangen. Beide werden mit dem Tode bestraft. Ihr Blut soll auf sie kommen.»

Das Zitat und seine Bedeutung sorgen seither permanent für Schlagzeilen und lösten innerhalb von Schwulenorganisationen heftige Proteste aus. Am Montag reichte eine Privatperson deswegen bei der Bündner Staatsanwaltschaft Strafanzeige gegen den Bischof ein.

Der Vorwurf: öffentliche Aufforderung zu Verbrechen oder Gewalttätigkeit. Anders als Politiker sind Bischöfe nicht immun gegen eine Strafverfolgung. Huonder drohen bis zu drei Jahre Haft oder eine Busse.

«Erst die Mitarbeiter informieren»

Als geübter Prediger schaffte es Bischof Huonder, während des 20-minütigen Interviews mit «Tele Züri», mit vielen Worten praktisch nichts zu sagen.

«Ich möchte um Verständnis bitten, wenn ich zu dieser Frage im Moment nur eine Antwort geben kann, nämlich, dass unser Ordinariat sich auf eine Information der Mitarbeiter vorbereitet. Ich finde, zuerst müssen wir über dieses Problem die Mitarbeiter informieren und dann an die Öffentlichkeit gehen.»

Weshalb es das Ordinariat innerhalb einer ganzen Woche anscheinend noch nicht schaffte, seine Mitarbeiter entsprechend zu informieren, verriet er der Tele-Züri-Moderatorin Maria Rodriguez nicht. Im Laufe der Woche werde die Information des Ordinariats publik werden.

Statt brenzligen Themen: eine Führung durch die Privatgemächer

Auch seine in der letzten Woche abgegebene Stellungnahme, in welcher Huonder sein Bedauern ausdrückte, wollte der Ordensmann nicht mehr kommentieren. Als Rodriguez nachdoppelte, indem sie sagte, dass er sein «Bedauern» bestimmt nicht zurücknehme, gab der Bischof einzig zur Antwort: «Sie werden unsere Information bekommen».

Das brennende Thema war damit nach viereinhalb Minuten abgehakt. Gemäss Abmachung durften die Vorwürfe im weiteren Verlauf des Interviews nicht mehr erwähnt werden.

Die Musiksammlung, das Büro und der Ort fürs Morgengebet: Bischof Huonder führt durch sein Zuhause.

Die Musiksammlung, das Büro und der Ort fürs Morgengebet: Bischof Huonder führt durch sein Zuhause.

Stattdessen führte der Bischof durch seine Räumlichkeiten des Ordinariats und die interne Kapelle. «Ich habe schon als Kind den Wunsch in mir verspürt, Priester zu werden. Schon als vierjähriges Kind ging ich mit meiner Mutter gerne in die Kirche. Den Priester habe ich bewundert.»

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