FDP

Der FDP-General, der Müller und Ineichen stramm stehen lassen will

FDP-Generalsekretär Stefan Brupbacher wird parteiintern zur Zielscheibe.

Stefan Brupbacher

FDP-Generalsekretär Stefan Brupbacher wird parteiintern zur Zielscheibe.

FDP-Generalsekretär Stefan Brupbacher will keine Abweichler in der Partei wenn es um den Finanzplatz geht. Brupbacher spüre den Puls der Bevölkerung nicht, sei elitär und abgehoben, kritisieren Freinsinnige Politiker ihren «General».

Beat Rechsteiner

Wenn es in der Partei brodelt, zieht es die Führungsriege der FDP vor, zu schweigen. Präsident Fulvio Pelli und Fraktionschefin Gabi Huber liessen dem wartenden Journalisten vor dem Nationalratssaal gestern über einen Ratsweibel ausrichten, sie hätten ihm nichts zu sagen. Generalsekretär Stefan Brupbacher nahm wenigstens den Telefonanruf entgegen, um die gleiche Botschaft zu verkünden: keinen Kommentar zum parteiinternen Knatsch (siehe Update).

Die Kritiker der Parteileitung sehen sich durch die Kommunikationsverweigerung bestätigt. Insbesondere Brupbacher sähe in den Journalisten nur ein «lästiges Übel», sagt ein freisinniger Nationalrat, der nicht namentlich genannt sein will. Und der Parlamentarier erkennt ein Muster hinter diesem Verhalten: Der Generalsekretär sei «elitär und abgehoben», das äussere sich auch in der Bevormundung der FDP-Parlamentarier.

Brupbacher wird zur Zielscheibe der eigenen Leute. Weil er die Rolle des «Stallmeisters» zuweilen übertreibe, wie Ständerat Rolf Büttiker sagt. Die Mission des 42-Jährigen ist es, der Partei eine einheitliche Linie zu verpassen. Und diese Linie hat den Interessen des Finanzplatzes zu folgen. «Er ist die treibende Kraft hinter der Konzentration der FDP auf Finanzmarktfragen», berichten mehrere Nationalräte. Deswegen liege Brupbacher mit den Vertretern des Unternehmerflügels im Clinch, die beim Bankgeheimnis eine Weissgeldstrategie fordern, derweil die FDP-Spitze und die Bankenlobby auf eine Abgeltungssteuer setzen. Die Abweichler, so heisst es, würden zuweilen per SMS befehligt, auf Medienanfragen gefälligst die Parteilinie zu vertreten. Wer sich nicht daran halte, werde an der nächsten Sitzung «an den Pranger gestellt».

FDP-Parlamentarier halten diese Entwicklung für gefährlich. «Wer so politisiert, der läuft Gefahr, die Bodenhaftung zu verlieren, weil er den Puls der Bevölkerung nicht mehr spürt», warnt Nationalrat Peter Malama. Dazu passt, dass Brupbacher die Politiker dem Vernehmen nach gerne rüffelt, wenn sie Jeans statt Anzug oder ein unpassendes Jackett tragen. Ein Nationalrat rät dem Generalsekretär deshalb doch einmal auf dem Bau zu arbeiten: «Das würde ihm guttun.»

Bevor er 2008 Generalsekretär wurde, war Brupbacher bei Economiesuisse tätig, zuvor arbeitete er als Berater von Novartis-Boss Daniel Vasella. «Führungsqualitäten hat man ihm dort leider nicht beigebracht», sagt ein FDP-Parlamentarier und lächelt gequält. Um dann anzufügen: «Eigentlich ist mir ja nicht mehr zum Lachen zumute.»

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