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Der neue Job: Deponie-Beobachter

Triage-Experte: Geschützt in einem solchen Fahrzeug fährt Deponie-Beobachter Elias Attallah zur Abbaufront (rahu)

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Triage-Experte: Geschützt in einem solchen Fahrzeug fährt Deponie-Beobachter Elias Attallah zur Abbaufront (rahu)

Seit bald 100 Tagen graben die Bagger wieder in der Deponie Kölliken. Das verschärfte Sicherheitskonzept bewährt sich, ein Deponie-Beobachter ist neu im Einsatz. Sorgen bereitet ein starker Dunst, der bei Wärme die Sicht in der grossen Halle vernebelt.

Hans Lüthi

Selbstverständlich ist auch in der Sondermülldeponie Kölliken (SMDK) eine Webcam installiert, wie an allen wichtigen Orten auf der Welt. Wenn die Baggerfahrer in ihren geschützten, klimatisierten Kabinen ihre Arbeit an der Abbaufront beginnen, ist die Welt morgens um sieben Uhr noch in Ordnung. Doch die Luft bleibt in diesen warmen Frühlingstagen nicht lange rein, bei Temperaturen in der Halle bis 30 Grad trübt sich die Sicht stark.

Auf der Webcam sieht man dann nur, dass fast nichts zu sehen ist. Ausser den Lichtern an der Decke, den schemenhaften Umrissen der Bagger und den vorsortierten Materialhügeln. «Leichtflüchtige Kohlenwasserstoffe, feiner Salzstaub und hohe Feuchtigkeit trüben die Luft übermässig. An drei Tagen musste der Abbau vorzeitig eingestellt werden, die Suche nach Lösungen läuft», sagt SMDK-Geschäftsführer Jean-Louis Tardent.

Mit Feldstecher an der Rückbaufront

Zur Vermeidung von Bränden und Explosionen verlangt das neue Sicherheitskonzept einen Triage-Experten an der Abbaufront. «Deponie--Beobachter Elias Attallah sitzt in einem Begleitfahrzeug neben dem Bagger, schaut per Feldstecher den Sondermüll genau an und gibt dem Baggerführer Anweisungen», schildert Tardent. Bei potenziell gefährlichem Material wird eine Probe entnommen und durch die Rückbaufirma ein erster Schnelltest durchgeführt: Brand- und Explosionsgefahr stehen dabei im Vordergrund.

Die aus Sicherheitsgründen verschärfte Triage «hat sich gut eingespielt, sie ist jedoch schwerfälliger und zeitintensiver», erklärt Tardent. Statt von den Mitarbeitern der Analytiktruppe werden die Laborproben jetzt per Baggerarm mit einem Rohr - nach den Vorgaben der Probenehmer im Begleitfahrzeug - entnommen. Erst im rückwärtig gelegenen Raum kommt der Probenehmer in seinem Spezial-Schutzanzug zum Einsatz: Er entleert die Proberohre und verpackt das Material für das eigene Labor in Kölliken.

Wärmebildkameras im Test

Ein sicheres Mittel gegen die bisher immer in der Nacht ausgebrochenen Brände sind Wärmebildkameras. «Diese funktionieren sehr gut und lösen bei steigender Temperatur im Abbau- oder Lagerbereich frühzeitig und automatisch Alarm aus», schildert der SMDK-Geschäftsführer. Von den Kameras sind diverse Systeme in der Testphase, der Einsatz beschränkt sich bewusst auf die Nacht und das Wochenende. Denn: Tagsüber ginge sofort der Alarm los, allein schon durch den heissen Auspuff an jedem Bagger.

Schnelle Einsatztruppe der Feuerwehr

Apropos Feuer und Brandbekämpfer: Eine speziell geschulte und ausgerüstete Einsatztruppe der Feuerwehr Kölliken-Safenwil wurde gebildet. Das mit je zwei Mann der Chemiewehr von Siegfried Zofingen und der Stützpunktfeuerwehr Zofingen verstärkte Pikett ist zwar für schnelle Einsätze gerüstet, geht aber nur in die Halle, wenn es wirklich nötig ist. Tardent weist darauf hin, dass die drei bisherigen Spontanfeuer alle durch Zudecken des Brandherdes mit Aushub durch einen Bagger erstickt werden konnten. Die Leute der Einsatztruppe wissen, was sich in der Deponie wo befindet, aber in der verrauchten Halle wäre eine Orientierung dennoch äusserst schwierig.

Maximal 350 Tonnen pro Tag

Eines schleckt keine Geiss weg: Das stark verschärfte Sicherheitskonzept verringert die tägliche Abbaumenge deutlich. Die bisher errechnete Rückbaufracht von durchschnittlich 500 oder an Spitzentagen bis 1000 Tonnen wird bei weitem nicht mehr erreicht. Bei bis zu 350 Tonnen Tagesleistung stellt sich die Frage nach den zeitlichen und finanziellen Konsequenzen. Der Abschluss der ersten Etappe ist auf Ende August dieses Jahres terminiert. Beim darauffolgenden Stillstand für den Fertigbau der Triagehalle sind alle Fragen für eine mögliche Beschleunigung zu klären: Braucht es eine zusätzliche halbe oder ganze Schicht, nachdem der Rückbau heute nur in einer Schicht erfolgt?

Bereits vorgesehen ist eine zweite Dockingstation für zusätzliche Bagger. «Heute gibt es nur eine Dockingstation für drei Bagger und zwei Begleitfahrzeuge, zusätzlich fährt ein Bagger via die Schleuse in die Halle», sagt Tardent zum aktuell unbefriedigenden Zustand.

In der halbjährigen Pause bis zum Beginn der Haupt-Etappe im März 2010 muss das Konsortium den angestrebten Abschluss der Sanierung definieren. Der Schlusstermin Ende 2012 wird wegen der sieben Monate Unterbruch nicht mehr erreichbar sein. Die Gemeinde Kölliken, die Deponieleitung und die Aufsicht des Kantons müssen das künftige Rückbautempo festlegen.

Übrigens: Bisher sind rund 91 000 Tonnen oder 17 Prozent der Deponie ausgegraben und sachgerecht entsorgt worden - die Abdeckung zu Beginn primär im Inland, die Problemstoffe derzeit vor allem im Ausland.

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