Bundesratswahlen
Der SVP-Kronfavorit für den Bundesrat

Der Bündner Nationalrat Heinz Brand hat gute Chancen, von der SVP nominiert zu werden. Überflieger Roger Köppel wird wohl erst beim einstigen Rücktritt von Ueli Maurer zum Thema.

Jonas Schmid
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Heinz Brand.

Heinz Brand.

Keystone

Das klare Volksverdikt vom Sonntag bestärkt die SVP in ihrer Forderung nach dem zweiten Bundesratssitz. Schon seit einem Jahr sucht eine parteiinterne Findungskommission nach valablen Kandidaten. Nach dem Wahlerfolg dreht sich das Kandidaten-Karussell nun noch etwas schneller.

Wen portiert die SVP für den Bundesrat? Kronfavorit für den Sitz von Eveline Widmer-Schlumpf ist Heinz Brand. Der 60-Jährige hat sich als Asylexperte einen Namen gemacht, er profilierte sich damit bei einem Kernthema seiner Partei. Mit ihm würde die SVP eine glaubwürdige Bündner Alternative ins Feld schicken, um den BDP-Sitz zu attackieren. Brand politisiert stramm auf Parteikurs, was für die Parteistrategen eine notwendige Bedingung ist.

Einen «halben Bundesrat» wollen sie sich nicht mehr leisten. Gleichzeitig dürfte Brand mit seiner konzilianten Art auch bei anderen Fraktionen nicht nur auf Ablehnung stossen.

Glanzvoll wiedergewählt
Für Brand spricht seine grosse Verwaltungserfahrung. Er stand 25 Jahre der Kantonalen Fremdenpolizei vor. Am Sonntag wurde er in Graubünden glanzvoll wiedergewählt. Die Bündner Kantonalpartei hat den Namen Brand bereits in die Parteizentrale übermittelt.

Ein möglicher Kritikpunkt ist hingegen sein Engagement für die Selbstbestimmungsinitiative. FDP-Präsident Philipp Müller etwa stellte in Aussicht, dass seine Partei von einem SVP-Kandidaten Respekt vor der Europäischen Menschenrechtskonvention erwarte. Die von Brand unterstützte SVP-Initiative zielt jedoch direkt auf diese Konvention. Noch ist nicht bestätigt, ob Brand von seiner Partei nominiert worden ist.

Das Zeug zum Bundesrat hat laut Parteipräsident Toni Brunner auch der Aargauer Nationalrat Hansjörg Knecht. Er vertrete eine klare Linie und bringe als Mühlenbesitzer alles mit: unternehmerische Erfahrung und Führungserfahrung. Zudem sei er ein Mehrheitspolitiker, liess Brunner verlauten. Voraussetzung für seine Krönung ist indes ein Erfolg beim zweiten Wahlgang in den Ständerat.

Sein Handicap ist, dass der Aargau mit Doris Leuthard bereits im Bundesrat vertreten ist. «Heinz Brand und Hansjörg Knecht sind für mich hervorragende Kandidaten, sagt der St. Galler SVP-Nationalrat Roland Büchel.

Als Bundesratskandidat heiss gehandel
wird auch der Berner Nationalrat Albert Rösti. Wie Knecht muss aber auch er zuerst die Hürde Ständerat erfolgreich meistern. Ein gewichtiger Nachteil für Rösti ist jedoch seine Herkunft. Ein dritter Berner in der Regierung wäre des Guten zu viel.

Weitere Namen auf der Liste der Findungskommission sind Thomas de Courten (BL), Guy Parmelin (VD), Heinz Tännler (ZG) und Ständerat Hannes Germann (SH). Eine Absage erteilt hat Christoph Blochers Wunschkandidat Toni Brunner. Und auch Fraktionschef Adrian Amstutz machte deutlich, dass er bei den Bundesratswahlen vom 9. Dezember nicht anzutreten gedenkt.

Obschon Shootingstar der diesjährigen Wahlen, dürfte sich Roger Köppel – zumindest in diesem Jahr – noch aus der Bundesratswahl heraushalten. Solange Ueli Maurer in Amt und Würde sei, verzichte Zürich auf einen Kandidaten, liess SVP-Kantonalpräsident Alfred Heer gestern verlauten. Etwas heissen muss das noch nichts: Vor vier Jahren war die SVP durchaus im Stande, zwei Bundesräte aus dem gleichen Kanton zu akzeptieren.

Damals nominierte die SVP mit Bruno Zuppiger neben Ueli Maurer einen zweiten Zürcher. Nichtsdestotrotz ist es wahrscheinlicher, dass Köppel für die Partei erst beim einstigen Rücktritt von Ueli Maurer zum Thema wird.

Noch keine Frau auf der Liste
Die SVP-Kandidaten-Liste besteht derzeit aus 10 mutmasslichen Namen. Erstaunlicherweise ist darunter keine Frau. Die Liste ist allerdings noch nicht in Stein gemeisselt: Noch bis zum 13. November haben die Kantonalparteien Gelegenheit, Nachnominationen einzureichen. Mitte November entscheidet die Fraktion, welchen Kandidaten sie ins Rennen schickt. Denkbar ist neben einem Einer- auch ein Zweierticket.

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