Der Wichtigste Grund, weshalb die Treibstoff-Pflichtlager angezapft werden: Die einzige Schweizer Raffinerie, jene im neuenburgischen Cressier, steht wegen einer technischen Panne still.

Dazu kommt, dass der Rhein wenig Wasser führt. Die Schiffe können daher nicht voll beladen werden, weshalb auf diesem Weg nicht mehr Benzin oder Diesel importiert werden kann. Ausserdem ist die Deutsche Bahn stark ausgelastet und kann folglich auch nicht zusätzliche Treib- und Brennstoffe in die Schweiz bringen.

Daher wird derzeit auf die Pflichtlager zurückgegriffen, wie Lucio Gastaldi, Chef Sektion Pflichtlager beim Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL), der Nachrichtenagentur sda sagte. Zuvor hatten bereits die "Handelszeitung" und das Westschweizer Fernsehen RTS über den Fall berichtet.

Grosse Vorräte

"Die Firmen können vorübergehend Pflichtlagerware beziehen", sagte Gastaldi. Beim Diesel seien 50 Millionen Liter zur Verfügung gestellt worden, beim Benzin 40 Millionen Liter. Das sei absolut gesehen viel, mache aber nur 2,5 Prozent des gesamten Benzins in den Pflichtlagern und 4,5 Prozent des Diesels aus.

Wenn gar nichts mehr importiert werden könnte, würde die gesamte Pflichtlagermenge bei einem normalen Verbrauch für 4,5 Monate reichen. Im Moment ist der Import nur reduziert. Entsprechend länger reichen die Vorräte.

Der Bund rechnet damit, dass sich die Situation entschärft, sobald die Raffinerie Cressier wieder in Betrieb geht. Dies ist voraussichtlich Mitte nächster Woche der Fall. Die Raffinerie produziert einen Viertel der in der Schweiz verkauften Raffinerieprodukte.

Leck an Wärmetauscher

Der Grund für den Stillstand in Cressier sei ein Leck an einem Wärmetauscher, sagte Florence Lebeau, Sprecherin von Varo Energy, der sda. Die Zuger Firma Varo Energy ist Besitzerin der Raffinerie. Die Reparaturen seien im Gange, dauerten aber noch gut eine Woche, sagte Lebeau.

Seit Tamoil den Betrieb in der Raffinerie Collombey im Wallis eingestellt hat, ist Cressier die einzige Schweizer Raffinerie. Varo Energy kaufte sie 2012 dem früheren Besitzer Petroplus ab. Die neue Eigentümerin hat in diesem Jahr bereits rund 50 Millionen investiert, um die Infrastruktur zu modernisieren.