Detailhandel
Mehr Mehl und Ingwer, weniger Schoggi: Wie die Coronakrise den Verkauf von Lebensmitteln beeinflusst

Wir sind mehr zu Hause, kochen mehr – und der eine oder andere hat das Brotbacken entdeckt: Die Coronakrise hat im vergangenen Jahr unser Einkaufsverhalten stark geändert, wie ein Bericht zeigt.

Maja Briner
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Zitrusfrüchte waren 2020 besonders gefragt.

Zitrusfrüchte waren 2020 besonders gefragt.

Alex Spichale

Die Jahresbetrachtung zeige «tiefgreifende Veränderungen bei der Nachfrage nach Lebensmitteln», schreibt das Bundesamt für Landwirtschaft. Es wirft in einem neuen Bericht einen Blick auf die Entwicklungen des Angebots und der Nachfrage ausgewählter Agrar- und Lebensmittelmärkte. Sieben Erkenntnisse daraus:

Gesund ist gefragt: Mehr Ingwer, Kabis und Zitrusfrüchte verkauft

Konsumentinnen und Konsumenten griffen in den Läden vermehrt nach Früchten und Gemüsen, «die für eine gute Gesundheitswirkung bekannt sind», beispielsweise Ingwer und Zitrusfrüchte, wie es im Bericht heisst. Der Absatz von frischem Gemüse legte insgesamt um 18,1 Prozent zu, jener von Früchten um 9,4 Prozent. Dabei gab es aber grosse Unterschiede zwischen den Sorten: Einen «stark erhöhten Mehrbedarf» gab es laut Bericht unter anderem bei Ingwer und Kurkuma (+35%), Kabis (+27,1 %), Zwiebeln (+25,2 %), Gurken (+19,4 %) und Zitrusfrüchten (+15 %). Hingegen gingen nur drei Prozent mehr Beeren über den Ladentisch.

Weil die Restaurants 2020 während Wochen geschlossen waren, wurden generell mehr Lebensmittel eingekauft. Das zeigte sich etwa bei den Kartoffeln (+14,7 Prozent) oder beim Fleisch (+12,1 Prozent). Um die gestiegene Nachfrage zu decken, importierte die Schweiz teilweise deutlich mehr: So wurden beispielsweise gut doppelt so viele Kartoffeln eingeführt wie im Vorjahr.

Brot backen ist im Trend – und treibt den Mehlverkauf in die Höhe

Wegen der Coronakrise entdeckten einige ein neues Hobby: Backen. In den Läden war Hefe vergangenen Frühling zeitweise ausverkauft, wie Medien damals berichteten. Wie stark die Nachfrage nach Hefe stieg, ist im Bericht nicht erfasst, wohl aber jene nach Mehl: Während des Lockdown im März verdoppelte sich der Absatz von Weissmehl. Für das gesamte Jahr 2020 wurde beim Mehl eine zusätzliche Nachfrage von fast 40 Prozent festgestellt.

Und: Wer das Brot nicht selber buk, sondern im Laden kaufte, griff 2020 vermehrt zu Grossbroten. Dies sei, so hält der Bericht nüchtern fest, «auf den höheren Bedarf der Privathaushalte zurückzuführen, da sich das Leben in diesem Zeitraum vermehrt in den eigenen vier Wänden abspielte».

Der Eier-Boom während des Lockdown

An Ostern war die Schweiz letztes Jahr im Lockdown: Schulen, Restaurants und viele Läden waren geschlossen; der Bundesrat rief dazu auf, nicht ins Tessin zu reisen. Die Freude an Ostereiern und am Backen liessen sich die Schweizerinnen und Schweizer aber offensichtlich nicht nehmen – im Gegenteil: Vor allem im zweiten Quartal seien «deutlich mehr Eier über den Schweizer Detailhandel abgesetzt» worden als im Vorjahresquartal, heisst es im Bericht. Über das ganze Jahr gesehen sei der Absatz um 15,7 Prozent auf den «absoluten Rekordwert» von 927 Millionen Eier gestiegen. In anderen Worten: Pro Einwohner gingen im Detailhandel letztes Jahr über hundert Eier über den Ladentisch.

Vom Eier-Boom konnten alle Verkaufskanäle profitieren, vom klassischen Detailhandel über den Discount bis hin zu den Hofläden auf dem Bauernhof, wie es im Bericht weiter heisst. Die gestiegene Nachfrage konnte zu einem gewissen Teil durch eine erhöhte Inlandproduktion gedeckt werden, gleichzeitig wurde aber auch mehr importiert. Während Ostern wurden laut Bericht «temporäre Lieferengpässe etwa bei Bio- und Regio-Eiern sowie bei Spezialprodukten (grosse Eier)» beobachtet.

Über Ostern schnellte der Eierverkauf 2020 noch stärker in die Höhe als üblich.

Über Ostern schnellte der Eierverkauf 2020 noch stärker in die Höhe als üblich.

Oliver Menge

Höhere Nachfrage nach Bioprodukten

Konsumenten und Konsumentinnen griffen vergangenes Jahr vermehrt zu Bioprodukten. Mit einem Umsatz von fast 3,2 Milliarden Franken im stationären Detailhandel legte das Geschäft mit Bioprodukten um 16,5 Prozent zu. Der Marktanteil stieg auf 10,7 Prozent. Der Absatz von Bioprodukten stieg etwa bei Gemüse, Früchten, Fisch, Kaffee und Zucker stärker als jener von konventionellen Produkten.

Der Einkaufstourismus wird ausgebremst

Rasch über die Grenze für den Wocheneinkauf: Was für viele zur Normalität gehörte, war 2020 während einiger Zeit schlicht nicht möglich. Während der Grenzschliessungen von Mitte März bis Mitte Juni kam der Einkaufstourismus faktisch zum Erliegen. Danach fuhren zwar wieder mehr über die Grenze zum Einkaufen, das Niveau des Vorjahres wurde jedoch nicht erreicht. Über das gesamte Jahr betrachtet ging der Einkaufstourismus im Lebensmittelbereich laut Bericht um 42 Prozent zurück.

Die Coronakrise hat das Einkaufen ennet der Grenze ausgebremst.

Die Coronakrise hat das Einkaufen ennet der Grenze ausgebremst.

Dennis Kalt

Detail- und Onlinehandel profitieren, Gastro-Zulieferer leiden

Diese Erkenntnis ist wenig überraschend: Da Restaurants während Wochen geschlossen waren, kauften die Schweizerinnen und Schweizer mehr in den Läden ein. Die Ausgaben für Lebensmittel (inkl. Getränke) im stationären Schweizer Detailhandel stiegen im Jahr 2020 auf einen Rekordwert von 29,9 Milliarden Franken. Das entspricht einem Umsatzplus von 11,3 Prozent, wie es im Bericht heisst. Noch stärker legte der Onlineverkauf von Lebensmitteln zu (+18,8 Prozent).

Wo Gewinner sind, sind aber auch Verlierer. Hart getroffen wurden jene, die vom Gastronomiesektor abhängen: Der Zustell- und Abholgrosshandel verzeichnete einen Umsatzrückgang von über 13 Prozent.

Bei der Schoggi hielten wir uns zurück

Im Detailhandel stieg der Absatz bei fast allen Produktegruppen. Im Bericht sind 18 Kategorien aufgeführt – von Milchprodukten über Gemüse bis hin zu Babynahrung und alkoholhaltigen Getränken. Und nur eine davon verzeichnete einen leichten Rückgang: Schokolade (-0,5 Prozent). Weshalb das so ist, geht nicht aus dem Bericht hervor. Eine mögliche Begründung wäre: Weil wir weniger Freunde oder Angehörige besuchten, kauften wir auch weniger klassische Mitbringsel wie etwa Praliné.

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