Bundesamt für Gesundheit

Dicke Post für Daniel Koch: Epidemiologen kritisieren «Mr. Corona» für Falschaussage

Daniel Koch sieht sich mit Vorwürfen konfrontiert.

Daniel Koch sieht sich mit Vorwürfen konfrontiert.

Mehrere Wissenschaftler sagen, ihre Warnungen seien im Bundesamt für Gesundheit nicht erhört worden.

Seit Ende Mai steht Daniel Koch nicht mehr an der Spitze des Bundesamts für Gesundheit (BAG), sondern geniesst seine Pension. Der 65-Jährige war seit Beginn der Corona-Pandemie enorm präsent in den Medien; er wurde zum «Mr. Corona».

Nun hat Koch dicke Post bekommen: Führende Epidemiologen der Schweiz kritisieren den ehemaligen Chef des BAG hart. Auf Twitter veröffentlichte der ETH-Professor Marcel Salathé einen Brief, den er bereits am 25. Februar dieses Jahres an Bundesrat Alain Berset geschickt hatte. Das Schreiben unterzeichnet hatten auch Christian Althaus von der Universität Bern und Emma Hodcroft sowie Richard Neher von der Universität Basel.

In dem Brief bekunden die Wissenschaftler ihr Erstaunen darüber, dass Koch an der Medienkonferenz vom 24. Februar die Sterblichkeit von Covid-19 mit jener der saisonalen Grippe verglichen habe, und fordern das BAG dazu auf, die Gefahrenlage im Hinblick auf die drohende Corona-Pandemie richtig zu interpretieren.

Althaus behauptet auf Twitter, dass auch Koch diesen Brief erhalten habe. Er habe Koch überdies bereits im Januar kontaktiert und vor einer globalen Ausbreitung des Virus gewarnt – was dieser bestreitet. Althaus fordert zudem von der Geschäftsprüfungskommission des Parlaments, dass «diese Vorkommnisse» aufgearbeitet werden.

Da die Warnungen folgenlos blieben, habe er sich an die Öffentlichkeit gewandt, sagt Althaus in der «NZZ am Sonntag». Die Zeitung zeichnet in ihrer aktuellen Ausgabe den Ablauf der Pandemie nach. Sie schreibt, die Epidemiologen seien mit ihren Warnungen beim BAG auf taube Ohren gestossen.

Laut dem Artikel ist Salathé der Meinung, ein entschiedenes Handeln hätte den Lockdown verhindern können. Die Wahl zwischen einem Kollaps des Gesundheitswesens und einem Lockdown mit schädlichen wirtschaftlichen Folgen wäre dann nicht nötig gewesen.

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Koch sagte der «NZZ am Sonntag» hingegen, die Modelle von Althaus und dessen Kollegen hätten nicht ausreichende Grundlagen für eine seriöse Voraussage und basierten auf unausgereiften Algorithmen. Für die praktische Umsetzung taugten die theoretischen Ansätze der forschenden Wissenschaft nicht: «Wir haben 30 Jahre Erfahrung mit Grippekurven. Wir wissen recht gut, welche Voraussagen man bei Epidemien machen kann.» Koch habe daher, so schreibt die «NZZ am Sonntag», lieber auf sein altbewährtes Netzwerk zurückgegriffen, unter anderen den Genfer Infektiologen Didier Pittet.

Obwohl sich das Virus im Februar wie in dem von Althaus im Januar berechneten Modell auch in der Schweiz ausbreitete, bleibt Koch laut der «NZZ am Sonntag» bei seiner Meinung, es sei «nichts eingetroffen, was Althaus gesagt hat».

Der Streit zwischen Mr. Corona und den Epidemiologen dürfte nach diesem Artikel und den auf Twitter veröffentlichten Vorwürfen in den nächsten Tagen weitergehen. (dhr)

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