Urdorf

Die Bäume beim Schulhaus sind wertvoller als Geld

Bäume bleiben erhalten. (Bild: Archiv)

Baum

Bäume bleiben erhalten. (Bild: Archiv)

Die Opposition war stark, deutlich und geschlossen: Der Landverkauf der Schule, der mindestens vier Millionen Franken eingebracht hätte, wurde wuchtig verworfen.

Flavio Fuoli

Die Schulpflege wollte sich von den 228 Stimmberechtigten die Legitimation erteilen lassen, 5000 Quadratmeter Land beim Schulhaus Bahnhofstrasse für mindestens 800 Franken pro Quadratmeter verkaufen zu können. René Eberle, Ressortleiter Liegenschaften der Schule, hielt fest, man verfüge auch nach einem Verkauf noch über eine grosszügige Grünanlage.

Die Schulpflege habe nach der Realisierung des Schulraumprojekts 2010 festgestellt, dass das Land nicht mehr benötigt werde. Die Bäume seien zudem krank oder hätten das Maximalalter erreicht. Zudem sei das Gebiet vom Gemeinderat aus dem Kataster

der schützenswerten Objekte entlassen worden. Zwei Standorte in der Nähe würden für den Ersatz der Bäume eingesetzt. Der Erlös würde die Eigenkapitalbasis der Schule, die eben einen Bilanzfehlbetrag getilgt hatte, enorm verbessern. Zudem würden, wie auch vom Gemeinderat immer gewünscht, neue Wohnungen an bester Lage entstehen.

Nur Stimmen dagegen

Wer zu diesem bereits im Vorfeld umstrittenen Geschäft nun einen Schlagabtausch zwischen Befürwortern und Gegnern erwartet hätte, sah sich getäuscht. Lediglich die Gegnerschaft meldete sich zu Wort und liess an der Absicht der Schulpflege kein gutes Haar. Bruno Völlmin als Vertreter des Natur- und Vogelschutzvereins Urdorf (NVU) sagte, das einstige definierte Schutzziel sei ein belebendes Landschaftselement, sei also Landschaftsschutz. Die Idee sei so gut, dass sie auch heute noch berechtigt sei. Das hiesse auch zwingend, für alte und kranke Bäume Neupflanzungen vorzunehmen. Die von der Schule beabsichtigten Ersatzpflanzungen in der Nähe verglich er mit Möbeln. Bäume seien keine Möbel, die hin- und hergeschoben werden können. Es gehe hier um langfristiges Denken zugunsten der Gemeinde.

Dem widersprach René Eberle. Man würde Land in bester, zentraler Lage überbauen. Die Wertschöpfung käme zurück, auch dies hätte langfristige Wirkung. Sonst aber blieb die Schulpflege einsam auf weiter Flur. Ausser der SP äusserte sich keine Partei zum Geschäft, und diese auch noch kritisch. Weil sie aus formalen Gründen keinen Antrag auf die Abgabe von Land im Baurecht stellen konnte und auch ein Gestaltungsplan nicht realisierbar schien, lehnte sie den Verkauf ebenfalls ab. Verschiedene Redner aus der Versammlung nannten umweltschützerische, aber auch wirtschaftliche Gründe gegen das Geschäft. Jemand behauptete, das Land sei in der Bilanz bereits aktiviert.

«Bäume bedeuten Lebensqualität»

Dem widersprach indes Finanzvorstand Danilo Follador. Das Land stünde im Finanzvermögen mit null Franken zu Buche. Der gesamte Erlös käme

der Schule zugute. Ein Redner verglich die vier Millionen Franken Erlös mit dem Überschuss der Rechnung 2008 von 3,4 Millionen Franken. Das sei unverhältnismässig: Für praktisch den Ertrag eines Jahres würde man Land für immer aus der Hand geben. Und: Bäume bedeuten Lebensqualität.

Die Versammlung lehnte das Geschäft deutlich mit einem Stimmenverhältnis von ungefähr 2 zu 1 ab.

Rechnungen genehmigt

Die Rechnungen von Schule und Politischer Gemeinde wurden einstimmig genehmigt. Die Schule schloss mit einem Überschuss von 3,4 Millionen Franken, was aus einem Bilanzfehlbetrag ein solides Eigenkapitalpolster von 3,37 Millionen Franken macht, wie Finanzvorstand Danilo Follador vorrechnete.

Die von Finanzvorstand Thomas Hächler vorgelegte Rechnung der Politischen Gemeinde schloss ebenfalls mit einem Gewinn von 3,4 Millionen Franken - 5,2 Millionen besser als budgetiert. Das konsolidierte Eigenkapital sei damit seit dem Tiefststand 2006 seit zwei Jahren wieder am Steigen, so Hächler. Allerdings sei die Grosswetterlage angesichts der kommenden Grossinvestitionen immer noch sehr düster.

Die Versammlung beriet die Teilrevisionen der Gemeindeordnungen von Schulgemeinde und Politischer Gemeinde zu Handen der Urnenabstimmung vom 27. September vor. Sie gehen ohne Änderungswünsche an die Urne. Ebenfalls nur vorberaten wurde der Trägerschaftswechsel vom Zweckverband Kläranlage Limmattal zur Interkommunalen Anstalt Limeco. Urdorf ist eine von acht Verbandsgemeinden, die dem Wechsel zustimmen wird. Der Wechsel sorge für mehr Flexibilität, sagte Gemeinderat und Werkvorstand Jürg Pauli. Ein Versammlungsteilnehmer meinte jedoch, die Gemeinden würden entmündigt und der Austritt sei finanziell nicht klar geregelt. Er verlangte eine Konsultativabstimmung, die ihm aus rechtlichen Gründen jedoch verweigert wurde. Pauli erklärte, das Vertragswerk sei ausgereift, man habe ausgiebig darüber diskutiert und es sei von allen Gemeinde- und Stadträten der beteiligten Gemeinden angenommen worden.

Gemeindepräsident Werner Gutknecht erinnerte daran, dass in zwei Wochen, am 1. Juli, der zweite Teil des Gemeindeversammlungs-Marathons erfolge. Dort wird unter anderem der 29-Millionen-Franken-Kredit für das Alterszentrum zu Handen der Urnenabstimmung vom 27. September vorberaten.

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