Waffenschutz-Initiative
«Die bürgerlichen Frauen haben total versagt»

Die Befürworter der Waffenschutz-Initiative hofften vergeblich auf die Frauen. Doch: «Viele liessen sich in den letzten Wochen von den hanebüchenen Argumenten der Gegner überzeugen», sagt Babette Sigg Frank, Präsidentin der CVP-Frauen.

Lorenz Honegger
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Schützin am Eidgenössischen Feldschiessen

Schützin am Eidgenössischen Feldschiessen

Keystone

Das Nein zur Waffeninitiative fiel eindeutig aus: 56,3 Prozent der Stimmenden lehnten gestern die Volksinitiative zum «Schutz vor Waffengewalt» ab. Soldaten dürfen ihre Armeewaffe also weiterhin zu Hause im Schrank lagern. Die Mehrheit der Schweizer Bevölkerung ist gegen eine Verschärfung des Waffenrechts.

Die Enttäuschung bei den Initianten ist gross, obwohl sie das Nein-Votum nach den jüngsten Umfragen erwartet hatten. Der Trend zum Nein war absehbar.

Für ein schärferes Waffengesetz kämpfen

Als Trugschluss stellte sich die Prognose der Befürworter heraus, wonach die Stimmen der Frauen der Initiative zum Durchbruch verhelfen könnten. «Ich denke nicht, dass die Mehrheit der Frauen der Initiative zugestimmt hat. Auffallender ist der Stadt-Land-Graben», bilanziert die Zürcher SP-Nationalrätin Chantal Galladé, eine der Initiantinnen. «Es ist ein demokratischer Entscheid, den es zu akzeptieren gilt.» Dennoch werde sie «mit Vorstössen im Parlament» weiterhin für ein schärferes Waffengesetz kämpfen, sagt Galladé.

Rosmarie Zapfl, Präsidentin des Frauendachverbands «alliance F», kann dem Ergebnis auch Positives abgewinnen: «Dem Druck der Initiative ist es zu verdanken, dass die Taschenmunition nicht mehr zu Hause gelagert werden darf.» Zudem überprüfe die Armee die Rekruten heute genauer, bevor sie ihnen eine Ordonnanzwaffe abgebe.

Unmut bei den CVP-Frauen

Wesentlich schärfer kommentiert die Präsidentin der CVP-Frauen das aus Sicht des Initiativkomitees miserable Ergebnis: «Die bürgerlichen Frauen haben total versagt», sagt Babette Sigg Frank auf Anfrage der az. «Viele von ihnen liessen sich in den letzten Wochen vor der Abstimmung von den hanebüchenen Argumenten der Gegner überzeugen.» Einen Seitenhieb verpasst Sigg Frank ihrer eigenen Partei. «Besonders enttäuschend finde ich, dass eine Familienpartei wie die CVP es nicht geschafft hat, sich gegen die Waffen- und Militärlobby zu stellen.»

Die Zustimmung zur Initiative zum «Schutz vor Waffengewalt» erodierte erst in den Wochen vor der Abstimmung. Zwar ist der schwindende Ja-Anteil vor dem Urnengang kein neues Phänomen, im aktuellen Fall war es jedoch besonders ausgeprägt, wie ein Blick auf alle Umfragen zu diesem Thema zeigt.

Im April 2007 führte der «SonntagsBlick» die erste Umfrage zum Thema Armeewaffen durch. Das Ergebnis entsprach dem Gegenteil des gestrigen Abstimmungsresultates: 66 Prozent der Befragten waren damals dagegen, dass Soldaten ihre Waffen und Munition zu Hause lagern dürfen. Bei den Frauen waren es sogar 76 Prozent, welche die Armeewaffen ins Zeughaus verbannen wollten.

Dolchstoff Ende Januar

Ab Ende 2007 stand nur noch die Waffe zur Debatte: Auf einen Entscheid des Parlaments hin hatte der Bundesrat der Armee den Auftrag gegeben, die heimgelagerte Taschenmunition der Soldaten einzuziehen.

Obwohl das von Armeewaffen ausgehende Gefahrenpotenzial damit kleiner geworden war, zeichnete sich zu Beginn dieses Jahres in der Waffenfrage immer noch ein dünnes Ja ab: Gemäss einer Umfrage der SRG wollten 52 Prozent der Befragten für die Initiative stimmen, 39 Prozent waren dagegen - der Rest noch unentschlossen. Der Ja-Anteil der Frauen lag bei 61 Prozent.

Eine zeitgleich durchgeführte Umfrage des «SonntagsBlicks» prophezeite 45 Prozent Ja- und 34 Prozent Nein-Stimmen mit 21 Prozent Unentschlossenen.

Der Dolchstoss erfolgte Ende Januar: Die letzte Umfrage vor der Abstimmung zeigte einen klaren Trend zum Nein - die Gegner hatten inzwischen 45 Prozent der Befragten auf ihrer Seite. Der Vorsprung der Befürworter war im Vergleich zur ersten SRG-Erhebung um 5 Prozent geschrumpft. Das Abstimmungsresultat bestätigte diesen Trend.

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