Schweiz

Die Renaissance des Doppelnamens: Vor sieben Jahren wurde er abgeschafft, nun wollen ihn viele wieder

Ein emotionaler Moment, der Beginn eines neuen Lebensabschnitts - der für viele auch einen neuen Namen mit sich bringt (Symbolbild).

Ein emotionaler Moment, der Beginn eines neuen Lebensabschnitts - der für viele auch einen neuen Namen mit sich bringt (Symbolbild).

Der ehemalige SVP-Politiker Luzi Stamm fordert die Wiedereinführung der Doppelnamen – und erhält Unterstützung von überraschender Seite. Doch manche warnen vor einem Rückschritt.

Es gibt wenig Persönlicheres als den eigenen Namen. Er begleitet uns ein Leben lang – oder zumindest bis zur Ehe. Wer heiratet, hat heute die Wahl: Soll ich meinen Namen behalten? Oder jenen des zukünftigen Ehepartners annehmen? Eine höchst emotionale Frage. Und eine höchst politische. Erst nach jahrelangem Seilziehen im Parlament war 2013 das heutige Namensrecht in Kraft getreten.

Es war ein Sieg für jene, die sich für die Gleichberechtigung von Mann und Frau einsetzen. «Seither verschwinden die Frauen nach der Heirat nicht mehr vom Radar», sagt die ehemalige SP-Nationalrätin Maria Bernasconi, die sich für das neue Namensrecht engagiert hatte.

Denn zuvor übernahm die Frau automatisch den Namen des Mannes. In den 1980er-Jahren wurden zwei Ausnahmen geschaffen: Das Ehepaar konnte eine Namensänderung beantragen. Oder die Frau konnte ihren Namen voranstellen und einen Doppelnamen tragen, zum Beispiel Meier Müller – ohne Bindestrich.

Das war beliebt: Laut Bundesamt für Statistik entschieden sich 1998 16 Prozent der Frauen dafür. Mit dem neuen Namensrecht wurde diese Option gestrichen. Angestossen hatte die Reform übrigens eine Frau mit Doppelnamen: die langjährige SP-Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer.

«Viele finden das unbefriedigend»

Nun aber wünschen sich viele den Doppelnamen zurück. Dazu zählt – ausgerechnet – auch Sylvie Durrer, oberste Gleichstellungsbeauftragte der Schweiz. Auf dem Gleichstellungsbüro würden sich immer wieder Frauen wegen der Namensfrage beschweren, sagte sie der NZZ. «Viele sind sich nicht bewusst, dass es den Doppelnamen nicht mehr gibt, und finden das unbefriedigend.»

In Bundesbern hat sich die zuständige Kommission des Ständerats kürzlich für einen Vorstoss des ehemaligen Aargauer SVP-Nationalrats Luzi Stamm ausgesprochen, der die Wiedereinführung des Doppelnamens fordert. Der Entscheid fiel äusserst knapp mit Stichentscheid des Präsidenten. Die Details sind noch offen: Die Kommission muss nun zuerst eine Vorlage erarbeiten.

Auch Stamm argumentiert, viele wünschten einen Doppelnamen – insbesondere wegen der Kinder. Denn wenn beide Eheleute ihren Namen behalten, heisst entweder die Mutter oder der Vater anders als das Kind.

FDP-Nationalrätin warnt vor Rückschritt

Nicht glücklich über das geplante «Comeback» des Doppelnamens ist Christa Markwalder. Die Berner FDP-Nationalrätin war vor gut zehn Jahren in der Subkommission, die sich intensiv mit dem Thema beschäftigte. «Wir haben damals ein gutes und praktikables Konzept entwickelt», ist sie noch heute überzeugt.

Das Grundprinzip, dass jeder seinen Namen behalte, sei einfach und mache Sinn. «Das System bietet zudem genügend Wahlfreiheit.» Schliesslich dürfe jede und jeder nach wie vor auch einen Allianznamen tragen – also einen Doppelnamen mit Bindestrich wie Meier-Müller. Dieser hat zwar keine rechtliche Grundlage und kann nicht im Zivilstandsregister eingetragen werden – im Pass und in der ID hingegen schon.

Die Wiedereinführung des Doppelnamens wäre aus Markwalders Sicht ein Rückschritt. Sie sei «erstaunt», dass sich Durrer dafür ausspreche, sagt sie.

Anders sieht das Maria Bernasconi. Wenn sowohl Frauen wie Männer einen Doppelnamen tragen könnten, spreche nichts dagegen, findet die ehemalige SP-Nationalrätin: «Das wäre kein Rückschritt.» Auch dass die parlamentarische Initiative aus den Reihen der SVP kommt, die bei der Gleichstellung öfters bremst, stört sie nicht.

© CH Media

Die Mehrheit wählt den Namen des Mannes

In einem sind sich Christa Markwalder und Maria Bernasconi indes einig: Sie sind erstaunt, wie wenige Frauen ihren Namen bei der Heirat behalten. Sieben von zehn übernehmen den Namen des Mannes (siehe Grafik oben). Hingegen entscheiden sich weniger als drei von hundert Männern für den Namen der Frau. Das sei auch eine Frage der Gewohnheit, meint Bernasconi. «Wir leben in einer patriarchalen Gesellschaft.»

Sie selbst wechselte übrigens zurück zu ihrem Ledignamen, sobald sie konnte: Durch die Heirat war sie zu Maria Roth geworden, politisch bekannt wurde sie unter dem Allianznamen Roth-Bernasconi. Inzwischen trägt sie wieder ihren Ledignamen. Es habe sie gestört, wenn sie offiziell als Maria Roth angesprochen wurde, sagt sie: «Ich fühle mich als Bernasconi.»

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Autor

Maja Briner

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