Schutzmassnahmen

Diese zehn Beispiele zeigen, wer in Quarantäne muss – und wer nicht

Nach zehn Tagen Quarantäne dürfte die Lust nach draussen zu kommen, riesig.

Nach zehn Tagen Quarantäne dürfte die Lust nach draussen zu kommen, riesig.

In der Schweiz sind derzeit 38'000 Personen angewiesen, in ihren vier Wänden auszuharren. Die folgenden Beispiele zeigen, wann eine Quarantäne angeordnet wird und wann nicht.

Mit den steigenden Coronafallzahlen kennt inzwischen wohl jede und jeder einen Bekannten, eine Arbeitskollegin oder gar einen Verwandten, der sich mit dem Virus angesteckt hat. Auch die Kontakte mit Infizierten nehmen zu und damit auch die unweigerliche Frage: Muss ich nun in Quarantäne? Im Folgenden finden Sie zehn Beispiele, die wir mit Hilfe der stellvertretenden Kantonsärztin des Kantons Glarus Corinna Schön eingeschätzt haben:

1. Ein Lehrer hat Corona. Er hat im Schulzimmer keine Maske getragen. Die Kinder müssen zehn Tage in Quarantäne. In der Nachbargemeinde hatte die Lehrerin die Maske an. Ist es richtig, dass deren Schulkinder nicht in Quarantäne müssen?

Die Kinder müssen zehn Tage in Quarantäne, wenn sie mehr als 15 Minuten Kontakt hatten und den Mindestabstand von 1,5 Meter zur Lehrperson nicht einhalten konnten. Dabei müssen die 15 Minuten nicht am Stück erfolgen, es zählt die Summe Zeit. Es ist richtig, dass die Kinder der Nachbargemeinde nicht in die Quarantäne müssen.

Trägt die Lehrperson und die Schülerinnen und Schüler Masken, wird kaum eine Quarantäne angeordnet.

Trägt die Lehrperson und die Schülerinnen und Schüler Masken, wird kaum eine Quarantäne angeordnet.

2. Ein Kind im Klassenzimmer ist positiv getestet. Welche Kinder müssen in Quarantäne? Alle, oder nur die, welche in Nachbarschaft des infizierten Kindes sitzen?

Wird ein Kind positiv getestet, kann der Rest der Klasse weiterhin die Schule besuchen. Wenn allerdings zwei oder mehr Kinder aus derselben Klasse innert zehn Tagen positiv getestet werden, dann muss die gesamte Klasse in Quarantäne.

3. Die Kita wird geschlossen wegen eines positiven Falls. Müssen alle Kinder in Quarantäne? Und wie steht es mit deren Familien?

Das kommt ganz auf die Fallkonstellation an:

– Wenn Mitarbeitende ohne Maske positiv getestet werden: Alle Kinder, Angestellten und Eltern, die mit der Person insgesamt mehr als 15 Minuten den Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten haben und keine Maske getragen haben, müssen in Quarantäne. Je nach Schutzkonzept der Krippe betrifft dies dann einzelne Kinder oder die ganze Gruppe der Betreuerin.

– Eine Mitarbeiterin mit Maske wird positiv getestet: Keines der Kinder und kein Angestellter muss in die Quarantäne, soweit die Maske konsequent getragen wurde.

– Ein Kind wird positiv getestet: Kein Kind muss in Quarantäne (siehe Beispiel Frage 2).

In Kitas kam es zuletzt immer wieder zu Corona-Fällen.

In Kitas kam es zuletzt immer wieder zu Corona-Fällen.

4. In einer Wohngemeinschaft hat sich eine Mitbewohnerin angesteckt. Muss die ganze WG in die Quarantäne?

Je nachdem wie die Kontakte zwischen den WG-Bewohnern stattgefunden haben gilt auch hier der Grundsatz: Haben die Bewohner insgesamt mehr als 15 Minuten den Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten, müssen sie in Quarantäne. Wenn die Kontakte immer mit Maske stattgefunden haben: keine Quarantäne für die Mitbewohner.

5. Die achtjährige Tochter einer Familie war am Wochenende bei einer anderen Familie zu Hause. Am Dienstag wird die Mutter dieser anderen Familie positiv getestet. Muss die Achtjährige in Quarantäne und sofort zum Test?

Die achtjährige Tochter muss in Quarantäne, wenn sie mit der positiv getesteten Mutter den Mindestabstand von 1,5 Metern länger als 15 Minuten nicht eingehalten hat. Zum Test muss sie erst, wenn Symptome auftreten.

6. Ein 18-jähriger Sohn eines geschiedenen Paars lebt bei seiner Mutter. Am Donnerstagabend verlässt er die Wohnung der Mutter und geht übers Wochenende zum Vater. Am Samstag brechen bei der Mutter Symptome aus, am Montag wird sie positiv getestet. Muss der Sohn in Quarantäne?

Wenn der Sohn mit der Mutter im selben Haushalt lebt und 48 Stunden vor Symptombeginn nahen, das heisst mit weniger als 1,5 Meter Abstand Kontakt hatte und das länger als 15 Minuten und ohne Maske – ja, dann muss er in Quarantäne. Es lohne sich, den Einzelfall genau zu betrachten. Denn, erklärt die stellvertretende Glarner Kantonsärztin mit einem Augenzwinkern, nicht jeder Jugendliche habe täglich 15 Minuten nahen Kontakt zu seinen Eltern.

Zahnarzttermin: Mit Maske besteht wenig Gefahr.

Zahnarzttermin: Mit Maske besteht wenig Gefahr.

7. Eine Frau geht mit ihrer Tochter zum Zahnarzt. Einen Tag später erhält die Mutter ein Telefon, der Zahnarzt sei positiv. Ein Fall für eine Quarantäne für Mutter und Kind?

Der Zahnarzt arbeitet normalerweise mit Maske, daher sollte keine Quarantäne für Mutter und Tochter entstehen. Dies muss aber ebenfalls vom Contact-Tracing-Team des jeweiligen Kantons bestätigt werden. Es gilt auch hier grundsätzlich: Haben Kontakte ohne Maske, länger als 15 Minuten und mit zu nahem Abstand mit dem Zahnarzt stattgefunden, dann müssen sie in Quarantäne.

Wird einer der vier Kollegen nach ein paar Feierabendbier positiv getestet, dann müssten die drei anderen wohl oder übel in die Quarantäne.

Wird einer der vier Kollegen nach ein paar Feierabendbier positiv getestet, dann müssten die drei anderen wohl oder übel in die Quarantäne.

8. Vier Freunde treffen sich im Restaurant an einem runden Tisch zum Bier. Einer davon wird einen Tag später positiv getestet. Müssen die drei anderen Freunde in Quarantäne?

Auch hier gilt das Augenmerk dem Abstand der Personen am Tisch. Beim Biertrinken stellt sich die Frage nach der kumulativen Zeit von mehr als 15 Minuten erfahrungsgemäss ja wohl weniger. Wenn der Abstand kleiner als 1.5 Meter war, dann gilt Quarantäne für alle drei Kollegen.

Werden die Abstände eingehalten und eine Maske getragen, sollte nach einem Fitnesscenterbesuch keine Quarantäne drohen.

Werden die Abstände eingehalten und eine Maske getragen, sollte nach einem Fitnesscenterbesuch keine Quarantäne drohen.

9. Im Fitnesscenter hat es einen positiven Fall. Die Geräte stehen in grossem Abstand, die Leute sind mit Maske unterwegs. Muss trotzdem jemand in Quarantäne?

Nein, keine Quarantäne; solange im Fitnesscenter tatsächlich kein Kontakt ohne Maske stattgefunden haben. Wenn doch müsste man diese Kontakte genau, wie bereits in den anderen Beispielen beschrieben, genauer anschauen, ob auch die anderen zwei Bedingungen für eine Quarantäne erfüllt sind.

10. Die Frau ist eine Stunde im Zug gesessen, natürlich mit Maske. Nun meldet die Covid-19-App, dass in ihrer Umgebung ein positiver Fall war. Da diese Person bekanntlich auch eine Maske tragen musste – muss sie trotzdem in Quarantäne?

Nein, wer im Zug eine Maske trägt, muss nicht in Quarantäne.

Autor

Bruno Knellwolf

Autor

Roman Schenkel

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