Sturzkampagne

Doppelte Sturzkampagne sorgt für Kritik

Die Suva hat im März ihre Stolper- und Sturzkampagne lanciert. Nun springt auch die Beratungsstelle für Unfallverhütung auf das Thema auf. Von Doppelspurigkeiten will man aber nichts wissen. Bei Politikern stösst die doppelte Sturzprävention auf Unverständnis.

Jessica Pfister

Keiner stürzt so schön wie Christoph Blocher: Am Zürcher Sechseläuten vor fünf Jahren fiel der Altbundesrat vor laufender TV-Kamera vom Podest - und blieb unverletzt. So viel Glück wie Blocher haben aber nicht alle.

Stürze sind die häufigste Unfallursache in der Schweiz - rund 300000 sind es pro Jahr. Besonders betroffen sind dabei Kinder und Senioren. Bei Kindern sind es vor allem Stürze aus der Höhe, zum Beispiel aus dem Kajütenbett oder dem Fenster, die zu schweren Verletzungen führen. Bei 95 Prozent der tödlichen Sturzunfälle - über 1000 pro Jahr - sind die Opfer Senioren.

Schwerpunktprogramm startet

Um die Sturzunfälle im Alltag zu senken, hat die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt Suva im März eine Stolper-Sturzkampagne lanciert. Mit Videos (zum Beispiel von Blochers Sturz vom Podest), Plakaten und diversen Aktionen will die Suva bis 2014 die jährliche Zahl an Sturz- und Stolperunfällen um fünf Prozent reduzieren. Kostenpunkt: 12 Millionen Franken. Nun stürzt sich auch die Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) auf das Thema.

«Wir planen ein Schwerpunktprogramm Stürze, welches dieses Jahr startet und bis 2013 dauern soll», sagt bfu-Mediensprecher Daniel Menna auf Anfrage. Momentan sei man noch dabei, geeignete Massnahmen zu erarbeiten. Es sei daher nicht möglich, Angaben zu den Kosten zu machen. «Es wird sicher eine gross angelegte Präventionsaktion geben», so Menna weiter. Das Ziel: Die schweren Unfälle um 8 Prozent zu reduzieren.

Zweites Programm «überflüssig»

«Damit wird unser Steuergeld mit beiden Händen aus dem Fenster geworfen», ärgert sich Gregor Rutz, Geschäftsführer der IG Freiheit. Es sei ja in Ordnung, wenn man die Bevölkerung vor Unfallgefahren warnt. «Aber wenn gleich zwei Verwaltungsapparate Prävention betreiben, ist das völlig übertrieben», so Rutz. Auch FDP-Nationalrat und Gewerbeverbandspräsident Edi Engelberger übt Kritik: «Ein zweites Präventionsprogramm zum Thema ist überflüssig und verursacht nur zusätzliche Kosten.» Die Suva sei geübt in solchen Kampagnen und deshalb sollte sie sich alleine um die Stürze kümmern.

«Verschiedene Zielgruppen»

Bei der Suva hingegen hat man kein Problem damit, dass das bfu die gleichen Schwerpunkte setzt: «Es ist nicht das erste Mal, dass wir die gleichen Themen bearbeiten», sagt Suva- Kampagnenleiter Raphael Ammann. Bei den Ski- oder Velohelmen habe man sich ebenfalls arrangieren können. «Und Doppelspurigkeiten können wir verhindern, indem wir uns absprechen», so Ammann.

Zudem würden sich ihre Zielgruppen stark unterscheiden. Während die Suva Berufstätige zwischen 16 und 65 Jahren anspreche, konzentriere sich das bfu auf Kinder und Senioren. «Wir kommen uns also nicht in die Quere, sondern profitieren gegenseitig voneinander.»

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