«Doris Leuthard ist eine Frau des Herzens, und unter anderem deshalb ist sie so populär»: Mit diesen Worten hat Nationalratspräsidentin Marina Carobbio (SP/TI) die abtretende Umwelt- und Verkehrsministerin gewürdigt. Verbunden mit dieser Popularität sei ein ausgeprägter politischer Instinkt.

«Leuthard wusste, was machbar ist und was von wem erlangt werden kann», sagte Carobbio am Mittwoch vor der Vereinigten Bundesversammlung. Die Popularität der Aargauer CVP-Politikerin habe sich bereits bei ihrer Wahl 2006 gezeigt, und diese Eigenschaft sei in all ihren Amtsjahren ihre grosse Stärke gewesen. 

Der ganze Saal musste lachen, als Carobbio sagte: «Doris Leuthard wurde nie emotional.» Denn Leuthard ist doch immer wieder durch mit emotionalen Reaktionen aufgefallen, etwa an Medienkonferenzen. 

Zu Konkordanz, Konsens und Kompromiss aufgerufen hat die scheidende Bundesrätin Doris Leuthard in ihrer Abschiedsrede vor dem Parlament. Ihr Amt habe sie als ehrenvolles Privileg verstanden und als Dienst an der Schweiz.

Leuthard nannte ihre zwölf Jahre im Bundesrat eine spannende, aber auch sehr intensive Zeit. Sie nannte als Beispiele die Bewältigung der Finanz- und Schuldenkrise, wachsenden Populismus und zunehmende Polarisierung, sich häufende Handelskonflikte und schwindendes Vertrauen in Politik und Wirtschaft.

«Die Schweiz gibts nur einmal. Kämpfen Sie für unser schönes Land!»: die Abschiedsrede von Doris Leuthard in voller Länge

«Die Schweiz gibts nur einmal. Kämpfen Sie für unser schönes Land!»: die Abschiedsrede von Doris Leuthard in voller Länge

Die abtretende Bundesrätin Doris Leuthard mahnte zum Abschied im Hinblick auf das Rahmenabkommen mit der EU: «Je länger wir keine Lösung mit der EU finden, desto höher wird der Preis.»

Internationale Verträge wie das Klimaabkommen von Paris oder vermeintlich unbestrittene Abrüstungsabkommen würden unverhofft in Frage gestellt, sagte die Umweltministerin. Dass Machtpolitik wieder eine stärkere Rolle spiele, zwinge die Schweiz dazu, sich international stärker einzubringen, um ihre Interessen zu wahren.

«Er hat alles aushalten müssen»

Doris Leuthard dankte nicht nur den Parlaments- und Bundesratskollegen, sondern auch den Schaffern im Hintergrund, etwa «den Gärtnern». Und vor allem ihrem Mann: «Er hat das alles aushalten müssen.»

Rückhalt habe sie verspürt nicht nur von ihrer Partei, sondern auch jenen «des Kantons Aargau und meiner Gemeinde Merenschwand».

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Doch die Verkehrs- und Energieministerin aus dem Aargau brachte sich durchaus auch in ihrem letzten grossen Moment als Bundesrätin politisch ein: «Je länger wir keine Lösung mit der EU finden, desto höher wird der Preis», mahnte sie. Sie machte klar, dass sich die Schweiz in dieser Sache bewegen müsse, denn: «Stillstand ist Rückstand.»

Damit macht die abtretende Bundesrätin deutlich Werbung für das Rahmenabkommen mit der EU, über dieses der Bundesrat diesen Freitag informieren will.

«Kämpfen Sie für unser schönes Land!»

Zur Lage in der Schweiz gab sie zu bedenken, dass «das Vertrauen der Bevölkerung in die Politik gelitten» habe. «Entsprechend wächst der Populismus, der Multilateralismus wird geschwächt.»

Das zwinge Länder wie die Schweiz, sich international mehr einzubringen, um ihre Interessen durchzusetzen. «Wir müssen uns mit Ländern zusammentun, mit Ländern die unsere Werte teilen. Demokratie, Verlässlichkeit, Innovationskraft und Kooperation.»

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Zwölf Jahre Doris Leuthard – ein Rückblick

Ein Rückblick auf eine politische Karriere, die oft von Erfolgen, aber jüngst auch einigen Turbulenzen geprägt war.

Die föderalen Zuständigkeiten sind laut Leuthard die Stärke der Schweiz. Es brauche aber auch den Respekt vor der Gewaltenteilung. Die Politik müsse immer wieder von neuem den Ausgleich suchen. «Suchen wir den Kompromiss. Die Aufgabe der Politik ist es, Lösungen im richtigen Moment zu suchen.»

Doris Leuthard beendete ihre Rede mit den Worten: «Die Schweiz gibts nur einmal, kämpfen sie für unser schönes Land!» (CHM/SDA)

Doris Leuthard – ihre Karriere in Bildern:

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