Schweiz

Dreijährige als Schwarzfahrer registriert: «Völlig unverhältnismässig», sagt der Datenschutzbeauftragte

Kinder unter sechs Jahren fahren nicht immer gratis.

Kinder unter sechs Jahren fahren nicht immer gratis.

Schweizer Transportunternehmen haben eine nationale Datenbank aufgebaut, in der Schwarzfahrer eingetragen werden. Sogar kleine Kinder werden erfasst. Nun äussert sich der eidgenössische Datenschutzbeauftragte dazu.

Seit Frühling werden Schwarzfahrer in der Schweiz in einer nationalen Datenbank erfasst. Die Speicherung der Personalien soll dazu dienen, Wiederholungstäter härter zu bestrafen: Die Busse wird erhöht und ab dem dritten Mal droht eine Strafanzeige. Bereits 277'000 Personen sind als Schwarzfahrer registriert.

Recherchen dieser Zeitung zeigen, dass die Datensammlung keine Altersgrenze kennt. Sogar die Personalien von Kleinkindern werden erfasst. Nun äussert sich der eidgenössische Datenschutzbeauftragte dazu. Bei der Medienstelle heisst es auf Anfrage:

Der Datenschutzbeauftragte werde die weiteren Entwicklungen «aufmerksam verfolgen» und sich vorbehalten, aktiv zu werden.

Kleinkinder als Schwarzfahrer: Wie ist das überhaupt möglich? Allgemein bekannt ist die Regel, dass Kinder unter sechs Jahren den öffentlichen Verkehr in der Schweiz gratis benützen dürfen. Ein Fall aus Schaffhausen zeigte diese Woche allerdings, dass es eine Ausnahme gibt: Die Tarifbestimmung gilt nur, wenn das Kind von einer Person begleitet wird, die älter als zwölf Jahre ist. In Schaffhausen musste eine Fünfjährige den Beleg für einen 100-fränkigen Zuschlag unterzeichnen, weil sie nur in Begleitung ihrer zehnjährigen Schwester in einem Bus unterwegs war. Das sorgte für Empörung.

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