Eclépens VD
Klima-Aktivisten besetzten Holcim-Zementgrube – jetzt spitzt sich der Konflikt zu

Im Waadtland halten Aktivisten seit Monaten ein Gelände besetzt, um den Ausbau eines Steinbruchs zu verhindern. Bald erwarten sie die Räumung durch die Polizei – und wollen Widerstand leisten.

Christoph Bernet
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Aktivisten auf dem besetzten Gelände der «zone à défendre».

Aktivisten auf dem besetzten Gelände der «zone à défendre».

Keystone

Wie eine riesige Narbe frisst sich der Steinbruch La Birette in den Hügel Mormont bei Eclépens (VD), 20 Kilometer nördlich von Lausanne. Seit 1953 wird hier Kalkstein abgebaut für das älteste Zementwerk der Romandie. Es befindet sich im Besitz des global tätigen Baustoffriesen Holcim. Jährlich werden hier 800'000 Tonnen Zement hergestellt. Dabei fallen fast 400'000 Tonnen CO2 an, womit das Werk zu den zehn grössten Treibhausgasemittenten der Schweiz gehört.

2016 hat Holcim vom Kanton Waadt eine Genehmigung für eine Erweiterung des Steinbruchs erhalten, was die Weiterführung der Produktion bis 2029 ermöglicht. Eine Beschwerde von Anwohnern und Umweltorganisationen gegen den Ausbau scheiterte vor kantonalen Gerichten. Sie riefen das Bundesgericht an, dessen Urteil in Kürze erwartet wird.

Sympathisanten sollen Klettermaterial bringen

Es ist fraglich, ob das oberste Gericht den Rekurs gutheissen wird. Klima-Aktivisten haben sich der Sache deshalb selber angenommen. Am 17. Oktober 2020 besetzten sie das für den Ausbau vorgesehen Gelände auf dem Mormont und erklärten es zur «zone à défendre» (ZAD), einer «zu verteidigenden Zone».

Blick auf den Steinbruch La Birette bei Eclépens VD.

Blick auf den Steinbruch La Birette bei Eclépens VD.

Keystone

Das Konzept kam erstmals in den 1960er Jahren in Frankreich beim erfolgreichen Widerstand gegen den Bau eines Flughafens in Nantes zur Anwendung. Jüngst wurde es in Kohleabbaugebieten wie dem Hambacher Forst in Deutschland praktiziert.

In den nächsten Tagen rechnen die Aktivisten mit der Räumung der ZAD. Die Waadtländer Polizei ist dazu befugt, seit ein Gericht einer Beschwerde von Holcim als Eigentümerin des Landes wegen Hausfriedensbruchs stattgegeben hat. Doch freiwillig werden die «Zadistes», wie die Besetzer im Französischen genannt werden, den Hügel nicht verlassen. Via Messenger-App Telegram haben die Besetzer ihre Sympathisanten dazu aufgerufen sich ab Sonntag auf dem Gelände einzufinden und Materialspenden in Form von Kletterausrüstung, Baumaterialien, Ketten und Schlössern mitzubringen.

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