Schweiz

Ein Jahr nach Frauenstreik: Gewerkschaften wollen mit «violetter Woche» Druck machen

In einer Sitzungspause schauten vor einem Jahr auch Vertreterinnen von Bundesrat und Parlament auf dem Bundesplatz in Bern vorbei.

In einer Sitzungspause schauten vor einem Jahr auch Vertreterinnen von Bundesrat und Parlament auf dem Bundesplatz in Bern vorbei.

Am 14. Juni jährt sich der Frauenstreik mit über einer halben Million Demonstrierenden zum ersten Mal. Um an die vor einem Jahr gestellten Forderungen zu erinnern, lanciert der Gewerkschaftsbund ab Montag eine «violette Woche».

(sat) In den Städten, aber auch in vielen Dörfern, sind vor bald einem Jahr über eine halbe Million Frauen, Männer und Kinder auf die Strassen gegangen. Sie demonstrierten gegen Ungleichheit und forderten Respekt. Konkret die Umsetzung und Weiterentwicklung des Gleichstellungsgesetzes, endlich Lohngleichheit und einen Vaterschaftsurlaub oder eine Elternzeit. Zudem bessern Schutz vor Sexismus, Diskriminierung und Gewalt.

«Die Gleichstellung kommt jedoch noch immer viel zu langsam voran», konstatiert der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) am Sonntag in einer Mitteilung. «Trotz einigen Erfolgen» habe sich die Situation im letzten Jahr «nur ungenügend verbessert». 2019 war der SGB eine der treibenden Organisationen hinter dem Frauenstreik gewesen, welcher von lokalen Streikkomitees organisiert worden war.

Frauen fordern zehn Sitze im Coronakrisenstab

Darum lanciert der Gewerkschaftsbund ab Montag eine «violette Woche». Damit soll den Forderungen von vor einem Jahr Nachdruck verliehen werden, heisst es in der Mitteilung. Nebst Aktionen in Betrieben werde die Aktionswoche vorab auf www.14juni.ch stattfinden. Das Motto: «Respekt, mehr Lohn, mehr Zeit – jetzt erst recht!». Konkret gehe es nun um die Aufwertung von Berufen mit mehrheitlich weiblichen Arbeitnehmenden. «Denn die Corona-Krise hat eindringlich gezeigt», schreibt der SGB, «dass die Arbeit der Frauen unentbehrlich ist». Diese sei aber immer noch unterbewertet und unterbezahlt.

Dass ausgerechnet im Corona-Krisenstab des Bundes nur 2 von 14 Mitgliedern Frauen sind, kritisieren am Sonntag in einem Offenen Brief gut ein Dutzend regionale Frauenstreikkomitees und Frauenorganisationen. «Das ist Ausdruck der extrem ungleichen Verteilung von Macht und politischer Repräsentation zwischen den Geschlechtern», heisst es darin. Aufgrund der Bedeutung der Entscheide dieses Gremiums fordern sie vom Bundesrat zehn zusätzliche Sitze im Corona-Krisenstab für Frauen. Zuerst über dessen Zusammensetzung berichtet hatte republik.ch. Der Krisenstab besteht aus verschiedenen Departementsmitgliedern, Mitgliedern der Bundeskanzlei und einem Vertreter der Kantone.

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