Missbrauch

Ein Priester soll sich an mehrere Schützlingen vergangen haben

In der Westschweiz wird ein Pfarrer beschuldigt, in einen Missbrauchsskandal verwickelt zu sein. Symbolbild.

In der Westschweiz wird ein Pfarrer beschuldigt, in einen Missbrauchsskandal verwickelt zu sein. Symbolbild.

Die Westschweiz wird von einem neuen Missbrauchsskandal erschüttert. Ein Pfarrer wurde vorläufig suspendiert.

Es sind happige Vorwürfe, die gestern Mittwoch von der «Rundschau» und vom «Tages-Anzeiger» gegen den Priester der Freiburger Kathedrale publik gemacht werden. Er soll 1998 einen damals 17-Jährigen sexuell belästigt haben.

Konfrontiert mit diesen Vorwürfen, entschied Charles Morerod, der Bischof der Diözese Lausanne, Genf und Freiburg, den angeschuldigten Pfarrer «während der Untersuchungszeit und bis zur Feststellung des Sachverhalts von seinem kirchlichen Amt auszuschliessen», wie es in einem Communiqué des Bistums heisst.

Der Priester habe ihm zwischen die Beine gefasst als er nackt im Bett gelegen sei, berichtet das Missbrauchsopfer in einem vorab veröffentlichten Video der «Rundschau». Zudem erinnere er sich auch an eine Szene, bei der der Pfarrer nackt war und er dessen Penis im Mund hatte.

Der Mann, der heute als Uni-Dozent arbeitet, spricht von Missbrauch. Zwischen dem mutmasslichen Missbrauchsopfer und dem Pfarrer bestand über Jahre eine enge, freundschaftliche Verbindung. So war der Jugendliche auch als Ministrant in dessen Kirche tätig. Damals amtete der Pfarrer aber noch nicht in der Freiburger Kathedrale.

Es sind nicht die ersten Vorwürfe gegen diesen Pfarrer. Bereits Ende 2019 gab es Anschuldigungen gegen den Mann. Ein afrikanischer Priester beschuldigte den Pfarrer, ihn zwischen 2008 und 2011 wiederholt belästigt zu haben. Der angeschuldigte Pfarrer wehrte sich in einem Interview mit dem Westschweizer Radio «RTS», dass dies «reine Diffamierung» sei und sprach von «surrealistischen Vorwürfen».

Zudem stellte er wiederholt die Glaubwürdigkeit des Opfers in Frage. Letzte Woche gab die Diözese Lausanne, Genf und Freiburg aber trotzdem bekannt, dass man eine Voruntersuchung eingeleitet habe.

Im «Tages-Anzeiger» werden auch Vorwürfe gegen Bischof Morerod selber laut: Bereits seit 2011 soll er das Missrauchs-Dossier auf dem Tisch gehabt, aber erst reagiert haben, als er mit den Recherchen konfrontiert worden sei. Weder der Bischof noch der angeschuldigte Pfarrer mochten sich gegenüber der Zeitung äussern.

Sie verwiesen darauf, dass man der laufenden kirchlichen Voruntersuchung nicht vorgreifen wolle. Die katholische Kirche wird immer wieder von Missbrauchsskandalen erschüttert. Erst im vergangenen November wurde in der Freiburger Kathe­drale eine Gedenktafel angebracht, die an die Opfer des sexuellen Missbrauchs in der dortigen Diözese erinnern soll.

Zu deren Einweihung hielt auch Bischof Morerod eine Ansprache. «Sie dient auch als Bitte um Vergebung und als Einladung an die Gemeinschaft, wachsam zu bleiben», steht auf der Tafel.

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