Zersiedelung

Ein Spiel mit dem Feuer? Grüne wollen mehr Dichte gegen Dichtestress

Dichte ist relativ – selbst der Zürcher Hauptbahnhof ist manchmal fast menschenleer.

Dichte ist relativ – selbst der Zürcher Hauptbahnhof ist manchmal fast menschenleer.

Unter dem Titel «Grüne Städte gegen Dichtestress» fordert die Partei nicht mehr Platz und Raum, sondern mehr Dichte. Eine Analyse, wie politische Kommunikation scheitern kann.

Glaubt man der Grünen Partei, wird in der Schweiz auch in Zukunft zu viel Kulturland verschandelt. Weder das revidierte Raumplanungsgesetz noch das Gesetz zur Umsetzung der Zweitwohnungsinitiative hätten genügend Biss, um das Erschliessen neuer Bauzonen zu verhindern, kritisierte die Partei an einer eigens einberufenen Medienkonferenz. Der Volkswille werde nicht umgesetzt.

Deshalb reichen die Grünen in der kommenden Session neue Vorstösse ein (siehe Box). Anhand von Beispielen aus Basel, wo der Grüne Guy Morin Regierungspräsident ist, und dem Beispiel der Lausanner Agglomerationsgemeinde Renens, wo die Grüne Tinetta Maystre als Stadträtin amtet, illustrierte die Partei, wie verdichtetes Bauen funktionieren kann.

Eine Sinnestäuschung

Mehr Dichte gegen den Dichtestress - so lautet das Rezept der Grünen. Mit dem Reizwort «Dichtestress», das aus der Küche der Zuwanderungsgegner und Wachstumsskeptiker stammt, sichern sich die Grünen Aufmerksamkeit. Doch anstatt in die Trickkiste hat die Partei in den Fettnapf gegriffen: Denn der Bürger, der sich mit angeblichem Dichtestress konfrontiert sehen, unterstützten die Vorschläge der Grünen nach mehr Dichte kaum.

Gleichzeitig bewirkt das Reizwort das Gegenteil von dem, was die Grünen beabsichtigt haben. Indem sie die Behauptung, in der Schweiz herrsche Dichtestress vor, aufnehmen und sogar Lösungen dafür suchen, erhält das Reizwort plötzlich eine Legitimität, eine «Raison d'être», die die Grüne Co-Präsidentin Adèle Thorens dem Phänomen eigentlich abspricht.

Das Wort gebe es im Französischen nicht, sagte die Waadtländer Nationalrätin. Beim Dichtestress handle es sich um ein «Phantasma», das in ländlichen Gebieten herumgeistere. «Nicht die Dichte per se ist ein Stress, sondern die Fehlplanung im Städtebau und im Verkehr.» Deshalb gebe es in grünen Städten eben gerade keinen Dichtestress.

Spiel mit dem Feuer

Die Kritik am Bundesrat, er spiele mit dem Feuer, wenn er den Volkswillen nicht umsetze, gilt der kommenden Abstimmung über die Ecopop-Initiative. Die Grünen befürchten, die Bevölkerung entscheide sich für weitere Abschottung - anstatt Zersiedlung mit verdichtetem Bauen zu bremsen.

Doch auch die Grünen spielen mit dem Feuer, wenn sie den angeblichen Dichtestress bewirtschaften und so der Bevölkerung, die in der Regel viel Platz zum Leben, Wohnen und Arbeiten hat, ein falsches Signal aussenden. Sie liegen doppelt falsch, wenn sie von Dichtestress sprechen und diesem dann erst noch mit mehr Dichte begegnen wollen.

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