Verteilung NOK-Gelder

«Einem geschenkten Gaul . . .»

Zurzibieter Gemeindeamänner freuen sich über die Absicht der Gemeinde Döttingen, die NOK-Gelder zu verteilen.

Michael Hunziker

Döttingen will die Region an einem Teil des Steuersegens der Nordostschweizerischen Kraftwerke AG (NOK) teilhaben lassen. Unterstützt werden sollen finanzschwache Gemeinden sowie Gemeindeverbände, Projekte und besondere Aufgaben. Das Reglement über die Verwendung des Spezialfonds für regionale Aufgaben steht an der Gemeindeversammlung vom 17. Juni zur Diskussion. Wie kommt die Absicht der Döttinger bei den Zurzibieter Gemeindeammännern an?

Nähe spielt keine Rolle

«Dass die NOK-Gelder zur Stärkung der Region eingesetzt werden, ist eine gute Idee», sagt Agnes Canonica, Gemeindeammann in Böttstein. «Die Gemeinde Döttingen handelt auf freiwilliger Basis. Diese grosszügige Geste schätze ich sehr.» Sie macht allerdings keinen Hehl daraus, dass die Erwartungen der Gemeinde Böttstein nicht ganz erfüllt werden. «Unsere spezielle Lage, unsere Nähe zu den Atomkraftwerken, spielt in diesem Reglement keine Rolle. Dieser Faktor hätte meiner Meinung nach ebenfalls gewichtet werden sollen.»

Agnes Canonica betont aber, dass sie grundsätzlich zufrieden sei, dass das ganze Zurzibiet unterstützt werde. Eine Herausforderung werde sein, die Projekte auszuwählen und die Höhe der Beiträge festzulegen. «Darüber werden sich die Mitglieder der gemeinderätlichen Kommission die Köpfe zerbrechen müssen.»

Peter Bühlmann, Gemeindeammann in Klingnau, freut sich ebenfalls über das Verhalten der Gemeinde Döttingen: «Die Absicht ist vorbildlich und lobenswert. Das ist eine grosszügige Geste», sagt er. «Es ist eine Lösung gefunden worden, die allen etwas bietet.» Auch wenn die Auswirkungen noch nicht im Detail bekannt seien: «Wichtig ist das Signal, dass mit diesem Reglement ausgesendet wird.»

Vertrauen in Kommission

«Es ist grosszügig, dass die Gemeinde Döttingen die Region an den Geldern teilhaben lassen will», sagt auch Erwin Baumgartner, Gemeindeammann in Tegerfelden. «Es handelt sich um eine schöne Summe, die auf freiwilliger Basis zur Verfügung gestellt wird. Ich bin genau wie der Döttinger Gemeinderat der Ansicht, dass das Reglement durchdacht, fair und vernünftig ist.» Seiner Meinung nach macht es Sinn, dass bei der Berechnung der Beiträge der Steuerfuss eine Rolle spielt. «Ein Kriterium hätte vielleicht auch die Distanz zu den Anlagen sein können», meint Baumgartner.

Wichtig ist ihm, dass die Gelder in Projekte gesteckt werden, die Resultate bringen. Im Bereich öffentlicher Verkehr beispielsweise könne einiges erreicht werden. Er habe Vertrauen in die gemeinderätliche Kommission, die für den Vollzug des Reglements gebildet werde, sagt Baumgartner. «Es ist doch ein gutes Zeichen, dass auch eine Vertretung der Geschäftsleitung des Planungsverbandes Zurzibiet sowie eine Vertretung der Gemeindeammännervereinigung des Bezirks Zurzach ein Mitspracherecht haben.»

Grosses nicht vergessen

Heidi Wanner, Gemeindeammann in Koblenz, spricht ebenfalls von einer sehr grosszügigen Geste. «Wir freuen uns, dass wir in den Genuss von Beiträgen kommen.» Kritisch ist sie, im Gegensatz zu Erwin Baumgartner, beim Verteilschlüssel. Nach ihrem Dafürhalten hätte das Steuereinkommen pro Kopf berücksichtigt werden sollen und nicht der Steuerfuss der Gemeinde. Selbstverständlich werde der Entscheid der Gemeinde Döttingen, die freiwillig handle, akzeptiert. Denn: «Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul», sagt Heidi Wanner.

«Dem Gemeinderat und der Bevölkerung von Döttingen rechne ich hoch an, dass sie die NOK-Gelder verteilen wollen», sagt Lukas Keller, Gemeindeammann in Endingen. «Das ist eine noble Geste.» Keller hofft, dass die Zurzibieter Gemeinden die grösseren Projekte nicht aus den Augen verlieren. Seiner Ansicht nach könnten mit den Beiträgen Gemeinschaftswerke realisiert werden, welche die Region weiterbringen. «Ich hoffe, dass die Solidarität spielen wird.»

Meistgesehen

Artboard 1