Schweiz

Eingesperrt in Peru: So ergeht es Schweizer Touristinnen wegen der Corona-Krise

In diesem Mehrbett-Zimmer harren die Schweizerinnen seit einer Woche aus.

In diesem Mehrbett-Zimmer harren die Schweizerinnen seit einer Woche aus.

Zwei junge Schweizerinnen wissen nicht, wann sie in die Schweiz zurückkehren können – vom Bund fühlen sie sich im Stich gelassen.

Es hätte die Reise ihres Lebens werden soll, doch jetzt sitzt Karin Looser fest, seit einer Woche schon. Die junge Innerschweizerin, die in Wahrheit anders heisst, meldet sich per Video-Anruf. Es ist noch früh am Morgen in der peruanischen Stadt Cusco, doch Looser schläft schon länger schlecht. Die Luft wird schnell einmal dick in ihrem fensterlosen Zimmer, das sie mit sieben anderen Touristen teilt. Und dann ist da die Ungewissheit, wann das alles ein Ende hat. «Langsam geht mir die Kraft aus. Es ist eine emotionale Achterbahnfahrt», sagt Looser.

So wie der 19-Jährigen geht es gerade tausenden Schweizer Touristen: sie stecken irgendwo im Ausland fest, weil viele Staaten im Kampf gegen das neue Corona-Virus in Windeseile ihre Grenzen und Flughäfen geschlossen haben. Aussenminister Ignazio Cassis hat sie Anfang letzter Woche aufgefordert, in die Schweiz heimzukehren. Für viele ist es da schon zu spät.

Die Ausgangssperre kommt abrupt

Karin Looser besucht am Sonntag vor einer Woche mit ihrer Freundin die alte Inka-Stadt Machu Picchu. Als die beiden am Abend in Cusco ankommen, erfahren sie, dass der peruanische Präsident eine Ausgangssperre verhängt hat. Und dass ihnen noch 24 Stunden verbleiben, um das Land zu verlassen. Schon vorher haben sie drei verschiedene Flüge über südamerikanische Länder in die Heimat gebucht, in der Hoffnung, dass zumindest einer noch durchgeführt wird. Doch jetzt sind sie alle hinfällig. Looser und ihre Freundin eilen an den Flughafen, versuchen stundenlang, wenigstens nach Lima zu kommen – vergeblich.

Nun sitzen sie in der Jugendherberge, zusammen mit etwa 70 anderen jungen Touristen aus Europa, Südamerika und den USA. Die Türen sind seit einer Woche verriegelt, die Balkone auch. Seit kurzem dürfen Looser und die anderen immerhin etwas einkaufen gehen. Draussen, auf den Strassen, sind sie aber nicht gern gesehen. Das liegt daran, dass die Behörden die Touristen aus Europa beschuldigen, das Virus nach Peru gebracht zu haben. Und so, erzählt Looser, blieben sie meist drinnen. Im Zimmer, das eher «eine Höhle» sei. Oder im Aufenthaltsraum, wo es Brettspiele gibt.

Schaffen sie es auf den Flug in die Heimat?

Die Tage in Cusco sind lang, doch seit Samstag gibt es Hoffnung für Looser und ihre Freundin: da hat das Aussendepartement bekanntgegeben, dass es zwei Repatriierungsflüge für Schweizer Touristen aus Kolumbien und Peru durchführen wird. Schnurstracks füllen die beiden das Formular aus, doch ob sie auf der Passagierliste stehen, wussten sie bis am Sonntagabend nicht. Die Ungewissheit nagt, und das gleich in mehrfacher Hinsicht. Gibt es einen Platz für sie? Und kann der Flug überhaupt stattfinden? Looser sagt, sie habe sich in den letzten Tagen im Stich gelassen gefühlt vom Bund und der Schweizer Botschaft. «Israelische Bekannte wurden schon Anfang letzter Woche ausgeflogen; andere, etwa Deutsche oder Franzosen, werden von ihrer Botschaft besser mit Informationen und Tipps versorgt», sagt sie.

Das Aussendepartement entgegnet, man werde derzeit mit Anfragen überflutet: 1000 Anrufe, 1500 E-Mails. Jeden Tag. Man habe die Zahl der Helpline-Mitarbeitenden vervierfacht, sagt ein Sprecher. Und unterstütze die Touristen vor Ort, so gut das gehe. Gerade der Aufwand für Rückholflüge sei gross. Auf den Aufruf der Botschaft in Lima sind bisher 540 Rückmeldungen eingegangen, wobei die Zahl laufend steigt. Deshalb erwägt das EDA, einen zweiten Flug nach Peru durchzuführen.

Looser und ihre Freundin hoffen derweil, dass sie schon bald im Flieger nach Hause sitzen. Dass ihre grosse Reise früher als geplant zu Ende geht, ist ihnen mittlerweile egal.

Autor

Dominic Wirth

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