Marc Rich Nachruf
Ellen Ringier dementiert Einflussnahme bei «Schweizer Illustrierte»

Der umstrittene Nachruf von Ellen Ringier auf Rohstoffhändler Marc Rich hatte ein brisantes Vorspiel: Die «Schweizer Illustrierte» hatte einen Rich-Kritiker für einen Nachruf angefragt. Dieser signalisierte Interesse - wurde dann aber ignoriert.

Thomas Schlittler
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Verlegergattin Ellen Ringier (Archiv)

Verlegergattin Ellen Ringier (Archiv)

In ihrem Nachruf auf Marc Rich wirft die Verlegergattin Ellen Ringier den Medien vor, ein „antisemitisches Zerrbild" des jüdisch stämmigen Rohstoffhändlers zu zeichnen. Sie selbst schreibt in der „Schweizer Illustrierten" (SI) sehr positiv über den verstorbenen „King of Oil".

Jetzt hat „Die Nordwestschweiz" erfahren, dass die SI-Redaktion auch den Rich-Kritiker und Zuger Alt-Regierungsrat Hanspeter Uster für einen Nachruf - Länge 5000 bis 7000 Zeichen - angefragt hatte. Dieser bekundete per E-Mail sein Interesse - hörte dann aber bis heute nichts mehr. Statt eines kritischen Nachrufs von Uster erschien schliesslich der wohlwollende Artikel von Ellen Ringier.

Die Geschichte gibt Anlass zu Spekulationen: «Gab es ein Verleger-Veto?», fragt Ex-Nationalrat Joe Lang via Twitter. Auf Nachfrage dementiert Ellen Ringier: «Ich hatte keine Ahnung, dass auch Hanspeter Uster angefragt worden ist.»

Die Redaktion der SI bestätigt die Aussage der Verlagschefin: „Wir machten die Anfragen für das Verfassen eines Nachrufs auf Marc Rich an die Adressen von Ellen Ringier und Hanspeter Uster parallel." Dabei habe man nur wenig Hoffnung gehabt, dass Frau Ringier tatsächlich Zeit dafür finden würde. Wider Erwarten reagierte Ellen Ringier aber sehr rasch und übernahm somit das Schreiben.

Das ist soweit nachvollziehbar. Aber wieso wurde Hanspeter Uster nicht darüber in Kenntnis gesetzt, dass statt ihm die Verlegergattin den Nachruf schreibt? „Die Information von Herrn Uster verzögerte sich, weil der betreffende Journalist anderweitig beschäftigt war", so die Antwort der Redaktion.
Bleibt die Frage, ob es der SI gleichgültig war, ob Richs Nachruf wohlwollend oder kritisch ausfällt. Dazu Chefredaktor Stefan Regez: «Wir entscheiden bei Nachrufen in erster Priorität nach People-Kriterien: Wie gut kannte der Schreibende die betreffende Persönlichkeit?»

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