2001:

Die Ära René Prêtre am Zürcher Kinderspital beginnt. Der damals 44-jährige Jurassier wird zum Chefarzt der Herzchirurgie ernannt. Über die folgenden Jahre operiert er Tausende Kinder, rettet viele Leben. Prêtre wird schweizweit bekannt. Laut Schweizer Mediendatenbank kommt er bis Mitte 2012 in über 460 Zeitungsartikeln vor. Im Jahr 2009 wird Prêtre «Schweizer des Jahres».

Oktober 2003:

Das Kinderspital kann die Operationen mit HerzLungen-Maschine nun im eigenen Spital durchführen. Vorher mussten die kleinen Patienten zuerst ins Universitätsspital gebracht werden.

Februar 2009:

An einer Pressekonferenz gibt das Kinderspital bekannt, dass es ein neues Krankenhaus bauen will. Über 600 Millionen Franken soll es kosten. 100 Millionen will das «Kispi» durch Spenden einnehmen. Nur das Beste ist gut genug: Das Spital wird vom weltberühmten Architekturbüro Herzog & de Meuron entworfen. Der Spatenstich erfolgt im Mai 2018, 2021 soll das Spital umziehen.

Juli 2012:

René Prêtre verlässt das Kinderspital in Richtung Lausanne. Zu diesem Zeitpunkt gibt es laut Recherchen von CH Media zwischen Herzchirurgie, Kardiologie und Intensivstation schon Konflikte, was Prêtre verneint. Michael Hübler übernimmt in Zürich die Herzchirurgie. Er bringt einen Teil seines Teams aus dem Deutschen Herzzentrum in Berlin mit.

5. November 2018:

Das Kinderspital verschickt um 21 Uhr eine Pressemitteilung mit dem Titel: «Personelle Änderungen am Herzzentrum». Dahinter verbirgt sich Explosives: Das Kispi trennt sich per sofort von Chefarzt Hübler. Einen offiziellen Grund dafür erfährt die Öffentlichkeit bis heute nicht. In den Tagen darauf rätselt die Presse, anschliessend wird es wieder ruhig ums Herzzentrum. Recherchen zeigen nun: Hüblers Abgang steht in direktem Zusammenhang mit dem Streit zwischen der Herzchirurgie, der Kardiologie und der Intensivstation.

Februar 2019:

Zwischen den Kaderärzten und dem Kinderspital bricht ein Lohnstreit aus. Viele Ärzte wollen ein neues Honorarsystem nicht akzeptieren. Die Vertreter des Personals seien vom Management «offen verlacht» worden, berichtete die «NZZ am Sonntag».

1. April 2019:

Der entlassene Herzchirurg A.S.* tritt in den Hungerstreik. Er will das Spital zwingen, ihm ein aus seiner Sicht korrektes Arbeitszeugnis auszustellen. A.S. zeigt drei seiner Vorgesetzten an. Einen beschuldigt er, ihn bei Operationen absichtlich verletzt zu haben.
18. April 2019: Der Streit kommt an die Öffentlichkeit. Der «Tages-Anzeiger» berichtet als erstes Medium über die Vorwürfe von A.S. und seinen Hungerstreik. Das Kinderspital bestreitet alle Anschuldigungen. Interviews in SRF-Sendungen mit dem entlassenen Herzchirurgen folgen. Wenige Tage später äussern sich im «10vor10» die Eltern eines Mädchens, das im Kinderspital verstorben ist. Sie berichten, dass sich Ärzte am Bett ihrer kranken Tochter gestritten hätten.

9. Mai 2019:

Der Anwalt des Kinderspitals droht A.S. mit rechtlichen Schritten, wenn er nochmals «rufschädigende Äusserungen» über das Kinderspital tätige. A.S. hat das E-Mail dieser Zeitung zur Verfügung gestellt. Das Problem: Der Herzchirurg ist lediglich freigestellt, hat also als Arbeitnehmer immer noch Treuepflichten gegenüber dem Spital. A.S. ist das egal. Laut eigenen Aussagen ist er seit 44 Tagen im Hungerstreik: «Ich habe noch eine Woche, dann bin ich tot.»