Bundesratswahl

Ersatzwahl: Welche Kantone stellten die meisten Bundesräte – und welche gingen leer aus?

Vor der Bundesrats-Nomination durch die Parteien rechnen die Kantone vor, weshalb gerade sie an der Reihe sind.

Gleich mehrere Regionen kämpfen um den Einzug in den Bundesrat. Die Ostschweiz müsse bei der bevorstehenden Ersatzwahl «zwingend berücksichtigt» werden, fordert die Ostschweizer Regierungskonferenz. Die Region der beiden Basel sei «seit einer unverhältnismässigen Zeit nicht mehr in der Landesregierung vertreten», kritisieren die Regierungen beider Basel. Und die Zentralschweizer Regierungskonferenz sieht die Wahl eines Kandidaten aus ihren Stammlanden als «überfällig». Auch Schaffhausen und das Oberwallis meldeten Ansprüche.

Klar ist: Die lateinische Schweiz sowie die Kantone Zürich und Bern sind bereits in der Regierung vertreten. Der Kampf um die zwei frei werdenden Sitze wird also unter den verbleibenden Regionen ausgetragen. Und diese interpretieren die Statistik jeweils gerne zu ihren Gunsten.

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120 Jahre ohne

Sie hätten seit 1973 keinen Bundesrat mehr gestellt, betonen sie in Basel und in Basel-Landschaft. Und seit der Gründung des Bundesstaates erst deren drei. Angesichts der wirtschaftlichen Bedeutung der Region für die Schweiz sei dies schwer verständlich. Noch dramatischer wird die Situation, wenn die CVP-Anwärterin aus Basel-Landschaft die Zahlen auf ihren eigenen Kanton herunterbricht. Seit über 120 Jahren habe dieser keinen Bundesrat mehr gestellt, sagte Elisabeth Schneider-Schneiter anlässlich ihrer Nomination. Anders fällt die Rechnung allerdings aus, wenn man Basel als Teil der Region Nordwestschweiz betrachtet. Rechnet man die Kantone Aargau, Solothurn dazu, hat die Region bereits 14 Bundesräte gestellt.

Die Bilanz der Zentralschweiz fällt deutlich schlechter aus. Seit dem Rücktritt von Kaspar Villiger vor 15 Jahren war die Region nicht mehr in der Landesregierung vertreten. Insgesamt besetzten erst acht Zentralschweizer das Amt. Das wollen gleich drei Kandidaten ändern: Der Zuger CVP-Ständerat Peter Hegglin und seine Parteikollegin, die Urner Regierungsrätin Heidi Z’graggen, wollen am 5. Dezember Doris Leuthard beerben. Der Nidwaldner FDP-Ständerat Hans Wicki will Nachfolger von Johann Schneider-Ammann werden. Offiziell stellt sich die Zentralschweiz hinter ihre Kandidaten. Der Luzerner CVP-Regierungsrat Guido Graf allerdings scherte aus. Mit einem Facebook-Eintrag machte er deutlich, dass er wenig von den offiziellen Kandidaten seiner Partei hält: «Es gibt schon genug graue Mäuse in Bern.»

Sowohl die Urnerin Heidi Z’graggen als auch der Nidwaldner Hans Wicki können sich darauf berufen, dass ihre Kantone noch gar nie im Bundesrat vertreten waren. Das Argument «Wir waren noch nie dran» kann allerdings auch der Schaffhauser FDP-Regierungsrat Christian Amsler ins Feld führen.

Die Ostschweiz machte bereits kurz nach Schneider-Ammanns Rücktrittsankündigung lautstark ihren Anspruch geltend. Dabei steht aber nicht der Schaffhauser Amsler im Fokus, sondern die St. Galler FDP-Ständerätin Karin Keller-Sutter. Rein rechnerisch hat die Ostschweiz allerdings weniger Argumente in der Hand. Mit dem Ausserrhoder Hans-Rudolf Merz war die Region noch bis 2010 im Bundesrat vertreten. Die Kantone St.  Gallen, Thurgau und die beiden Appenzell stellten seit 1848 bereits zwölf Bundesräte.

Zürich hatte die meisten

Auch die Walliser CVP-Kandidatin Viola Amherd hat die Statistik nicht unbedingt auf ihrer Seite. Zwar wäre sie erst die zweite Bundesrätin aus dem Oberwallis, wie ihr Parteikollege, CVP-Ständerat Beat Rieder, zu ihren Gunsten ausführte. Die Amtszeit des letzten Walliser Bundesrates, Pascal Couchepin, liegt mit neun Jahren allerdings noch nicht allzu lange zurück. Zählt man das Wallis, wie es das Bundesamt für Statistik macht, zusammen mit der Waadt und Genf zur Genferseeregion, kommen bereits 23 Bundesräte zusammen. Zudem ist die Genferseeregion mit Guy Parmelin aus der Waadt bereits repräsentiert.

Mit Abstand die meisten Bundesräte stellten bis anhin Zürich (20), Waadt (15) und Bern (14). «Schon nach der Gründung des Bundesstaates 1848 beanspruchten die drei grossen Kantone einen festen Bundesratssitz», sagt der emeritierte Geschichtsprofessor Urs Altermatt, Herausgeber des Bundesratslexikons. «Die Bundesversammlung wich von dieser ungeschriebenen Regel nur in wenigen Ausnahmefällen ab.» Damit die grossen Kantone nicht zu sehr dominieren, hielt die Bundesverfassung ursprünglich fest, dass jeder Kanton nur einen Bundesrat stellen darf. Seit 1999 gilt: Die Landesgegenden müssen wie die Sprachregionen «angemessen» vertreten sein. Altermatt hält die neue Formulierung für unglücklich: «Die alte Kantonsklausel bewährte sich als Schutz der mittleren und kleineren Kantone.»

Doch was bringt ein Bundesratssitz einer Region überhaupt? Der materielle Nutzen sei klein, sagt Altermatt. Bei einigen Entscheidungen habe die Herkunft der Bundesräte aber durchaus eine Rolle gespielt. «So setzte sich der Berner Adolf Ogi in der Neat-Debatte mit Erfolg für die Lötschberg-Variante ein.»

Alle Schweizer Bundesräte seit 1848:

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