Coronavirus

«Es bleiben drastische Einschränkungen»: So reagiert die Eventbranche auf Bersets Auflagen

Patrick Lengwiler, CEO beim EV Zug, ist ncht erfreut über die Entscheidungen des Bundesrats.

Patrick Lengwiler, CEO beim EV Zug, ist ncht erfreut über die Entscheidungen des Bundesrats.

Am Mittwoch gab der Bundesrat weitere Details zu den Auflagen für Grossveranstaltungen preis. Doch Aufatmen kann man in der Branche noch lange nicht. Vier Stimmen von Betroffenen.

Ab dem 1. Oktober sind Events mit mehr als 1000 Personen wieder erlaubt. Bewilligen müssen diese aber die Kantone. Am Mittwoch gab der Bundesrat weitere Details zu den Auflagen für die Grossveranstaltungen bekannt.

Für jede Veranstaltung muss beim jeweiligen Kanton ein Schutzkonzept und eine Risikoanalyse vorgewiesen werden. Die Zuschauerinnen und Zuschauer müssen sitzen, in den Stadien gilt eine Kapazitätsbegrenzung, Personenströme müssen klar geregelt werden und bei Eishockey und Fussballspielen gilt eine Maskenpflicht. Zudem sei der Alkoholausschank so zu beschränken, dass die «Einhaltung des Schutzkonzepts nicht gefährdet wird», sagte Bundesrat Alain Berset an der Pressekonferenz.

Absolute Planungssicherheit kann der Bund den Veranstaltern aber nicht versprechen. Wenn sich die epidemiologische Lage verschlechtert, können die Kantone eine Bewilligung jederzeit widerrufen. Eine Entschädigung gebe es dabei für die Veranstalterinnen nicht.

1 – YB-CEO: «Stimmung wird nicht die gleiche sein»

Wanja Greuel.

Wanja Greuel.

Der CEO der Berner Young Boys, Wanja Greuel, zeigt sich auf watson-Anfrage «sehr erfreut» über den Entscheid des Bundesrates. «Die Fans können die Mannschaft auch mit einer Maske anfeuern», sagt er. Man habe Verständnis für die strengen Auflagen und die Zuschauerbeschränkungen. Natürlich werde die Stimmung nicht die gleiche sein wie in den letzten Jahren. «Das Gemeinschaftserlebnis im Wankdorf wird künftig anders ausfallen als in der Vergangenheit.» Man appelliere an alle Fussballfans, sich an die Vorgaben des Bundes und des Kantons zu halten.

Gelten die Vorgaben für den Alkoholkonsum auch vor dem Stadion? Solche und viele weitere Fragen gilt es in den nächsten Tagen und Wochen zu klären. «Wir machen uns jetzt mit Hochdruck daran, das Sicherheitskonzept den neuen Rahmenbedingungen anzupassen», sagt Greuel. Detaillierte Auskünfte könne man derzeit aber noch nicht geben.

2 – EVZ-CEO: «Das macht uns keinen Spass»

Kritischer äussert sich Patrick Lengwiler, CEO beim EV Zug. Er schreibt in einer Mitteilung:

Patrick Lengwiler.

Patrick Lengwiler.

Der Bundesratsentscheid bedeute, dass man von den knapp 6000 Saisonkarteninhabern nur noch 3800 Plätze zur Verfügung stellen könne. Man werde sich in den nächsten Tagen intensiv damit auseinandersetzen, wie die Aufteilung der Plätze vernünftig zu regeln ist. «Das macht uns keinen Spass und das Ergebnis wird niemanden befriedigen, denn es wird nicht eine beste Lösung geben, sondern nur noch die am wenigsten schlechte.»

Der einzig positive Aspekt für ihn sei, dass nach Monaten der Ungewissheit und Planungsunsicherheit man jetzt wenigstens wisse, unter welchen Voraussetzungen im Oktober die Saison 2020/21 starte.

3 – Hallenstadion-Chef: «Viel Arbeit liegt vor uns»

Philipp Musshafen. (Archivbild)

Philipp Musshafen. (Archivbild)

Etwas hoffnungsvoller klingt es aus Zürich: «Wir sehen Licht am Ende des Tunnels», sagt der Zürcher Hallenstadion-Chef Philipp Musshafen. Am 2. Oktober ist das erste Heimspiel des ZSC Lions geplant. «Natürlich liegt bis dann noch einiges an Arbeit vor uns.» Zusammen mit den Veranstaltern werde man Schutzkonzept und Risikoanalyse erarbeiten. Das Zusammenspiel mit den Behörden sei noch unklar, man wisse beispielsweise noch nicht, wer Ansprechsperson für die Bewilligungen ist. Alles in allem sieht es Musshafen positiv. «Ich bin der Meinung, dass es Kultur und Sportevents in unserer Gesellschaft braucht, vor allem jetzt, wo die Tage wieder dunkler werden und der Herbst naht.»

4 – Präsident SMPA: «Absolute Minimalvorlaufzeit für Grossveranstaltungen»

Christoph Bill.

Christoph Bill.

Weniger rosig sieht es Christoph Bill, Präsident vom Branchenverband der professionellen Schweizer Konzert-, Show- und Festivalveranstalter (SMPA). «Der Schaden ist bereits angerichtet», sagt er. «Wir erfuhren am 2. September, wie es ab dem 1. Oktober weitergeht. Das ist eine absolute Minimalvorlaufzeit für Grossveranstaltungen.» Bill fordert, dass ein kurzfristiger Bewilligungsentzug durch die Kantone nicht möglich sein soll oder die öffentliche Hand ein abgesagter Event mitversichern muss. «Der Aufwand steigt in allen Phasen massiv an, namentlich auch vor Ort. Hinzu kommt das wirtschaftliche Risiko aufgrund der Ungewissheit, ob in dieser Situation überhaupt genügend Gäste kommen», so Bill.

Auch der Präsident des Schweizer Verbands technischer Bühnen- und Veranstaltungsberufe, Jörg Gantenbein, zeichnet für die Branche ein düsteres Bild. Die Situation bleibe schwierig, solange die Planungssicherheit fehle, sagt er.

«Die Kantone haben das Recht eine Veranstaltung kurzfristig abzusagen. Das ist ein grosser Unsicherheitsfaktor. Unter diesen Voraussetzungen sind kulturelle Grossveranstaltungen weiterhin nicht durchführbar.» Für ihn und seine Berufskolleginnen bedeute dies, dass es mindestens bis Ende Jahr viel weniger Arbeit gibt. Ob sich die Lage ab 2021 entspannen wird, ist ungewiss. Gantenbein sagt, bereits seien mehrere Grossevents, die nächsten Sommer hätten stattfinden sollen, abgesagt worden. «Unserer Branche drohen weitere Entlassungswelle, nicht wenige stehen bereits jetzt auf der Strasse.»

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