Baden

«Es braucht nachhaltige Lösungen»

Der VCS Aargau fordert den Ausbau des öffentlichen Verkehrs rund um Baden und warnt vor neuen Strassentunnels. Das Verkehrsproblem im Ostaargau lässt sich laut VCS nur lösen, wenn der öffentliche Verkehr (öV) gefördert wird.

Roman Huber

Die kantonalen Strassenbaupläne, wie sie die AZ in der Ausgabe vom 30. 5. offenlegte, haben den Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) herausgefordert. Der Vorstand der Sektion Aargau hat mit einer Pressekonferenz gekontert und seine Meinung dazu auf den Tisch gelegt. «Solche Strassentunnelprojekte passen schlicht nicht zu den laufenden Diskussionen um CO2-Reduktion und 2000-Watt-Gesellschaft», erklärt Köbi Knüsel, Präsident VCS Aargau. Aus VCS-Sicht gebe es nur eine Stossrichtung, womit sich die Verkehrsprobleme der Region Baden auf nachhaltige und umweltverträgliche Art lösen lassen, und das sei der Ausbau des öffentlichen Verkehrs.

«Man muss auf die Schiene setzen»

Jürg Caflisch, SP-Grossrat und Badener Einwohnerrat, schildert die zu erwartende Verkehrsentwicklung in ihrer Drastigkeit: «Im Aargau wird der Verkehr in den nächsten knapp zwanzig Jahren um 30% zunehmen.» Die Realität habe sich bei der Siggenthalerbrücke gezeigt: «Nicht 13 000 Fahrzeuge wie prognostiziert, sondern 19 000 sind es, die täglich die Brücke passieren», sagt Caflisch. Der gezielte Ausbau zur Doppelspur von Turgi bis Koblenz/Waldshut, gekoppelt mit einer Park-and-ride-Anlage inWaldshut, dazu ein attraktiver Viertelstundentakt, so bringe man den Pendlerverkehr auf die Schiene.

Das Projekt ist bereits im Mehrjahresprogramm des Kantons und im Aggloprogramm des Bundes und müsse nun vorangetrieben werden. Binde man das Zurzibiet besser ans Autobahnnetz an, werde ein neuer Korridor für den Schwerverkehr geschaffen. Eine wirtschaftliche Entwicklung indes stellt Knüsel infrage. Darum lässt er Argumente der Siedlungsentwicklung durch einen Petersbergtunnel nicht gelten: «Eine weitere Zersiedelung vergrössert einzig den Pendlerverkehr.»

Stadtbahn und Limmattalbahn

Lösungen seien auch in die andere Richtung, nämlich gegen Zürich, aufgegleist, so Caflisch. Im kantonalen Richtplan figuriert die Verlängerung der Limmattalbahn von Dietikon bis Killwangen. Von dort ist eine Weiterführung über die Limmat nach Wettingen und Baden vorgesehen. Das Projekt wird zurzeit geprüft. Auch das Nationalbahntrassee stehe zur Disposition, fügt Caflisch an. Es gibt auch Pläne einer Stadtbahn Baden von Dättwil nach Turgi. Das Trassee der Nationalbahn würde durch den Hundsbucktunnel nach Baden Nord geführt, wo die zahlreichen Arbeitsplätze ans öV-Netz angebunden werden könnten.

«Es ist ein Gebot der Klugheit, nicht auf teure und problematische Strassenbau- Scheinlösungen zu setzen, sondern diejenigen Möglichkeiten zu ergreifen, die einen substanziellen Beitrag zur Entschärfung der Situation beitragen können », erklärt der VCS. Mit über 700 Millionen Franken würde ein Petersbergtunnel viel kosten, aber wenig Entlastung bringen. Darum fordert der VCS, dass die öV-Varianten mit ebensolcher Vehemenz wie die Strassenbauprojekte zu behandeln seien.

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