Bern
«Es geht um unsere Zukunft»: Klimaaktivisten besetzen den Bundesplatz – und wollen bis Ende Woche bleiben

Seit den frühen Morgenstunden haben Aktivisten den Bundesplatz in ein Klimacamp verwandelt. Die fordern, dass die Politik mehr unternimmt gegen den Klimawandel. Die Berner Behörden stürzen sie in ein Dilemma.

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Protest knapp ein Jahr nach der grossen Klimademonstration.
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Aktivistinnen und Aktivisten besetzen am Montag früh den Bundesplatz in Bern.
Die Aktivisten bauen ein Zeltdorf auf.
Die Aktion begann um 4 Uhr morgens.
Die Klimaaktivisten sind aus der ganzen Schweiz angereist.

Protest knapp ein Jahr nach der grossen Klimademonstration.

Peter Schneider / KEYSTONE

Sie kamen, als es noch dunkel war. Und überraschten damit alle. Seit den frühen Morgenstunden halten Hunderte Klimaaktivisten den Bundesplatz in Bern besetzt. Sie haben Zelte aufgestellt und eine kleine Bühne; es gibt ein Sanitätszelt in einer Ecke und eine Küche, in der in grossen Töpfen das Mittagessen köchelt, in einer anderen. Verschiedene Zufahrten zum Bundesplatz haben sie versperrt, etwa mit Plakaten und einer Schaukel, die von einem Baugerüst hängt. Vor dem Bundeshaus hat jemand mit Kreide in riesigen Buchstaben «ACT NOW» auf die Strasse geschrieben.

Die Klimaaktivisten besetzen den Bundesplatz früh am Morgen.

Die Klimaaktivisten besetzen den Bundesplatz früh am Morgen.

Peter Schneider / KEYSTONE

Ein junger Aktivist ist aus dem Kanton Uri angereist. Er trägt eine Maske im Gesicht, so, wie es fast alle tun. Der junge Mann besetzt den Bundesplatz, weil er findet, dass die Politik zu wenig tut, um den Klimawandel zu stoppen. «Es geht um unsere Zukunft», sagt er.

Fast alle tragen Masken.

Fast alle tragen Masken.

Peter Schneider / KEYSTONE

Es sind vor allem junge Menschen, die sich auf dem Bundesplatz versammelt haben. Sie verteilen Flyer, sitzen vor ihren Zelten, diskutieren in Gruppen. Was sie erreichen wollen, steht auf grossen Plakaten: Netto Null Treibhausgasemissionen bis 2030 zum Beispiel, nicht bis 2050, wie der Bundesrat das will. Vor einem Zelt steht eine Holztafel, darauf sind die Programmpunkte des Tages notiert: 14 Uhr Earth Emotions, 15 Uhr Yoga, ein «gemeinsames Singen à la Lagerfeuer».

Der junge Urner ist Student. Er sagt von sich, er gehöre zur Klimastreik-Bewegung und auch zu Extinction Rebellion, einer Umweltschutzbewegung, die schon seit längerem zum Mittel des zivilen Ungehorsams greift, weil sie Regierungen so zum Handeln zwingen will. Man müsse jetzt handeln, wenn man verhindern wolle, dass der Klimawandel nicht mehr aufzuhalten sei. Die Schweiz müsse dabei vorangehen, weil sie Geld habe und Knowhow. «Wir haben lange genug davon profitiert, das Klima zu zerstören», sagt er und zeigt auf die Nationalbank, die gleich hinter am Bundesplatz steht - und von der Klimaaktivisten schon länger fordern, dass sie auf klimaschädliche Investitionen verzichtet.

Auch Alec von Graffenried, der Berner Stadtpräsident, ist an diesem Morgen zum Bundesplatz gekommen. Er sagt in einem Interview mit Keystone-SDA, man sei überrascht worden von den Klimaaktivisten. Man habe zwar gewusst, dass eine Aktionswoche gebe - aber mit einem solchen Aufmarsch habe man «nicht gerechnet».

Alec von Graffenried, Stadtpräsident von Bern, kam zum Bundesplatz.

Alec von Graffenried, Stadtpräsident von Bern, kam zum Bundesplatz.

Peter Schneider / KEYSTONE

Eigentlich sind Demonstrationen während der Session nicht erlaubt. Die Berner Behörden haben die Aktivisten am Morgen dennoch gewähren lassen. Via Twitter meldet die Stadt Bern, es fänden am Mittag Gespräche mit der einer Delegation der Bewegung Klimastreik statt. Der Markt, der jeweils am Dienstagmorgen auf dem Bundesplatz durchgeführt wird, soll laut Stadtpräsident von Graffenried stattfinden.

Ob der Bundesplatz geräumt wird, ist zur Stunde noch offen. Verschiedene Politiker bürgerliche Parteien haben das am Morgen via Twitter gefordert. Der Walliser CVP-Nationalrat Philipp Matthias Bregy etwa schrieb, die Kundgebung sei illegal und gehöre aufgelöst,« am besten freiwillig». Die Klimaaktivisten haben angekündigt, die ganze Woche bleiben zu wollen.