Pandemie

Ex-Mister Corona Daniel Koch kritisiert alarmistische Prognosen der Taskforce

Daniel Koch spricht mit Moderatorin Maria Victoria Haas zu Corona und Kommunikation am Swiss Media Forum im Lake Side Zürich.

Daniel Koch spricht mit Moderatorin Maria Victoria Haas zu Corona und Kommunikation am Swiss Media Forum im Lake Side Zürich.

Angst zu schüren sei falsch – die Gefahr zu unterschätzen aber ebenso, sagt der Ex-BAG-Mann. Weiter betont er, Masken seien kein Allheilmittel.

Der ehemalige Coronasonderbeauftragte des Bundes, Daniel Koch, argumentiert am Swiss Media Forum in Zürich in gewohnt einnehmender Sachlichkeit. Er hält die aktuellen Fallzahlen für erschreckend hoch, diese müssten gebrochen werden, die aktuellen Massnahmen des Bundes seien deshalb richtig.

Für weniger gut hält er die alarmistischen Prognosen verschiedener Experten der Taskforce, die dauernd überfüllte Intensivspitäler ankündigen, was sich bis jetzt zum Glück nicht bewahrheitet hat. «In einer Krisensituation muss man vorsichtig sein mit Prognosen. Deshalb habe ich mich immer sehr zurückgehalten», sagt Koch dazu. Solche Voraussagen seien schwierig, weil häufig falsch. Besser als Prognosen mit 60000 Toten zu stellen, sei es, die Spitäler darauf hinzuweisen, dass sie sich auf das Maximum ihrer Möglichkeiten vorbereiten müssten.

Viren werden normalerweise mit der Zeit schwächer

Immer noch hat Koch hohe mediale Aufmerksamkeit. Er identifiziert sich mit dem Problem und bleibt aufdatiert. So wird er häufig gefragt, ob sich das Virus abgeschwächt habe. Das Virus verändere sich und deshalb würden die Virologen immer wieder neue Mutationen finden.

Trotzdem wisse man aber bis heute nicht, welche Auswirkungen diese Veränderungen im Genom hätten. Da brauche es Geduld. «Normalerweise werden solche Viren mit der Zeit etwas schwächer, aber leichter übertragbar.»

Es wird leichter, die Pandemie zu bekämpfen

Er kann nachvollziehen, dass ein Teil der Bevölkerung die Massnahmen nicht versteht, warnt aber davor, die Gefährlichkeit des Virus zu unterschätzen. In der ersten Welle sei die Übersterblichkeit im Tessin und der Westschweiz im Vergleich mit Grippewellendeutlich höher gewesen. Auf eine Pandemieprognose für die nächsten Monate lässt sich Koch aber nicht ein: «Das wäre ein Ratespiel.»

Doch in Zukunft werde es mit neuen Werkzeugen wie Impfstoffen und Schnelltests leichter werden, die Pandemie in den Griff zu bekommen. Das geschehe nicht von selbst, es brauche Anstrengungen. «Aber in ein, zwei Jahren wird Corona nicht mehr das grosse Thema sein», sagt Koch. Generell hält er das schweizerische Vorgehen in der Coronakrise für richtig, auch im Vergleich mit Schweden, das mit seiner Durchseuchungsstrategie ein relativ hohes Risiko eingehe.

Den Medien rät er, trotz der hohen Fallzahlen keine Angst zu schüren. Im Grossen und Ganzen habe die Schweizer Medienlandschaft die Balance aber gefunden. Er selbst sei wegen der Medien nicht unter Druck gestanden, er könne sich nicht beklagen. Gestählt von seinen IKRK-Einsätzen in Krisengebieten habe er eine Kriegskommunikation für die Pandemie verhindern wollen. «Das ist uns gelungen.»

Maske ist kein Allheilmittel

Oft kritisiert wird Koch für seine Haltung gegenüber den Masken, die er im Frühling als wenig effizient bezeichnet hatte. Auch da lässt er sich nicht aus der Ruhe bringen, obwohl ihn SVP-Nationalrat Thomas Aeschi der Maskenlüge bezichtigt hat. Damals habe es keine wissenschaftliche Evidenz für das Maskentragen gegeben, auch andere Experten seien skeptisch gewesen. Mittlerweile gebe es mehr Klarheit, sagt Koch. Aber immer noch seien die Distanz- und Hygienemassnahmen entscheidend, zusätzlich dazu mache das Maskentragen jetzt aber Sinn. «Die Maske ist aber kein Allheilmittel.»

Gefragt wird Koch, der als Mr. Corona eine massvolle Linie vertrat, wie er nun mit den Anpöbelungen der Coronaskeptiker verfahre. «Wenn man versucht, eine Balance zu finden und ausgewogen die Massnahmen zu vertreten, ist es normal, dass man von beiden Seiten kritisiert wird.» Er gehe mit den Coronaskeptikern um, wie mit anderen Kritikern auch, und höre alle an. «Ich fühle mich nicht persönlich betroffen.» Dass einige behaupten, es gebe gar kein Coronavirus, verstört ihn nicht. Es gebe auch Menschen, die behaupten, die Erde sei flach.

Autor

Bruno Knellwolf

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