Bergsturz

Experten erklären: So kam es zum Bergsturz in Bondo

Die Gemeinde Bregaglia beziffert die Kosten durch den Bergsturz vom August in der Region Bondo auf 41 Millionen Franken. (Archivbild)

Die Gemeinde Bregaglia beziffert die Kosten durch den Bergsturz vom August in der Region Bondo auf 41 Millionen Franken. (Archivbild)

Der Bergsturz von Bondo und der folgende gewaltige Murgang waren laut einer Expertengruppe des Kantons eine weltweit sehr seltene Verkettung von Naturereignissen. Fatal war, dass die Felsmassen vom Pizzo Cengalo auf den darunterliegenden Gletscher stürzten.

Drei Millionen Kubikmeter Fels, das Volumen von 3000 Einfamilienhäusern, stürzten am 23. August auf das Gletschereis, wie das Bündner Bau-, Verkehrs- und Forstdepartement am Freitag vor den Medien mitteilte. Innert Sekunden trugen die Felsmassen viel Eis ab, pulverisierten dieses oder schmolzen es gar.

Zusammen mit Wasser aus der Umgebung hat das frei gewordene Wasser die abgestürzten Gesteinsmassen in Bewegung gebracht und einen Schuttstrom geformt, der sich durch das Val Bondasca bis in den Talboden bei Bondo ergoss. Das sind die Erkenntnisse einer fast zwanzigköpfigen Expertengruppe, die vom Kanton zur Aufarbeitung der Naturereignisse eingesetzt wurde.

Der gigantische Felssturz am Piz Cengalo in Bondo

Der gigantische Felssturz am Piz Cengalo in Bondo

Am 3369 Meter hohen Piz Cengalo in Bondo im Kanton Graubünden lösten sich am 23.8.2017 gigantische Gesteinsmassen, die zu Felslawinen, Muren und Überschwemmungen führten.

Durch Messungen wussten die Behörden im August, dass ein grösserer Bergsturz bevorstand. Der Felssturz kam trotzdem überraschend. Ausgerechnet in den Tagen vor dem 23. August war der Fels am Pizo Cengalo "sehr ruhig".

Weitere Bergstürze und Murgänge

Insgesamt flossen im August in mehreren Murgängen 500'000 Kubikmeter Schutt das Val Bondasca hinab bis nach Bondo. Weitere 1,5 Millionen Kubikmeter Felssturzmaterial türmen sich weiterhin im Seitental. Laut den Experten können diese durch genügend Wasser mobilisiert werden und als erneuter Murgang bis nach Bondo vordringen.

Das verwüstete Bondo aus der Luft

Mitte September 2017: Das verwüstete Bondo aus der Luft

  

Auch weitere Bergstürze drohen dem kleinen Bergdorf im Bündner Südtal Bergell. Am Piz Cengalo ist weiterhin mehr als eine Million Kubikmeter Fels in Bewegung. Langfristig könnten sich bis zu drei Millionen Kubikmeter aus der Wand lösen können, also nochmals das gleiche Volumen des Bergsturzes vom 23. August.

Das Schlussfazit der Experten: In den nächsten Jahren müssen die Einwohner von Bondo bei starken Niederschlägen oder erneuten Bergstürzen mit kleineren und grösseren Murgängen gerechnet werden.

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