Infrastruktur
Fehlende Ladestationen für Elektroautos: Müssen jetzt die Hausbesitzer bezahlen?

In Mietwohnungen gibt es oft keine Ladestationen für E-Autos. Mit dem Nein zum CO2-Gesetz fehlt der geplante Ausbau-Anreiz. Doch mit der Zunahme der Elektroautos werden die Stationen wichtiger. Wie weiter?

Lucien Fluri
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Fehlen bei Mietwohnungen oft noch: Ladestationen für Elektroautos.

Fehlen bei Mietwohnungen oft noch: Ladestationen für Elektroautos.

Christian Beutler/Key

Die Zahl der Elektroautos auf Schweizer Strassen wird rasant zunehmen. Dies ist zumindest die Überzeugung des neuen Amag-Chefs, Helmut Ruhl. Er sagte im Interview mit CH Media:

«Wir werden die Elektromobilität pushen, mit allen Hebeln, die uns zur Verfügung stehen.»

Tatsächlich steigt die Zahl der Elektroautos auf Schweizer Strassen rasch. 2020 war bereits jeder siebte neu zugelassene Personenwagen ein Elektroauto oder Plug-in-Hybrid. Fast monatlich kommen neue Modelle auf den Markt. Gleichzeitig ist der Druck auf die Hersteller gestiegen, E-Autos zu verkaufen. Hohe staatliche CO2-Bussen schmälern die Marge auf den Verbrennern.

Ist die Politik gefordert? Oder sind es die Hausbesitzer?

Die Politik sei gefordert, die Rahmenbedingungen für die Infrastruktur «schnell zu verbessern», sagt der Amag-Chef. Insbesondere ein Problem ist noch nicht gelöst: Die Ladeinfrastruktur fehlt oft, gerade für Mieterinnen und Mieter in Mehrfamilienhäusern. «Nicht alle haben zuhause oder am Arbeitsplatz einen Parkplatz mit Lademöglichkeit», sagt auch Andreas Burgener, der Direktor des Branchenverbandes Auto Schweiz. Und weiter:

Andreas Burgener, Direktor von Auto Schweiz.

Andreas Burgener, Direktor von Auto Schweiz.

SZ
«Wenn die Elektromobilität zunehmen soll, müssen wir uns Gedanken machen, wie wir dieses Problem lösen.»

Die Frage stellt sich insbesondere nach dem Nein zum CO2-Gesetz. Denn der Klimafonds, der Teil der Vorlage gewesen wäre, hätte hier Anreize gesetzt. «Jetzt müssen alle an einen Tisch sitzen», sagt Burgener. Denn fehlende Lademöglichkeiten seien ebenso wie der Preis oder die teils unbegründete Angst, die Reichweite genüge nicht, ein Grund, warum Leute kein Elektromobil kauften. Neben Stromversorgern seien am runden Tisch auch Pensionskassen und Versicherer als grosse Immobilienbesitzer gefragt. Eine Lösung sei noch nicht absehbar, sagt Burgener. Klar ist: Am Ende wird auch die Frage im Raum stehen, wer die Infrastruktur bezahlt.

«Ladestation gehört zur Wohnung wie die Waschmaschine»

Eine klare Vorstellung hat Matthias Jauslin. Der Aargauer FDP-Nationalrat ist auch Vorstandsmitglied von Swiss E-Mobility. Er gehört zu den Mitunterzeichnern eines kürzlich eingereichten Vorstosses. Dieser will im Gesetz festschreiben, dass Mieterinnen und Mieter Anspruch auf den Zugang zu einer Ladestation haben.

Der Mieter habe ein Anrecht auf eine Ladestation, sagt FDP-Nationalrat Matthias Jauslin.

Der Mieter habe ein Anrecht auf eine Ladestation, sagt FDP-Nationalrat Matthias Jauslin.

Chris Iseli

Jauslin ist überzeugt: Die Zahl der Elektroautos wird stark zunehmen und in wenigen Jahren werden Ladestationen zu einer Wohnung gehören «wie heute die Waschmaschine oder die Küche». «Die Hauseigentümer sind gefordert und müssen Gas geben», sagt Jauslin. Dies sei auch in ihrem Interesse: Immobilien ohne Ladeinfrastruktur würden an Attraktivität und an Wert verlieren.

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