Die Affäre um den Bundesanwalt Michael Lauber und seine ominösen Treffen mit Fifa-Boss Gianni Infantino spitzt sich zu. Immer mehr Akteure tauchen auf und schlagen sich auf die eine oder die andere Seite. Es ist eine Art Aufmarsch wie im Kultwestern High Noon.

Der angeschlagene Bundesanwalt Michael Lauber, 53, der zuletzt wiederholt in Berner Marzili-Bad gesichtet wurde, bringt sich in Stellung in seinem Kampf gegen die Abwahl. Sein publizistisches Vehikel ist, nicht zum ersten Mal, der Zürcher «Tages-Anzeiger», kurz TA.

Neuer Akteur: Claude Janiak, SP

Dort lancierte Lauber jetzt seinen Gegenangriff auf Bundesstrafrichter Giorgio Bomio. Dieser war es, der Mitte Juni als Präsident eines Dreiergerichts den für Lauber folgenschweren Entscheid fällte: Der Bundesanwalt sei wegen seinen nicht protokollierten, nicht geklärten Treffen mit Fifa-Boss Gianni Infantino befangen. Und dies seit dem ersten bekannten Treffen, seit Frühling 2016 also. Ein schwerer Schlag für Lauber, denn das Urteil bedeutete, dass er mit seinen Treffen die eigenen Strafverfahren beschädigt hat.

Claude Janiak.

Claude Janiak.

Jetzt schiesst Lauber zurück. Richter Bomio, Mitglied der SP, Präsident der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts, soll sich vor seinem Urteilsspruch unangemessen geäussert haben, so Laubers Kritik. Der Kronzeuge des Bundesanwalts ist dabei kein Geringerer als der abtretende SP-Ständerat Claude Janiak (BL), Präsident der Geschäftsprüfungs-Delegation des Bundesparlaments (GPDel).

E-Mail an Lauber

Laut «Tages-Anzeiger» schrieb Janiak eine E-Mail an Lauber, in der er Aussagen wiedergab, die Bomio ihm gegenüber gemacht habe. Und zwar am Rande des Fraktionsausflug der SP vom 12. Juni. Bomio, so berichtete Janiak dem Bundesanwalt, habe ihm in einer kurzen Unterhaltung «zu verstehen gegeben», dass die Zustände in der Bundesanwaltschaft «unhaltbar» seien. Der Bundesanwalt sei «nicht wiederwählbar».

Unabhängig davon, ob Janiaks Behauptungen stimmen: Bomio kennt Lauber und dessen Arbeitsweise gut. Er war lange selbst auch Mitglied der Aufsichtsbehörde über die Bundesanwaltschaft (AB-BA).

Lauber stellt jetzt auch ein Ausstandsgesuch

Mit der Munition von Janiak ausgerüstet, stellt sich Lauber jetzt auf den Standpunkt, sein Richter Bomio sei befangen. Denn eine knappe Woche nach dem Fraktionsausflug erging das fatale Urteil gegen Lauber in Sachen Fifa. Das Verdikt, wonach Lauber in den Ausstand treten muss.

Ein Sprecher von Laubers Behörde bestätigt: Die Bundesanwaltschaft habe bei der Berufungskammer in Bellinzona «ein Ausstandsgesuch gegen den Präsidenten der Beschwerdekammer in Form eines Revisionsgesuchs eingereicht».

Janiak gab laut TA an, er kenne Lauber aus der GPDel. Der Baselbieter hat den Bundesanwalt allerdings schon früher unterstützt. So reichte er im September 2016 eine Motion ein, in der er die Einführung einer Kronzeugenregelung forderte. Zuvor hatte Lauber in einem Interview gefordert, die Kronzeugenregelung müsse geprüft werden.

Janiak schweigt jetzt

Janiak wollte die Frage gestern nicht beantworten, ob er über auch ausserhalb der GPDel Kontakt zu Lauber habe. Auch die Frage, ob er Bomio auf die angeblich Unangemessenheit seiner Aussagen hingewiesen habe, wollte Janiak nicht beantworten. «Ich habe nicht die Absicht, dem Bericht des TA etwas beizufügen», teilt er mit.

Es taucht ein weiterer bemerkenswerter Akteur auf. Auf Anfrage dieser Zeitung wollte die Bundesanwaltschaft am Mittwoch nicht sagen, durch welche Anwälte sich Lauber im Disziplinarverfahren vertreten lässt, das die Aufsichtsbehörde AB-BA wegen der Infantino-Treffen gegen ihn führt.

Staranwalt Erni taucht auf

Jetzt berichtet der TA, dass Lauber den Zürcher Star-Strafverteidiger Lorenz Erni angeheuert hat. Die Sache wird damit noch einmal eine Stufe abenteuerlicher: Denn Erni vertritt auch den ehemaligen Fifa-Boss Sepp Blatter, gegen den Laubers Behörde seit Jahren ermittelt. 2015 hatte die Bundesanwaltschaft ein Verfahren wegen des Verdachts auf ungetreue Geschäftsbesorgung und eventuell Veruntreuung eröffnet.

Sepp Blatter.

Sepp Blatter.

Erni tanzt also, sofern die Angaben der Zeitung stimmen, auf mehreren Hochzeiten im Fifa-Komplex. Die Bundesanwaltschaft beantwortete die Frage, ob Ernis Mehrfachvertretung rechtlich zulässig sei, gestern nicht. Ein von dieser Zeitung befragter langjähriger Strafrichter indessen sagt: Erni könne nicht gleichzeitig Lauber und Blatter vertreten. «Das geht nicht.» Lauber sei in der Fifa-Sache zwar im Ausstand, aber er sei immer noch Bundesanwalt. Chef der Behörde, die gegen Blatter ermittelt.

Erni gilt als Vertrauter von Lauber

Lauber und Erni, 69, gelten seit langem als Vertraute. So soll Erni einer jener Anwälte sein, die direkten Zugang zum Bundesanwalt haben. Das sorgte innerhalb der Bundesanwaltschaft für Stirnrunzeln, da Erni auch Klienten vertritt, die im Visier der BA stehen.

Erni soll auch für die Grossbank Credit Suisse tätig sein, die verschiedentlich im Zusammenhang mit gesperrten Konten auf dem Radar der Bundesanwaltschaft auftauchte.

Erni tauchte aber auch am Rande des Falls Behring auf. Als Behring eine Beschwerde gegen den leitenden Bundesstrafrichter Daniel Kipfer einreichte, nahm sich dieser Erni als Anwalt. Kipfer wurde immer auch eine besondere Nähe zu Bundesanwalt Lauber nachgesagt. Was Kipfer dementierte.

Vekselberg, Holenweger, Vinzenz

Erni vertrat auch Leute wie den russischen Oligarchen Viktor Vekselberg. Er verhalf einst dem Privatbankier Oskar Holenweger zum Freispruch vor Bundesstrafgericht – einer der drei urteilenden Richter war damals Daniel Kipfer. Derzeit vertritt Erni auch den ehemaligen Raiffeisen-Chef Pierin Vinzenz. Erni will sich auf Anfrage jeweils nicht zu seinen Mandaten äussern.

Aufmarsch zum High Noon. Die Affäre Lauber wird immer abenteuerlicher. Jetzt gerät eine weitere Institution, das Bundesstrafgericht, in den Sog der Infantino-Treffen. Der zu allem entschlossene Bundesanwalt will offenbar im September zur Wiederwahl antreten, obwohl er seit seinen ungeklärten Infantino-Treffen für sehr viele Parlamentarier als unwählbar gilt.