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Scharmützel um Sepps Briefe - wie Fifa-König Infantino einen Post-Krieg gegen Vorgänger Blatter führt

Immer noch geht bei der Fifa Post für Sepp Blatter ein. Jetzt lässt sein Nachfolger die Annahme der Briefe verweigern.

Henry Habegger
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Sein Nachfolger hat ihm den Post-Krieg erklärt: Sepp Blatter, hier in einem Archivbild aus dem Jahr 2018.

Sein Nachfolger hat ihm den Post-Krieg erklärt: Sepp Blatter, hier in einem Archivbild aus dem Jahr 2018.

Dmitry Serebryakov / AP

Er ist der mächtigste Sport-Funktionär der Welt, Duzfreund von Präsidenten und Diktatoren: Fifa-Präsident Gianni Infantino. Gegen seinen Vorgänger Sepp Blatter führt der Fifa-König allerdings ein kleinliches Scharmützel.

Es geht um Sepps Post.

Auch gut fünf Jahre nach Blatters Abtritt trifft am Fifa-Hauptsitz in Zürich fast täglich Post für den langjährigen Präsidenten ein. Das mag den eitlen Nachfolger wurmen. Er griff zu speziellen Methoden. Unlängst schmiss ein Emissär des Fifa-Chefs einen dicken Posten Briefe ins Milchkästli von Blatters Zürcher Wohnung. Dieser staunte, erst recht, als er sah: Die Post, an ihn adressiert, war von der Fifa geöffnet worden, teilweise war sie schon Monate alt.

Fifa öffnete Blatters Post

Blatters Anwalt protestierte im Mai gegen diesen Bruch des Post-Geheimnisses. Er bat die Fifa, die an Blatter adressierte Post künftig «ohne Zeitverzug und ungeöffnet an ihn weiterzuleiten.»

Fifa-Chefjurist Emilio Garcia Silvero gab zurück: Die Post sei «unabsichtlich und irrtümlich» geöffnet worden; eine Entschuldigung blieb aus. Dafür die Erklärung: Ab jetzt werde die Fifa die Annahme jeglicher Post verweigern, die an Blatter adressiert sei. Blatter solle den Leuten, die ihm immer noch schrieben, seine Privatadresse angeben.

Blatter ist Mieter in einem Fifa-Haus

Nun wohnt Blatter nur zwei Kilometer vom Fifa-Hauptsitz entfernt; als Mieter in einer Fifa-Liegenschaft. Blatters Anwalt schlug daher vor: Der ehemalige persönliche Assistent von Blatter, der bei der Fifa arbeite, könnte doch die Post einmal pro Woche bei Blatter in den Briefkasten werfen. Dessen Wohnung liege auf dem Arbeitsweg des Assistenten. Der Rechtsanwalt hielt fest: «Für die Fifa wäre der damit verbundene Aufwand weit weniger gross als die Retournierung der eingehenden Briefe an den Absender.»

Wie die Post-Krieg ausgeht, ist unklar. Die Antwort der Fifa auf den Friedens-Vorschlag in der Post-Fehde steht aus.

Allerdings ist nicht zu erwarten, dass Infantino viel Entgegenkommen zeigen wird. Er lässt seinen Vorgänger mit Klagen eindecken; eine eigentliche Ent-Blatterisierung ist im Gang. So werden Einrichtungen und Anlässe, die Blatter prägte, wie das Fifa-Museum, abgestossen oder gestrichen.

Infantino ist offensichtlich sogar dabei, den Fifa-Sitz von Zürich nach Paris zu verlegen. Laut «Le Monde» hat er mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bereits eine Absichtserklärung unterschrieben.

Infantino und die Scheichs. Im Januar 2021 mit dem saudischen Sportminister Prinz Abdulaziz bin Turki Al Faisal.

Infantino und die Scheichs. Im Januar 2021 mit dem saudischen Sportminister Prinz Abdulaziz bin Turki Al Faisal.

Ministry Of Sports Handout / EPA

Gianni Infantino und die Scheichs

Zum Auftakt eröffnete die Fifa soeben eine Aussenstelle im noblen Hotel de la Marine in Paris, wo sich auch die Scheichs aus Katar mit ihrer Kunstsammlung einnisten. Um den Westen so schleichend mit dem totalitär-fundamentalistischen Wahhabismus, der auch Staatsreligion in Saudi-Arabien ist, zu indoktrinieren, wie kritische Franzosen im Vorfeld befürchteten. Giannis Truppe folgt auf dem Fuss: Eine Hundertschaft von Zürcher Fifa-Leuten soll bereits informiert worden sein, ihr Arbeitsort sei künftig Paris.

Am 10. Juni 2021 in Paris, bei der Eröffnung des Museums im Hotel de la Marine in Paris, wo auch die Fifa einen Ableger installiert: Infantino mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron.

Am 10. Juni 2021 in Paris, bei der Eröffnung des Museums im Hotel de la Marine in Paris, wo auch die Fifa einen Ableger installiert: Infantino mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron.

Francois Mori / AP

Infantino steht definitiv auf Katar, Austragungsort der WM 2022. Auch der «Schweizerhof» in Bern, Schauplatz seiner heimlichen Treffen mit dem ehemaligen Bundesanwalt Lauber, gehört dem Emirat.

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