Schweiz

Funiciello-Rücktritt: Das ist aus den Juso-Präsidenten geworden

Nach dem Rücktritt von Tamara Funiciello sucht die Juso ein neues Gesicht. Die abtretende Präsidentin will ihre Polit-Laufbahn im Bundeshaus fortsetzen. Das haben vor ihr schon verschiedene Juso-Exponenten geschafft.

Keine andere Schweizer Jungpartei ist derart sichtbar wie die Juso. Seit dem letzten Samstag ist sie auf der Suche nach einem neuen Gesicht. Tamara Funiciello, die Präsidentin, tritt zurück. «Irgendwann ist es Zeit, abzuschliessen», sagt die Bernerin. Sie will im August Platz machen für «neue Leute mit neuen Ideen». Ihre zwei wichtigsten Projekte werden dann abgeschlossen sein: Der Frauenstreik, der Mitte Juni stattfindet. Und die 99-Prozent-Initiative, die letzte Woche eingereicht wurde.

Funiciello ist seit drei Jahren Juso-Präsidentin. Sie hat in dieser Zeit gemacht, was Juso-Präsidenten eben so machen: Sie war ganz schön laut. Hat gepoltert und geflucht. Hat die Mutterpartei, vor sich hergetrieben, war der «Stachel im Arsch der SP», wie Funiciello es einst formulierte. Einmal hat sie, die als erste Frau alleine an der Juso-Spitze stand, öffentlichkeitswirksam ihren BH verbrannt, um Sexismus und fehlende Gleichstellung zu thematisieren. Die Bernerin hat ausgeteilt, und sie musste auch einiges einstecken. Vor allem im letzten Sommer, als sie den Sommerhit «079» als sexistisch kritisierte - und eine Hasswelle erntete.

Nationalräte - und gar ein Bundesrat

Ihre Partei macht sich nun daran, eine Nachfolgerin zu suchen. Funiciello sagt, die Juso habe eine «sehr dicke Personaldecke». Fest steht: Die Juso steht vor einem wichtigen Entscheid, weil für sie vieles steht und fällt mit der Aussenwirkung der Parteispitze. Funiciello, die heute Berner Grossrätin ist, zieht es derweil in den Nationalrat. Sie kandidiert im Herbst für einen Sitz im Bundeshaus. Sie wäre nicht die erste, die das Juso-Präsidium als Sprungbrett nutzt. So tummeln sich im Bundeshaus heute gleich mehrere ehemalige Juso-Präsidenten.

Cédric Wermuth.

Cédric Wermuth.

Da ist einmal Cédric Wermuth. Der Aargauer wurde 2007 nach vielen Jahren mit einem Co-Präsidium zum ersten alleinigen Präsidenten der Juso seit den 1980er-Jahren. Wermuth rauchte einst an einer SP-Delegiertenversammlung am Rednerpult einen Joint. Mittlerweile ist er im Bundeshaus eine feste Grösse, sitzt seit 2011 im Nationalrat - und setzt nun zum Sprung in den Ständerat an. Im Herbst kämpft er im Aargau etwa gegen FDP-Nationalrat Thierry Burkart, Marianne Binder-Keller von der CVP oder SVP-Vertreter Hansjörg Knecht.

Fabian Molina

Fabian Molina

Seit etwas mehr als einem Jahr sitzt auch der Vorgänger von Tamara Funiciello an der Juso-Spitze, der Zürcher Fabian Molina, im Nationalrat. Damals erbte der 29-Jährige den Sitz von Tim Guldimann. David Roth, der vierte im Bunde der Juso-Chefs seit der Wiedereinführung des Amts im Jahr 2008, hofft diesen Herbst ebenfalls auf einen Sitz in Bern: Der Luzerner kandidiert für den Ständerat. Derzeit ist er Mitglied des Luzerner Kantonsparlaments.

Moritz Leuenberger

Moritz Leuenberger

Dass es ehemalige Juso selbst zu höchsten Weihen bringen können, zeigt das Beispiel von Moritz Leuenberger, der einst Mitglied der Juso war - und später während 15 Jahren Bundesrat. Auch Pierre-Yves Maillard hat eine Juso-Vergangenheit. Er sass 2011 als SP-Kandidat im Vorzimmer zur Regierung, gewählt wurde dann aber Alain Berset. Maillard ist der neue Präsident des Gewerkschaftsbunds - und langjähriger Waadtländer Regierungsrat. In der Stadt Bern sitzt mit Ursula Wyss eine Frau in der Exekutive, für die einst bei der Juso alles anfing.

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