Geroldswil
Gemeinde gibt Vandalen den Tarif durch

Immer öfter kommt es an der Bushaltestelle im Geroldswiler Zentrum zu Sachbeschädigungen. Nun droht die Gemeinde, den Unterstand ganz abzumontieren, falls die Vandalen weiterwüten.

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Bushaus

Bushaus

Limmattaler Zeitung

Sandro Zimmerli

Die Busstation im Zentrum Geroldswils ist ein wichtiger Knotenpunkt des öffentlichen Verkehrs. Von dort fahren Busse nach Oberengstringen, Dietikon und Oetwil. Seit geraumer Zeit wird die Haltestelle nicht mehr nur von Fahrgästen frequentiert. Immer häufiger treffen sich dort Jugendliche. Das führt auch zu negativen Begleiterscheinungen wie Sachbeschädigungen am Bushäuschen.

Für den Gemeinderat ist das Mass mittlerweile voll. Er will deshalb zu drastischen Massnahmen greifen. In der jüngsten Ausgabe der «Geroldswiler Nachrichten» informiert er die Bevölkerung darüber, dass er mit dem Gedanken spiele, den Witterungsschutz des Unterstandes zu entfernen, falls sich die Lage nicht bessere.

«Die Ankündigung in den ‹Nachrichten› kann als Warnung verstanden werden. Wir wollen zuerst die Reaktionen auf unsere Idee abwarten», erklärt Sicherheitvorstand Martin Conrad. Sollten tatsächlich Veränderungen am Busunterstand vorgenommen werden, seien verschiedene Varianten denkbar. «Einerseits könnte man die Scheiben oder die Sitzbank entfernen. Im schlimmsten Fall besteht die Möglichkeit, auch das ganze Häuschen abzureissen», hält Conrad fest.

Weiningen hats vorgemacht

Der Text in den «Geroldswiler Nachrichten», so Conrad, sei aber auch ein Aufruf an die Bevölkerung, wachsam zu sein. «Neben den Sachbeschädigungen und dem vielen Abfall bereitet uns auch das Verkehrsaufkommen Sorgen», sagt Conrad. So würden viele Jugendliche mit dem Velo oder dem Mofa zur Busstation fahren. «Dort kurven sie dann um die Station herum, was schon öfters zu gefährlichen Situationen geführt hat», erklärt er.

Verständnis für das Vorgehen des Geroldswiler Gemeinderates zeigt man in Weiningen. Dort hat man vor drei Jahren aus denselben Gründen das Bushäuschen beim Wendeplatz der Linie 302 gleich abgerissen. «An der Haltestelle wurden immer wieder Abfalleimer zerstört und Scheiben zerkratzt. Deshalb haben wir den Unterstand entfernt. Die Reklamationen sind seither zurückgegangen», sagt Weiningens Sicherheitsvorstand Hans-Ulrich Furrer. Allerdings habe man später wieder eine Sitzbank beim Wendeplatz aufgestellt. «Vor allem ältere Buspassagiere sind auf eine Sitzgelegenheit angewiesen», erklärt Furrer.

Der Service public leidet

Dieses Problems ist man sich auch in Geroldswil bewusst. «Natürlich wären die Fahrgäste gestraft, wenn wir einen Teil des Unterstandes entfernen. Zudem ist auch das Problem nicht gelöst, wohin die Jugendlichen sich dann zurückziehen werden», so Conrad. Man hoffe, dass man durch die Schaffung einer zweiten Polizeistelle mehr Präsenz an der Bushaltestelle markieren könne. «So zeigen wir den Jugendlichen, dass wir nicht jedes Verhalten tolerieren», erklärt der Sicherheitsvorstand.

Die Spannung zwischen öffentlichem Auftrag und grösserer Sicherheit kennt man auch in Dietikon. Dort sind es nicht Bushäuschen, sondern öffentliche WC - vor allem jenes beim Kirchplatz -, die immer wieder von Vandalen heimgesucht werden, wie Thomas Winkelmann, Leiter des Polizeisekretarites, erklärt. «Wir wollen die Toiletten nicht schliessen, um den Vandalismus einzudämmen. Dennoch müssen wir etwas tun», hält er fest.

Gespräche, so Winkelmann, hätten gezeigt, dass es kein Patentrezept gebe. «Vermutlich ist eine Kombination aus verschiedenen Massnahmen am sinnvollsten. Einerseits können wir die Öffnungszeiten so anpassen, dass die Toilette nur noch am Tag offen ist. Andererseits muss man mehr Kontrollen durchführen und die Bevölkerung auf Vorkommnisse sensibilisieren.»

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