Corona-Krise

Gestrandete Reisende dürfen doch noch hoffen, dass der Bund sie nach Hause holt

Parkierte Flugzeuge und leere Sitzplätze am Flughafen Zürich.

Parkierte Flugzeuge und leere Sitzplätze am Flughafen Zürich.

Viele Grenzen sind geschlossen, Flüge gestrichen. Tausende Schweizerinnen und Schweizer sitzen im Ausland fest.

Sie machen Ferien, sind im Auslandsemester oder auf einer längeren Geschäftsreise. Jetzt sollen sie wegen der weltweiten Corona-Pandemie so schnell wie möglich nach Hause kommen: Dazu hat der Bundesrat die Schweizer Reisenden im Ausland aufgefordert.

Wer zurückkehren wolle, sollte sich beeilen und keine Zeit verlieren bei der Buchung, sagte Aussenminister Ignazio Cassis. Doch Heimkommen ist gar nicht so einfach. Tausende Schweizerinnen und Schweizer sitzen derzeit rund um den Globus fest. Ihr Heimweg ist blockiert, seit Staaten Reiseverbote verhängt haben und Airlines viele Flugverbindungen nicht mehr anbieten.

Wie viele Schweizer genau im Ausland gestrandet sind, weiss niemand. Nach Schätzungen aus der Reisebranche dürften es mehrere zehntausend sein. Das Aussendepartement (EDA) betreibt die «Travel Admin App», über die sich Reisende bei schweren Krisen im Ausland informieren können. Laut EDA-Angaben von Donnerstagmittag haben sich rund 7700 Personen registriert, die sich nach eigenem Bekunden derzeit im Ausland befinden.

Während andere Staaten grosse Rückholaktionen starten, müssen sich Schweizer weitgehend selbst um ihre Rückkehr kümmern. «Gemäss Auslandschweizergesetz gibt es kein Anrecht auf eine organisierte Ausreise aus einem Krisengebiet oder einer Krisensituation», hält das EDA fest.

Die deutsche Regierung plant derweil die grösste Rückholaktion in der Geschichte der Bundesrepublik. Bis zu 50 Millionen Euro will Aussenminister Heiko Maas bereitstellen, um Chartermaschinen zu mieten und Bürger nach Deutschland zurückzubringen. Die Schweizer Behörden können bisher höchstens subsidiär helfen. In Sonderfällen intervenieren sie auf dem diplomatischen Weg in anderen Staaten.

Besonders schwierig ist die Lage in Marokko, wo die Flugverbindungen gekappt worden sind. Das EDA konnte erwirken, dass fünf Chartermaschinen in die Schweiz fliegen konnten. Auch Easyjet führte daraufhin am Donnerstag je einen Rückführungsflug von Agadir nach Basel und Genf durch.

Horrende Preise für manche Flugverbindungen

Die Flüge verknappen sich mehr und mehr. Die Swiss etwa musste auf einen Minimalflugplan umstellen. Jene Tickets, die noch übrig sind, kosten bei den meisten Airlines zuweilen horrende Summen. Der Schweizer Reiseverband (SRV) hat von Reisebüros zahlreiche Rückmeldungen erhalten, wonach Umbuchungen nur schleppend funktionierten.

Die Branche richtet sich in einem Appell an die Airlines und bittet um Kulanz: Sie sollten den Reisebüros in dieser nie da gewesenen Situation das Leben nicht noch schwerer machen mit Annullationsspesen.

Die von der Corona-Pandemie arg gebeutelte Swiss erklärte auf Anfrage, man habe «die Regeln deutlich vereinfacht, um Reisebüros und Endkunden das Buchen von Alternativrouten und das Umschreiben von Tickets zu erleichtern». Darüber hinaus setze man alles daran, den bereits gebuchten Kunden eine Alternative zu bieten. «Da die Preise von Angebot und Nachfrage bestimmt werden, hat die aktuelle Entwicklung zu kurzfristig steigenden Preisen geführt», sagte ein Swiss-Sprecher weiter.

An der Bilanzmedienkonferenz der Swiss signalisierte CEO Thomas Klühr den Behörden, dass man für Rückführungen von gestrandeten Touristen zu haben wäre. Und Easyjet kündigte an: «Wir werden weitere Rettungsflüge für Passagiere durchführen, die aus wichtigen, beruflichen oder gesundheitlichen Gründen oder zur Rückkehr in die Schweiz reisen möchten.»

Die deutschen Behörden möchten so schnell wie möglich 30 bis 40 Maschinen in besonders betroffene Gebiete schicken. Wäre in der Schweiz eine solche staatlich orchestrierte Aktion ebenfalls denkbar? Man helfe auf verschiedene Arten bei der Rückkehr, heisst es beim EDA. «Unter anderem mit der Unterstützung bei der Erteilung von Landeerlaubnissen, der Erstreckung von Fristen für Flugverbindungen oder der Informationsvermittlung via die Schweizer Vertretungen vor Ort.»

Am Donerstagabend dann präzisierte das Departement: «Sollte eine selbstständige Rückkehr trotz aller Bemühungen nicht möglich sein, prüft das EDA Möglichkeiten für eine organisierte Rückkehr.»

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Autor

Sven Altermatt

Sven Altermatt

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