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Haarsträubende Manöver im Gotthardtunnel: So geht die Polizei gegen Verkehrssünder vor

Wenden mitten im Tunnel, Überfahren der doppelten Sicherheitslinie und andere haarsträubende Manöver: Immer wieder beobachtet die Kantonspolizei grobe Verkehrsregelverstösse im Gotthard. Die allermeisten davon werden direkt geahndet.

Christian Tschümperlin
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CH Media

Geisterfahrer sorgen in Uri zum Jahresende vermehrt für Schlagzeilen. So kam es im November an einem Wochenende gleich zu drei halsbrecherischen Manövern im Gotthard. Zwei Autofahrer hatten im Strassentunnel verbotenerweise gewendet. Ein anderer überholte zweimal – trotz doppelter Sicherheitslinie.

Anfang Oktober stoppte die Polizei einen LKW-Chauffeur, der im Seelisbergtunnel ein heikles Manöver vollzog: Weil der Rumäne die Autobahnausfahrt verpasst hatte, legte er am Anfang des Seelisbergtunnels den Rückwärtsgang ein und wendete anschliessend.

Solche Verkehrsverstösse wie Wende- und Überholmanöver sind insbesondere im Gotthard keine Seltenheit, wie diese Videos der Kantonspolizei Uri zeigen:

Die Kantonspolizei Uri kann sie jeden Monat mehrmals von der Einsatzzentrale aus beobachten. Rund 150 Kameras sind durchgehend im Strassentunnel installiert und auch in Betrieb. «Bei einer entsprechenden Meldung rückt die Patrouille immer unverzüglich aus, um den fehlbaren Lenker meistens ausgangs des Tunnels zu stoppen», sagt der Chef der Bereitschafts- und Verkehrspolizei, Thorsten Imhof. Die Anhaltquote sei daher hoch.

Dieser Fahrer wendet mitten im Gotthardtunnel und wird dabei auf frischer Tat ertappt.

Dieser Fahrer wendet mitten im Gotthardtunnel und wird dabei auf frischer Tat ertappt.

Kantonspolizei Uri

Spitzen zeigen sich in den Sommermonaten

Thorsten Imhof ist Chef der Urner Bereitschafts- und Verkehrspolizei.

Thorsten Imhof ist Chef der Urner Bereitschafts- und Verkehrspolizei.

Pressedienst

Die Zahl der Verstösse ist etwa in jedem Jahr auf gleichem Niveau. Eine exakte Statistik wird aber nicht erhoben. Dass die Geisterfahrer gerade jetzt für Schlagzeilen sorgen, ist aber Zufall. «In den Sommermonaten erfolgen solche Manöver tendenziell häufiger als im Winter. Dies hat sicherlich mit dem erhöhten Fahrzeugaufkommen während des Sommers zu tun», so Imhof. Bleibt die Anzahl der Verstösse im bisherigen Rahmen, genügen gemäss Imhof die vorhandenen Ressourcen der Urner Kantonspolizei.

Bei den Manövern handelt es sich um mittelschwere bis schwere Verletzungen der Strassenverkehrsregeln. Die Strafe wird durch die Staatsanwaltschaft festgelegt und fällt aufgrund des Einkommens und des Vermögens der betroffenen Person unterschiedlich hoch aus. Sie reichen von Bussen über Geldstrafen bis hin zu Freiheitsstrafen.

Statt Bussendepositums können auch Vermögenswerte beschlagnahmt werden

Bei ausländischen Fahrern wird ein Bussendepositum vor Ort abgenommen. Und was geschieht, wenn der Fahrer die Busse nicht vor Ort bezahlen kann? Wird dann das Autoradio heraus geschraubt und beschlagnahmt? Die Kantonspolizei bestätigt: «Wenn ein Lenker die Bussenkaution nicht hinterlegen kann, hat die Polizei die Möglichkeit, zur Sicherung von Bussen und Verfahrenskosten Gegenstände und Vermögenswerte einer beschuldigten Person zu beschlagnahmen. Dieses Vorgehen kommt aber nicht häufig vor.»

Dieser Fahrer überfährt die doppelte Sicherheitslinie. Auch ihn haben die Kameras der Kantonspolizei Uri erwischt.

Dieser Fahrer überfährt die doppelte Sicherheitslinie. Auch ihn haben die Kameras der Kantonspolizei Uri erwischt.

Kantonspolizei Uri

Mehrheitlich handelt es sich bei den Verkehrssündern um PKW- oder Motorradfahrer. Sehr selten kommt es aber auch vor, dass Lastwagen im Gotthardtunnel wenden. Weshalb werden in Berichten aber meist Fahrer mit ausländischem Kontrollschild genannt? Dies führt Thorsten Imhof auf die mangelnden Ortskenntnisse zurück. «Andere Gründe sind beispielsweise Navigationsgeräte, welche die Fahrzeuglenker mit ‹Bitte wenden!› dazu auffordern.»

Ab der Kantonsgrenze greifen die Nachbarn zu

Meist gelingt es der Kantonspolizei, die Verkehrssünder am Tunnelausgang zu stoppen. «Es kommt sehr selten vor, dass wir fehlbare Fahrzeuglenker nicht vor der Kantonsgrenze anhalten können. Können diese nicht zeitnah angehalten werden, informieren wir die Polizeikorps unserer Nachbarkantone, um den fehlbaren Fahrzeuglenker anzuhalten», erklärt Imhof. Die Zusammenarbeit mit den Kollegen funktioniere hervorragend.

Können fehlbare Lenker angehalten werden, erfolgt immer eine gesamtheitliche Kontrolle des Lenkers und seines Fahrzeugs. «Dabei kann es auch vorkommen, dass weitere Widerhandlungen festgestellt werden. Diese werden ebenfalls konsequent zur Anzeige gebracht», so Imhof.

Appell an die Eigenverantwortung

Wird Einsprache gegen einen Strafbefehl erhoben, kann die beschuldigte Person von der Staatsanwaltschaft einvernommen werden. Bei Ausländern kann die Einvernahme auch mit einem Rechtshilfegesuch durch die Staatsanwaltschaft in einem anderen Land durchgeführt werden.

Imhof hält die heiklen Manöver übrigens für extrem gefährlich: «Mit dem Überfahren einer doppelten Sicherheitslinie in einem Tunnel gefährdet man nicht nur sich, sondern auch die anderen Verkehrsteilnehmer.» Er appelliert deshalb an die Eigenverantwortung der Fahrer.

So berichtete der Zentralschweizer Regionalsender Tele 1: